Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) ( Tschechische NSDAP )

Mitgliedsabzeichen 2. Form, an langer Nadel, Zustand 2.
Národní souručenství ( NS ), deutsch etwa "Nationale Gemeinschaft", war während der Existenz des Protektorats Böhmen und Mähren auf dem Teilgebiet der ehemaligen Tschechoslowakei die einzige politische parteiähnliche Organisation.
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Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) ( Tschechische NSDAP )

Das Národní souručenství (NS), auf Deutsch etwa “Nationale Gemeinschaft”, war während der deutschen Besatzung der Tschechoslowakei von 1939 bis 1945 die einzige zugelassene politische Organisation im Protektorat Böhmen und Mähren. Diese Organisation stellte einen Versuch dar, ein kollaborationistisches politisches System nach dem Vorbild faschistischer Bewegungen in Europa zu etablieren.

Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei am 15. März 1939 und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren durch das Deutsche Reich wurde die politische Landschaft grundlegend umgestaltet. Die bisherigen demokratischen Parteien wurden verboten, und auf Druck der deutschen Besatzungsmacht sollte eine Einheitsorganisation geschaffen werden, die die tschechische Bevölkerung im Sinne der nationalsozialistischen Herrschaft organisieren sollte.

Das Národní souručenství wurde am 27. April 1939 durch Dekret von Staatspräsident Emil Hácha gegründet. Die Organisation sollte offiziell keine Partei im traditionellen Sinne sein, sondern eine überparteiliche Bewegung, die alle Schichten der tschechischen Gesellschaft vereinen sollte. In der Praxis fungierte sie jedoch als das tschechische Pendant zur NSDAP und sollte die Bevölkerung im Sinne der deutschen Besatzungspolitik mobilisieren und kontrollieren.

Die Führung des NS oblag zunächst verschiedenen Personen, darunter Adolf Hrubý und später Walter Bertsch, ein deutscher Staatsangehöriger, was die tatsächlichen Machtverhältnisse deutlich machte. Die Organisation war hierarchisch strukturiert und versuchte, verschiedene Gesellschaftsgruppen wie Arbeiter, Bauern und Jugendliche in Unterorganisationen einzubinden.

Das Mitgliedsabzeichen des Národní souručenství war ein wichtiges Symbol der Zugehörigkeit zur Organisation. Es existierten verschiedene Formen dieser Abzeichen, die im Laufe der Zeit eingeführt wurden. Die zweite Form, wie sie hier beschrieben wird, war eine der offiziellen Varianten, die von Mitgliedern getragen werden sollte. Diese Abzeichen wurden typischerweise mit einer langen Nadel auf der Kleidung befestigt und dienten sowohl als Erkennungszeichen als auch als politisches Statement.

Die Symbolik des Abzeichens orientierte sich an nationalen tschechischen Motiven, versuchte aber gleichzeitig, die Loyalität zum protektoratlichen System auszudrücken. Im Gegensatz zu deutschen nationalsozialistischen Symbolen wie dem Hakenkreuz verwendete das NS tschechische Elemente, um eine gewisse nationale Identität zu wahren, während es gleichzeitig mit dem Besatzungsregime kollaborierte.

Die Mitgliedschaft im Národní souručenství war theoretisch freiwillig, doch in der Praxis wurde erheblicher Druck auf Beamte, Angestellte öffentlicher Einrichtungen und andere Personen ausgeübt, beizutreten. Wer sich weigerte, musste mit beruflichen Nachteilen oder schlimmeren Konsequenzen rechnen. Trotz dieser Zwangsmaßnahmen erreichte die Organisation nie die erhoffte Massenmobilisierung der tschechischen Bevölkerung.

Die tschechische Bevölkerung stand dem Národní souručenství mehrheitlich skeptisch bis ablehnend gegenüber. Viele sahen darin ein Instrument der deutschen Besatzungsmacht und leisteten passiven Widerstand, indem sie sich der Mitgliedschaft entzogen oder nur pro forma mitmachten. Der tschechische Widerstand, sowohl im Inland als auch im Exil unter Führung von Edvard Beneš, betrachtete die Organisation als illegitim und kollaborationistisch.

Mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs und besonders nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich im Mai 1942, dem stellvertretenden Reichsprotektor, verschärfte sich die Unterdrückung im Protektorat erheblich. Die Rolle des NS wurde zunehmend nebensächlich, da die deutsche Besatzungsmacht direkter durchgriff.

Nach der Befreiung der Tschechoslowakei im Mai 1945 wurde das Národní souručenství sofort aufgelöst. Seine Führer und aktive Mitglieder wurden in der Nachkriegszeit zur Rechenschaft gezogen, viele wurden wegen Kollaboration verurteilt. Die Organisation und ihre Symbole, einschließlich der Mitgliedsabzeichen, wurden als Zeichen der Kollaboration mit dem Nazi-Regime betrachtet.

Heute sind Objekte wie das beschriebene Mitgliedsabzeichen historische Zeugnisse einer dunklen Periode der tschechischen Geschichte. Sie dokumentieren die komplexen Verhältnisse während der deutschen Besatzung, in denen kollaborationistische Strukturen neben Widerstand und passiver Resistenz existierten. Solche Abzeichen werden von Sammlern und Museen als historische Artefakte bewahrt, die an diese schwierige Zeit erinnern und zur historischen Forschung über das Protektorat Böhmen und Mähren beitragen.

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