Sachsen Königreich Militär St.-Heinrich Orden: großer Ordensnachlass aus dem Besitz von Oberst Richard Sieglitz, Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 243 Kommandeurkreuz

Militär St.-Heinrich Orden Kommandeurkreuz. Es handelt sich hierbei um ein typisches Stück aus dem 1. Weltkrieg, Fertigung des Juweliers A. Roesner, Dresden. Silber vergoldet, beidseitig fein emailliert. Die Krone an beweglichem Scharnier, ungestempelt. Komplett am getragenen original Halsband. Leicht getragen, in sehr schönem Zustand. 
Militär St. Heinrichs Orden Ritterkreuz. Silber vergoldet, beidseitig emailliert, ungestempelt. Leicht getragen, in gutem Zustand, mit original Bandabschnitt. 
Sachsen Zivilverdienstorden Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern. Silber, beidseitig fein emailliert, im unteren Kreuzarm gestempelt "S", am original Band.
Sachsen Albrechtsorden Ritterkreuz 1. Klasse mit Schwertern. Silber vergoldet, beidseitig fein emailliert, im unteren Kreuzarm gestempelt "Glaser Sohn", rückseitig im blauen Medaillonring mit leichtem Emaillechip, am ungetragenen Band.
Sachsen Albrechtsorden Ritterkreuz 1. Klasse. Silber, beidseitig emailliert, im unteren Kreuzarm gestempelt "S" am alten Band.
Eisernes Kreuz 1914 2. Klasse, am Band.
Preussen Hausorden Hohenzollern Ritterkreuz mit Schwertern. Silver vergoldet, beidseitig fein emailliert, im unteren Kreuzarm mit Herstellerbezeichnung "S & W 937", am alten Bandabschnitt.
Eisernes Kreuz 1914 1. Klasse. Geschwärzter Eisenkern, an Silberplatte, rückseitig graviert "Richard Sieglitz, Herbstschlacht in der Champagne 8.10.1915", komplett im passenden Verleihungsetui, auf dem Deckel mit EK Aufdruck, innen mit lila Samtbett. 
Dazu die Feldspange mit 8 Auszeichnungen sowie einem handschriftlichen Notizzettel "Ordensschnalle, die ich im Feld 1917/18 getragen habe - R.S.". Dazu ein kleines Foto von Sieglitz als Oberst mit dem Militär-St. Heinrichs Kommandeurkreuz und dieser Feldspange auf der Brust. rückseitig von Sieglitz beschriftet "Mai 1918. Lager .. bei Verdun (Nordfront) Nach Verleihung des Komdr.-Kreuzes des Mil.St. Heinr. Ordens durch König Fr. August ...". 
Großes Portraitfoto in Postkartengröße von Stieglitz, noch als Major im Sächsischen Telegraphen Bataillon Nr. 7, um 1915. Sieglitz in Litewka, auf der Brust das frisch verliehene Eiserne Kreuz 1. Klasse. Dazu die Schulterstücke als Major im Telegraphen Batl. Nr. 7, die Stieglitz auf dem Foto trägt. 
Großes Foto in der feldgrauen Uniform als Oberst des R.I.R. 243 in vollem Ordensschmuck eben seiner Frau stehend, rückseitig beschriftet "Silberne Hochzeit 30/5 1925 Richard Sieglitz Oberst a.D., Martha Sieglitz gb. Wuttig". Dazu die Schulterstücke als Oberst des R.I.R. 243. Die Auszeichnungen sind die der Ordensschnalle auf dem Foto. Weiterhin ein Foto von Sieglitz und seiner Frau aus dem Jahr 1950 zur Goldenen Hochzeit, Sieglitz trägt das Militär St.-Heinrich Orden Kommandeurkreuz und ein Frackkettchen, das leider nicht mehr erhalten ist.

Dazu das Buch "Das Kgl. Sächs. Res.-Infanterie-Regiment Nr. 243 im Weltkriege 1914-1918", unter der Mitarbeit von Oberst a.D. Sieglitz, auf dem Vorsatzblatt eine handschriftliche Widmung von Oberst a.D. Sieglitz an einen ehemaligen Kameraden, datiert Weihnachten 1927.
Weiterhin das Buch "Der Königlich Sächsische Militär-St. Heinrichs-Orden 1736-1918" von 1937. Auf Seite 122/23 wird er beschrieben: "Sieglitz, Richard Oberstlt. u. Kdr. d. K.S.Res.-Inf.-Rgt. 243; geb. 5.9.1870 in Jena (Thür.); im Frieden Kdr. d. Telegr.-Batl. 7; beliehen am 18.4.1918
Mit seinem von ihm für den Angriffskampf wohlvorbereiteten Regimente trug Oberstlt. Sieglitz in der Großen Schlacht in Frankreich während der Tage vom 21. bis 23.3.1918 im Cambraibogen den Angriff in rücksichtslosem Draufgehen auf dem rechten Flügel der53. Res.-Div. vor, nahm Havricour im Sturme und hatte mit seinen tapferen Bataillonen wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Lösung der Kampfaugabe der Division. Wenige Tage später führte er während der folgenden Großkämpfe auf dem westlichen Avreuser im Abschnitt Mailly-Naineval-Rouvrel sein Regiment mit ausgezeichneter Tapferkeit. Seinem persönlichen Eingreifen und tapferen verhalten war es besonders zu danken, daß allein vier Gegenangriffe, die der seine Abwehr von Tag zu Tag verstärkende Gegner am 6.4. nach stärkster artilleristischer Vorbereitung unter Zuhilfenahme von Tanks ausführte, abgeschlagen wurden.". 


Eine der höchsten sächsischen Tapferkeitsauszeichnungen, vergleichbar mit dem preußischen Pour le Mérite. Im 1. Weltkrieg gab es 153 Verleihungen, einer der bekanntesten Träger war der Jagdflieger Hauptmann Max Immelmann.
Ein toller umfangreicher Nachlass eines tapferen sächsischen Regimentskommandeurs, direkt aus Familienbesitz. In diesem Umfang und dem geschichtlichen Zusammenhang nur ganz selten zu finden.
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Sachsen Königreich Militär St.-Heinrich Orden: großer Ordensnachlass aus dem Besitz von Oberst Richard Sieglitz, Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 243 Kommandeurkreuz

Der Königlich Sächsische Militär-St.-Heinrichs-Orden stellt die älteste deutsche Militärauszeichnung dar und genießt damit historischen Vorrang vor dem österreichischen Maria-Theresien-Orden und dem preußischen Pour le Mérite. Der Orden ist nach dem Heiligen Römischen Kaiser Heinrich II. (973–1024) benannt, dem letzten Kaiser aus dem sächsischen Haus der Ottonen, der im Jahr 1146 von Papst Eugen III. heiliggesprochen wurde. Diese Namenswahl spiegelte sowohl dynastischen Stolz als auch die militärische Ehrtradition Sachsens wider.

Am 7. Oktober 1736 gründete August III., König von Polen und Kurfürst von Sachsen, den Orden im Jagdschloss Hubertusburg. Ursprünglich in nur einer Klasse gestiftet, wurde die Auszeichnung am 4. September 1768 von Prinz Franz Xaver in drei Klassen reorganisiert: Großkreuz, Kommandeurkreuz und Ritterkreuz. König Anton von Sachsen fügte am 23. Dezember 1829 die vierte Klasse hinzu – das Kommandeurkreuz 2. Klasse – und erließ formale Statuten. Bis zum Ersten Weltkrieg umfasste der Orden somit vier Abstufungen: das Großkreuz, getragen an der Schärpe über der Schulter mit Bruststern; das Kommandeurkreuz 1. Klasse, getragen am Halsband mit Bruststern; das Kommandeurkreuz 2. Klasse, am Halsband ohne Stern; und das Ritterkreuz als Brustdekoration auf der linken Brustseite.

Das Kommandeurkreuz zeigt ein Malteserkreuz, das an einer beweglichen königlichen Krone aufgehängt ist. Die Kreuzarme sind weiß emailliert und zwischen ihnen befinden sich grün emaillierte Rautenkronen, das Symbol Sachsens. Das zentrale Medaillon auf der Vorderseite ist gelb emailliert und zeigt das gemalte Porträt des heiligen Heinrich II. in kaiserlicher Gewandung. Der blau emaillierte Ring trägt die goldene Inschrift FRIDR•AUG•D•G•REX•SAX•INSTAURAVIT (Friedrich August von Gottes Gnaden König von Sachsen hat [den Orden] erneuert). Die Rückseite zeigt im Zentrum das sächsische Wappen mit horizontal abwechselnden schwarzen und goldenen Streifen und der diagonalen Rautenkrone. Der blaue Emailring trägt die goldene Inschrift VIRTUTI IN BELLO (Tapferkeit im Kriege). Das Ordensband ist hellblau mit gelben Streifen nahe den Rändern.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Orden ausschließlich an Offiziere für außerordentliche militärische Tapferkeit und Leistung verliehen. Er galt als die höchste sächsische Tapferkeitsauszeichnung, vergleichbar mit dem preußischen Pour le Mérite. Das Motto Virtuti in bello verkörperte den ursprünglichen Ordenszweck: Frömmigkeit und kriegerische Tugend. Generell bestimmte der Dienstgrad, welche Klasse verliehen wurde: das Großkreuz an Monarchen und höchste Feldkommandeure, das Kommandeurkreuz 1. Klasse an hohe Generale, das Kommandeurkreuz 2. Klasse an Offiziere im Majorsrang und darüber, das Ritterkreuz an alle Offiziere.

Zwischen 1914 und 1918 erfolgten 12 Verleihungen des Großkreuzes, 14 des Kommandeurkreuzes 1. Klasse, 153 des Kommandeurkreuzes 2. Klasse und 2.728 des Ritterkreuzes. Die kriegsbedingte Materialknappheit führte dazu, dass der Orden während des Ersten Weltkrieges aus vergoldetem Silber statt aus purem Gold gefertigt wurde, anders als vergleichbare bayerische und württembergische Orden, die zunächst weiterhin aus Gold hergestellt wurden. Die Produktion erfolgte hauptsächlich durch den Hofjuwelier Alfred Roesner aus Dresden, der 1915 zum offiziellen Ordenslieferanten ernannt wurde.

Der bekannteste Empfänger war Hauptmann Max Immelmann, der legendäre Jagdflieger, der das Ritterkreuz am 21. September 1915 und das Kommandeurkreuz 2. Klasse am 30. März 1916 nach seinem zwölften und dreizehnten Luftsieg erhielt. Am 12. Januar 1916 wurde ihm auch der Pour le Mérite verliehen, der ihm zu Ehren inoffiziell als “Blauer Max” bekannt wurde. Weitere prominente Träger waren Manfred von Richthofen, Oswald Boelcke, Rudolf Berthold, Paul von Lettow-Vorbeck und Karl August Nerger.

Das hier beschriebene Kommandeurkreuz gehörte Oberst Richard Sieglitz, Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 243, der am 18. April 1918 für seine Leistungen während der Großen Schlacht in Frankreich ausgezeichnet wurde. Vom 21. bis 23. März 1918 führte er sein Regiment im Cambraibogen bei Havricourt zum Erfolg, und am 6. April 1918 schlug er persönlich vier Gegenangriffe mit Panzerunterstützung ab.

Mit dem Fall der sächsischen Monarchie im November 1918 endete die Verleihung des Ordens. Empfänger und Inhaber der Goldenen Medaille erhielten eine monatliche Ehrengabe, die bis in die 1960er Jahre von der Bundesrepublik Deutschland mit 50 DM fortgeführt wurde. 1959 versammelten sich fast 300 Träger aus dem Ersten Weltkrieg in Bamberg und gründeten den Konvent des Königlich Sächsischen Militär-St. Heinrichs-Ordens unter Markgraf Friedrich Christian von Sachsen. Diese Gruppe half 1961 bei der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Sächsische Geschichte und Kultur in München.

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