Elastolin - Heer Offizier mit Fernglas stehend beobachtend

7 cm, Zustand 2/2-.
393000
25,00

Elastolin - Heer Offizier mit Fernglas stehend beobachtend

Die hier beschriebene Elastolin-Figur eines stehenden Heeresoffiziers mit Fernglas in 7 cm Größe repräsentiert ein charakteristisches Beispiel der deutschen Spielzeugproduktion der 1930er und 1940er Jahre. Diese Figur verkörpert einen Offizier der Wehrmacht, der in beobachtender Haltung mit einem Fernglas dargestellt ist – eine ikonische Pose, die die Rolle der militärischen Aufklärung und Führung symbolisiert.

Die Firma Elastolin wurde von der Hausser-Firma in Neustadt bei Coburg betrieben und war einer der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Die Bezeichnung “Elastolin” bezieht sich auf das verwendete Material, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Bindemitteln, die auf einen Drahtkorpus aufgebracht wurde. Dieses Material ermöglichte detaillierte Modellierungen und war gleichzeitig robust genug für den Spielzeuggebrauch.

Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erlebte die Herstellung militärischer Spielzeuge einen erheblichen Aufschwung. Die Militarisierung der Gesellschaft und die Propagierung militärischer Tugenden führten zu einer verstärkten Nachfrage nach entsprechendem Spielzeug. Elastolin produzierte umfangreiche Serien von Wehrmachtssoldaten in verschiedenen Waffengattungen und Ranggruppen.

Der hier dargestellte Offizier mit Fernglas verkörpert eine typische Führungsfigur der Wehrmacht. Das Fernglas (Doppelfernrohr) war ein unverzichtbares Ausrüstungsstück für Offiziere aller Waffengattungen. Die Wehrmacht verwendete verschiedene Modelle, darunter das weit verbreitete 6x30 Dienstglas und das hochwertigere 10x50 Kommandeursglas. Die Beobachtung des Gefechtsfeldes, die Aufklärung feindlicher Stellungen und die Koordination eigener Truppen gehörten zu den zentralen Aufgaben eines Offiziers.

Die Uniformdarstellung bei Elastolin-Figuren war für ihre Zeit bemerkenswert detailliert. Obwohl es sich um Spielzeugfiguren handelte, wurde großer Wert auf die korrekte Wiedergabe von Uniformdetails, Rangabzeichen und Ausrüstungsgegenständen gelegt. Die Figuren wurden in aufwendigen Verfahren bemalt, wobei Schablonen und Handmalerei kombiniert wurden. Dies erklärt auch die unterschiedlichen Erhaltungszustände, die heute bei Sammlerstücken anzutreffen sind.

Die 7-cm-Serie von Elastolin war die Standardgröße und umfasste das umfangreichste Sortiment. Diese Größe hatte sich als ideal für Spielzwecke erwiesen und ermöglichte es Kindern, ganze Schlachtszenen nachzustellen. Neben den einfachen Soldatenfiguren wurden auch Geschütze, Fahrzeuge und Geländestücke im passenden Maßstab produziert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischer Spielzeuge in Deutschland zunächst von den Besatzungsmächten untersagt. Die Firma Hausser stellte ihre Produktion um und konzentrierte sich auf zivile Themen, Wildwest- und Indianerfiguren sowie Märchenfiguren. Erst in den 1950er Jahren wurden wieder militärische Figuren produziert, nun aber vorwiegend mit historischen Themen wie Rittern oder Soldaten des 18. und 19. Jahrhunderts.

Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte. Der angegebene Zustand “2/2-” entspricht einem sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Besonders Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegsproduktion sind rar, da viele im Spiel zerstört wurden oder die Materialknappheit der Kriegsjahre zu Qualitätseinbußen führte. Sammler schätzen diese Figuren nicht nur als militärhistorische Zeugnisse, sondern auch als Dokumente der deutschen Spielzeuggeschichte und Handwerkskunst.

Die historische Bewertung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung. Sie sind Produkte ihrer Zeit und spiegeln die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der 1930er und 1940er Jahre wider. Als Sammlerobjekte und museale Exponate dienen sie heute der historischen Dokumentation und Aufklärung über die Militarisierung der deutschen Gesellschaft in der NS-Zeit.