Königreich Bayern Infanterie-Offizierssäbel .
Klingenlänge etwa 790 mm
Gesamtlänge etwa 940 mm
Der bayerische Infanterie-Offiziersäbel repräsentiert eine bedeutende Epoche der militärischen Ausrüstung im Königreich Bayern während des 19. Jahrhunderts. Als einer der größten und einflussreichsten deutschen Bundesstaaten pflegte Bayern eine stolze militärische Tradition und entwickelte eigene, charakteristische Blankwaffenmuster für seine Streitkräfte.
Nach der Reorganisation der bayerischen Armee in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Säbelmodelle für Offiziere eingeführt. Während das bekannteste Muster von 1855 weitverbreitet war, existierten auch andere Varianten, die von Offizieren getragen wurden. Diese Säbel dienten nicht nur als Waffen, sondern auch als Statussymbole und Rangabzeichen innerhalb der militärischen Hierarchie.
Das beschriebene Exemplar zeigt typische Konstruktionsmerkmale bayerischer Offizierssäbel der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die leicht geschwungene Klinge mit beidseitiger Kehlung entspricht der funktionalen Gestaltung dieser Periode, in der Säbel zunehmend zeremoniellen Charakter annahmen, aber dennoch als potenzielle Kampfwaffen konzipiert waren. Die Vernickelung der Klinge war eine moderne Oberflächenbehandlung, die Korrosionsschutz bot und einen repräsentativen Glanz verlieh.
Die Markierung Alexander Coppel auf der Fehlschärfe identifiziert einen bekannten Hersteller von Blankwaffen im deutschsprachigen Raum. Die Firma Coppel in Berlin gehörte zu den renommierten Lieferanten militärischer Ausrüstung und belieferte verschiedene deutsche Staaten sowie private Käufer. Solche Herstellermarkierungen sind für die historische Zuordnung und Authentifizierung von großem Wert.
Das Neusilbergefäß mit seiner charakteristischen Gestaltung zeigt die typischen Elemente bayerischer Infanteriesäbel: Die facettierte Griffkappe ohne Lappen, der geschweifte einfache Bügel und die markant abgesetzte Parierstange bildeten ein funktionales und ästhetisch ansprechendes Ensemble. Die schwache Vergoldung deutet auf eine hochwertige Ausführung hin, wobei Vergoldungen bei Offizierswaffen üblich waren, um den Rang des Trägers zu unterstreichen.
Der Kunststoffgriff mit Drahtwicklung repräsentiert eine interessante technologische Entwicklung. Während frühere Säbel oft Griffe aus organischen Materialien wie Fischhaut oder Leder besaßen, kamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend moderne Materialien zum Einsatz. Die Drahtwicklung, meist aus Messingdraht gefertigt, sorgte für sicheren Halt auch mit Handschuhen.
Die schwarz lackierte Stahlscheide mit Ringband und starrem Tragering entspricht dem bayerischen Standard für Infanterieoffiziere. Die schwarze Lackierung war charakteristisch für die bayerische Armee und unterschied sich von den oft blanken oder braunen Scheiden anderer deutscher Staaten. Der starre Tragering ermöglichte das Tragen am Leibgurt oder Gehänge nach militärischen Vorschriften.
Im historischen Kontext muss dieser Säbeltyp im Rahmen der bayerischen Militärreformen und der zunehmenden Vereinheitlichung deutscher Armeen gesehen werden. Nach dem Deutsch-Deutschen Krieg von 1866 und der Reichsgründung 1871 behielt Bayern zwar seine eigene Armeeorganisation innerhalb des Deutschen Heeres, übernahm aber zunehmend preußische Standards. Dennoch blieben charakteristische bayerische Besonderheiten bei der Offiziersausrüstung erhalten.
Bayerische Infanterieoffiziere trugen ihre Säbel bei Paraden, Wachdiensten und im Feld. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und später im Ersten Weltkrieg waren solche Säbel Teil der Offiziersausrüstung, wobei ihre praktische Kampfbedeutung zunehmend schwand. Mit der Entwicklung moderner Feuerwaffen wurde der Säbel mehr zum Rangabzeichen als zur Kampfwaffe.
Die Erhaltung mit etwa 90% der originalen Lackierung auf der Scheide und der gut erhaltenen Klinge zeugt von sorgfältiger Aufbewahrung über die Jahrzehnte. Solche Stücke sind heute wichtige Zeugnisse der bayerischen Militärgeschichte und werden von Sammlern und Museen gleichermaßen geschätzt.
Der Säbel repräsentiert nicht nur militärische Ausrüstung, sondern auch die stolze Tradition des bayerischen Offizierskorps, das für seine Professionalität und Tapferkeit bekannt war. Als Teil der materiellen Kultur des 19. Jahrhunderts bietet er Einblicke in Handwerkskunst, militärische Organisation und die gesellschaftliche Stellung des Offizierstandes im Königreich Bayern.