BDM Untergauwimpel für den Untergau "131"
Der BDM Untergauwimpel für den Untergau 131 (Hamm) im Gebiet Westfalen stellt ein seltenes Exemplar der organisatorischen Symbolik des Bundes Deutscher Mädel dar, der weiblichen Jugendorganisation innerhalb der nationalsozialistischen Hierarchie. Um 1936 entstanden, dokumentiert dieser Wimpel die territoriale Gliederung und administrative Struktur einer Organisation, die Millionen junger Mädchen und Frauen im Deutschen Reich erfasste.
Der Bund Deutscher Mädel (BDM) wurde 1930 als weiblicher Zweig der Hitler-Jugend gegründet und entwickelte sich nach 1933 zur staatlich vorgeschriebenen Jugendorganisation für Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Die jüngeren Mädchen (10-14 Jahre) waren im Jungmädelbund organisiert, während die älteren dem eigentlichen BDM angehörten. Nach dem Gesetz über die Hitler-Jugend vom Dezember 1936 wurde die Mitgliedschaft faktisch zur Pflicht, was die Organisation zu einer der größten weiblichen Jugendbewegungen der Geschichte machte.
Die administrative Gliederung des BDM folgte einem hierarchischen Prinzip, das sich an der territorialen Organisation des Deutschen Reiches orientierte. An der Spitze stand die Reichsreferentin, darunter gliederte sich die Organisation in Obergaue, Gaue, Untergaue, Mädelringe, Mädelgruppen und Mädelschaften. Der Untergau bildete eine mittlere Verwaltungsebene und umfasste typischerweise ein städtisches Gebiet oder einen Landkreis. Der Untergau 131 (Hamm) gehörte zum Gebiet Westfalen und war für die Organisation der BDM-Aktivitäten in der Stadt Hamm und deren Umgebung zuständig.
Die Wimpelproduktion für die verschiedenen Gliederungsebenen folgte strengen Vorschriften bezüglich Gestaltung und Ausführung. Der hier beschriebene Wimpel zeigt die charakteristischen Merkmale offizieller BDM-Fahnenprodukte aus der Mitte der 1930er Jahre: die beidseitig aufwendige Näharbeit, den großen Hoheitsadler in Kurbelstickerei und die deutlich sichtbare Untergaunummer. Die vier Karabinerhaken an der Seite dienten der Befestigung an Fahnenstangen oder Halterungen bei offiziellen Anlässen.
Der Hoheitsadler als zentrales Motiv symbolisierte die staatliche Autorität und die Einbindung der Organisation in das nationalsozialistische Herrschaftssystem. Die Verwendung der Kurbelstickerei, einer aufwendigen Sticktechnik, die mittels einer Kurbelstickmaschine ausgeführt wurde, deutet auf eine professionelle Herstellung in einer autorisierten Werkstatt hin. Solche Wimpel wurden nicht für den Massengebrauch produziert, sondern dienten als offizielle Hoheitszeichen der jeweiligen Untergauleitung.
Die Maße von 75 x 125 cm entsprechen den standardisierten Vorgaben für Untergauwimpel und unterscheiden sich deutlich von kleineren Wimpeln niedrigerer Organisationseinheiten oder größeren Fahnen der übergeordneten Ebenen. Die Zeitstellung um 1936 ist historisch bedeutsam, da in diesem Jahr durch das Hitler-Jugend-Gesetz vom 1. Dezember die rechtliche Grundlage für die quasi-obligatorische Mitgliedschaft geschaffen wurde.
Der Verwendungskontext solcher Wimpel umfasste verschiedene offizielle Anlässe: Versammlungen der Untergauführung, regionale Aufmärsche und Kundgebungen, Sportwettkämpfe, Lager und andere Veranstaltungen, bei denen die territoriale Zugehörigkeit sichtbar gemacht werden sollte. Der Wimpel diente als Identifikationssymbol und Ausdruck des Gemeinschaftsgedankens, der in der NS-Ideologie zentral war.
Die erhaltungsgeschichtliche Bedeutung eines solchen Objekts ist beträchtlich. Während Massenprodukten wie Abzeichen oder Druckschriften eine höhere Überlebensrate zukommt, sind originale Fahnen und Wimpel spezifischer Untergaue äußerst selten erhalten geblieben. Viele wurden nach 1945 im Zuge der Entnazifizierung vernichtet oder bewusst zerstört. Die beschriebenen Gebrauchsspuren und kleineren Löcher sind typisch für tatsächlich verwendete Objekte und erhöhen paradoxerweise den dokumentarischen Wert, da sie authentische Nutzung belegen.
Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die historische Forschung zur NS-Zeit, zur Jugendorganisation und zur regionalen Geschichte. Sie dokumentieren die flächendeckende organisatorische Durchdringung der Gesellschaft und die Instrumentalisierung der Jugend für ideologische Zwecke. Der wissenschaftliche Wert liegt in der Verbindung von materieller Kultur, Organisationsgeschichte und regionalhistorischer Forschung.