Preussen Eisernes Kreuz 1914 - sogenanntes Schandkreuz

Eisenguss, 43 x 45 mm, avers mit der Nennung französischer Städte "Rheims-Amiens-Louvain", mittig W und Kreuz, revers mit Nennung belgischer Städte "Antwerp-Dinant-Ghent" W 1914, Zustand 2.
Die sogenannten Schandkreuze wurden von englisch/französischer Seite als Propagandamittel hergestellt. Sie wurden an der Westfront über den deutschen Hauptkampflinie abgeworfen, um die deutschen Truppen zu demoralisieren, allerdings vergebens.
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Preussen Eisernes Kreuz 1914 - sogenanntes Schandkreuz

Das hier vorliegende Objekt gehört zu den sogenannten "Schandkreuzen" oder "Propagandakreuzen", die während des Ersten Weltkriegs von den Alliierten, insbesondere von britischer und französischer Seite, als psychologisches Kriegsinstrument hergestellt wurden. Diese Propagandastücke stellten eine perfide Nachahmung des ehrwürdigen preußischen Eisernen Kreuzes dar, einer der höchsten deutschen Militärauszeichnungen, die 1813 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet und 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs erneuert wurde.

Das Eiserne Kreuz 1914 wurde am 5. August 1914 durch Kaiser Wilhelm II. in drei Klassen neu gestiftet: das Eiserne Kreuz 2. Klasse, das Eiserne Kreuz 1. Klasse und das Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Die Auszeichnung symbolisierte Tapferkeit und Aufopferung im Dienste des Vaterlandes und wurde von deutschen Soldaten mit größtem Stolz getragen. Gerade diese emotionale Bedeutung machte das Eiserne Kreuz zu einem idealen Ziel für alliierte Propagandamaßnahmen.

Die alliierten Propagandastellen entwickelten diese Spottkreuze, um die Moral der deutschen Truppen an der Westfront zu untergraben. Das vorliegende Exemplar aus Eisenguss zeigt auf der Vorderseite die Namen französischer und belgischer Städte: Rheims, Amiens, Louvain sowie auf der Rückseite Antwerp, Dinant, Ghent. Diese Städtenamen waren bewusst gewählt, da sie mit deutscher Kriegsführung und den damit verbundenen Zerstörungen in Verbindung standen.

Die Erwähnung von Reims (Rheims) bezieht sich auf die schwere Beschädigung der berühmten Kathedrale Notre-Dame de Reims während des deutschen Bombardements im September 1914, was international große Empörung auslöste. Louvain (Löwen) wurde im August 1914 während der deutschen Invasion Belgiens stark zerstört, wobei die weltberühmte Universitätsbibliothek niederbrannte – ein Ereignis, das als kultureller Verlust von unschätzbarem Wert betrachtet wurde. Dinant erlebte im August 1914 massive Repressalien, bei denen hunderte Zivilisten getötet wurden. Diese Ereignisse wurden von der alliierten Propaganda als "deutsche Gräueltaten" bezeichnet und international verbreitet.

Die Herstellung und Verbreitung dieser Propagandakreuze war Teil einer umfassenden psychologischen Kriegsführung. Britische und französische Flugzeuge warfen diese Stücke über den deutschen Linien ab, oft zusammen mit Flugblättern, die Deutschland für die Zerstörung europäischer Kulturstätten anklagten. Die Absicht war klar: Die deutschen Soldaten sollten beschämt und demoralisiert werden, indem man ihnen vor Augen führte, dass ihre militärischen "Erfolge" in Wirklichkeit Schandtaten seien.

Das zentrale "W" auf dem Kreuz steht vermutlich für Kaiser Wilhelm II., den deutschen Kaiser, der als Oberster Kriegsherr die Verantwortung für die Kriegsführung trug. Die alliierte Propaganda zielte darauf ab, die Verbindung zwischen der kaiserlichen Autorität und den Kriegsverbrechen herzustellen.

Historische Quellen belegen jedoch, dass diese Propagandamaßnahme weitgehend erfolglos blieb. Deutsche Soldaten betrachteten diese Spottkreuze meist als plumpe Feindpropaganda. Viele sammelten sie sogar als Kuriositäten oder Kriegsandenken. Die Bindung der deutschen Truppen an ihre eigenen militärischen Traditionen und Symbole erwies sich als stärker als die psychologische Wirkung solcher Propagandamittel. Tatsächlich könnte die offensichtliche Manipulation sogar den gegenteiligen Effekt gehabt haben, indem sie den Zusammenhalt und die Ablehnung alliierter Botschaften verstärkte.

Aus militärhistorischer Perspektive sind diese Schandkreuze heute wertvolle Zeugnisse der psychologischen Kriegsführung im Ersten Weltkrieg. Sie dokumentieren die frühen Versuche, nicht nur militärisch, sondern auch mental den Gegner zu besiegen. Der Erste Weltkrieg markierte den Beginn moderner Propagandatechniken, die in späteren Konflikten weiter perfektioniert wurden.

Sammler und Historiker schätzen diese Objekte heute als authentische Relikte der Propagandaschlacht an der Westfront. Sie ergänzen das Verständnis des Ersten Weltkriegs als einen Konflikt, der nicht nur in Schützengräben, sondern auch in den Köpfen der Soldaten und der Zivilbevölkerung geführt wurde. Die Existenz solcher Propagandastücke unterstreicht die Intensität und Totalität des Ersten Weltkriegs, bei dem alle verfügbaren Mittel – militärische, wirtschaftliche und psychologische – zum Einsatz kamen.