Reichsnährstand Silbernes Ehrenzeichen

Rundes Steckabzeichen, Buntmetall versilbert, Durchmesser 41 mm, rückseitig mit Verleihungsnummer "914".
397000
550,00

Reichsnährstand Silbernes Ehrenzeichen

Das Silberne Ehrenzeichen des Reichsnährstandes repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der nationalsozialistischen Agrarpolitik und Auszeichnungspraxis während des Dritten Reiches. Dieses runde Steckabzeichen aus versilbertem Buntmetall mit einem Durchmesser von 41 mm trägt rückseitig die Verleihungsnummer “914” und dokumentiert damit die systematische Erfassung und Ehrung von Personen, die sich um die nationalsozialistische Agrarpolitik verdient gemacht hatten.

Der Reichsnährstand wurde am 13. September 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz gegründet und stellte eine zentrale Institution der NS-Agrarpolitik dar. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der als Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft fungierte, sollte diese Organisation die gesamte deutsche Landwirtschaft nach dem Führerprinzip strukturieren und kontrollieren. Der Reichsnährstand umfasste alle an der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte beteiligten Personen und Betriebe.

Die Ehrenzeichen des Reichsnährstandes wurden in drei Stufen verliehen: in Bronze, Silber und Gold. Das hier vorliegende Silberne Ehrenzeichen stellte die mittlere Stufe dar und wurde für besondere Verdienste um die Ziele und Aufgaben des Reichsnährstandes verliehen. Die Verleihung erfolgte durch den Reichsbauernführer persönlich oder durch von ihm autorisierte Stellen. Die systematische Nummerierung, wie bei diesem Exemplar mit der Nummer “914”, ermöglichte eine genaue Kontrolle und Dokumentation aller Verleihungen.

Das Abzeichen zeigt typischerweise auf der Vorderseite die Symbolik des Reichsnährstandes, die oft ein stilisiertes Ährenbündel, das Hakenkreuz und weitere agrarbezogene Motive kombinierte. Die Gestaltung folgte der nationalsozialistischen Formensprache und sollte die Verbindung von “Blut und Boden”-Ideologie mit der praktischen Landwirtschaft symbolisieren. Die Fertigung aus versilbertem Buntmetall entsprach der üblichen Praxis bei staatlichen Auszeichnungen dieser Zeit und Rangstufe.

Die Verleihungspraxis des Silbernen Ehrenzeichens war streng geregelt. Empfänger mussten sich durch langjährige, überdurchschnittliche Leistungen im Dienste des Reichsnährstandes ausgezeichnet haben. Dies konnte Funktionäre der Organisation selbst betreffen, aber auch Landwirte, Wissenschaftler, Lehrer an landwirtschaftlichen Schulen oder Personen aus der Agrarwirtschaft, die sich besonders für die Ziele der nationalsozialistischen Agrarpolitik eingesetzt hatten.

Der historische Kontext des Reichsnährstandes ist untrennbar mit der NS-Ideologie verbunden. Die Organisation diente nicht nur der wirtschaftlichen Steuerung der Landwirtschaft, sondern war auch ein Instrument zur ideologischen Durchdringung des ländlichen Raums. Die “Blut und Boden”-Ideologie Darrés verklärte das Bauerntum als Kern des deutschen Volkes und sollte eine autarke Ernährungswirtschaft schaffen. Der Reichsnährstand spielte auch eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Zweiten Weltkrieges, indem er die Ernährungssicherung organisierte.

Die Nummerierung der Ehrenzeichen ermöglicht heute eine ungefähre zeitliche Einordnung und gibt Aufschluss über die Verleihungshäufigkeit. Niedrige Nummern wie “914” deuten auf eine relativ frühe Verleihung hin, möglicherweise in den mittleren bis späteren 1930er Jahren. Die systematische Erfassung aller Verleihungen war typisch für die bürokratische Gründlichkeit des NS-Staates.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Reichsnährstand zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst. Das Tragen seiner Abzeichen wurde im Rahmen der Entnazifizierung verboten. Heute besitzen diese Objekte ausschließlich historischen und sammlertechnischen Wert und dienen als materielle Zeugnisse der nationalsozialistischen Herrschaft und ihrer Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche, einschließlich der Landwirtschaft.

Für Sammler und Historiker sind solche Ehrenzeichen mit erhaltener Verleihungsnummer von besonderem Interesse, da sie im Prinzip eine Rückverfolgung zum ursprünglichen Träger ermöglichen könnten, sofern entsprechende Verleihungsunterlagen erhalten geblieben wären. In der Praxis sind solche Unterlagen jedoch meist verloren gegangen oder wurden bei Kriegsende vernichtet.