Kriegsmarine Bajonett M 84/98 III.m. .

Ausführung mit Bakelitgriffschalen. Die Klinge gestempelt "Dürkopp", auf der Parierstange "O.22736 K" für Marinestation Ostsee, die Brünierung auf der Klinge noch sehr gut erhalten, die Spitze abgebrochen, die brünierte Scheide nicht nummerngleich mit der Waffe "O. 28756K, Coppel GmbH. 1939" gestempelt, die Mundblechschraube fehlt. Getragenes Seitengewehr, in gutem Zustand.







491000
450,00

Kriegsmarine Bajonett M 84/98 III.m. .

Das Seitengewehr 84/98 III (auch bekannt als Bajonett M 84/98 III) repräsentiert eine bedeutende Entwicklung in der Geschichte der deutschen Militärblankwaffen des frühen 20. Jahrhunderts. Dieses spezifische Exemplar trägt die Kennzeichnung der Kriegsmarine und dokumentiert die maritime Verwendung dieser Waffe während der Zeit des Dritten Reiches.

Die Entwicklung des Seitengewehrs 84/98 geht auf das ursprüngliche Modell 1884 zurück, das für das Gewehr 88 konzipiert wurde. Mit der Einführung des legendären Gewehr 98 (Mauser) im Jahr 1898 wurden verschiedene Bajonetttypen angepasst und modifiziert. Die Bezeichnung 84/98 weist auf diese Anpassung des älteren Modells 1884 für das neuere Gewehr 98 hin. Die römische Ziffer III kennzeichnet die dritte Ausführung dieser Variante.

Charakteristisch für diese Version sind die Bakelitgriffschalen, ein synthetischer Kunststoff, der in den 1930er Jahren zunehmend traditionelle Materialien wie Holz ersetzte. Bakelit wurde 1907 von Leo Baekeland erfunden und bot mehrere Vorteile: Es war kostengünstiger in der Massenproduktion, widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse und benötigte weniger strategisch wichtige Rohstoffe - ein entscheidender Faktor in Zeiten der Kriegsvorbereitung und Kriegsführung.

Die Klinge trägt den Stempel "Dürkopp", eines bekannten deutschen Herstellers. Die Dürkopp-Werke in Bielefeld waren ursprünglich für die Produktion von Nähmaschinen und Fahrrädern bekannt, wurden jedoch während der Aufrüstungsphase der 1930er Jahre zur Herstellung militärischer Ausrüstung herangezogen. Die Brünierung der Klinge, eine chemische Oberflächenbehandlung zur Korrosionsschutz, war bei Marinewaffen besonders wichtig aufgrund der aggressiven salzigen Meeresluft.

Von besonderer historischer Bedeutung ist die Markierung "O.22736 K" auf der Parierstange, die für die Marinestation Ostsee steht. Das "O" bezeichnet die Ostsee, während das "K" für Kriegsmarine steht. Die Marinestation Ostsee war einer der wichtigsten Marinestützpunkte der Kriegsmarine mit Hauptquartier in Kiel. Diese Station war verantwortlich für alle Marineoperationen in der Ostsee und spielte eine zentrale Rolle in der deutschen Marinestrategie.

Die Scheide zeigt eine andere Nummer ("O. 28756K") und trägt den Stempel "Coppel GmbH. 1939". Die Nicht-Übereinstimmung der Nummern war im militärischen Dienst nicht ungewöhnlich, da Scheiden und Bajonette durch Verlust, Beschädigung oder Reparaturen häufig getrennt und neu kombiniert wurden. Die Coppel GmbH in Solingen war einer der traditionsreichen Hersteller von Blankwaffen und Scheiden. Die Datierung 1939 fällt in das Jahr des Beginns des Zweiten Weltkriegs und markiert die Phase intensiver militärischer Produktion.

Die Verwendung solcher Seitengewehre bei der Kriegsmarine war sowohl praktischer als auch zeremonieller Natur. Während Bajonette an Bord von Schiffen nur begrenzte Kampfanwendung hatten, waren sie Teil der regulären Uniformausrüstung für Landungstruppen, Marineinfanterie und für Wachposten in Hafenanlagen und Marinestützpunkten. Sie dienten auch repräsentativen Zwecken bei militärischen Zeremonien und Paraden.

Der Zustand des vorliegenden Objekts erzählt seine eigene Geschichte: Die abgebrochene Spitze deutet auf tatsächliche Verwendung oder Beschädigung während des Dienstes hin. Die gut erhaltene Brünierung auf der Klinge trotz der maritimen Umgebung spricht für regelmäßige Pflege und Wartung durch den Träger. Die fehlende Mundblechschraube an der Scheide ist ein typisches Merkmal von Objekten, die den Krieg überdauert haben und möglicherweise demontiert oder repariert wurden.

Solche Waffen sind heute wichtige historische Artefakte, die nicht nur die Entwicklung der Militärtechnologie dokumentieren, sondern auch als greifbare Verbindung zur Geschichte der deutschen Kriegsmarine dienen. Sie ermöglichen es Historikern und Sammlern, die materielle Kultur des Militärs dieser Epoche zu studieren und zu verstehen. Die spezifischen Markierungen und Herstellerstempel erlauben eine präzise Zuordnung zu bestimmten Einheiten, Zeiträumen und Produktionsstätten, was diese Objekte zu wertvollen Quellen für die militärhistorische Forschung macht.

r