U-Bootkriegsabzeichen 1918
Das U-Boot-Kriegsabzeichen 1918 gehört zu den bedeutendsten maritimen Auszeichnungen des Deutschen Kaiserreichs und wurde in der Endphase des Ersten Weltkriegs geschaffen. Kaiser Wilhelm II. stiftete diese Tapferkeitsauszeichnung am 1. Februar 1918, zu einem Zeitpunkt, als die deutsche U-Boot-Waffe bereits schwere Verluste an alliierten Handelsschiffen verursacht hatte, selbst aber unter enormen Opferzahlen litt. Der renommierte Berliner Bildhauer Walter Schott (1861–1938), der umfangreiche Arbeiten für den Kaiser ausführte, entwarf das Abzeichen mit seiner charakteristischen ovalen Lorbeerkranzform und dem deutschen U-Boot in der Mitte, überragt von der Reichskrone.
Die Auszeichnung wurde an alle U-Boot-Besatzungsmitglieder – Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften – verliehen. Ursprünglich mussten mindestens drei Feindfahrten absolviert werden, um das Abzeichen zu erhalten. Die Verleihungskriterien wurden später modifiziert und umfassten Besatzungsmitglieder, die zwei Feindfahrten mit mindestens 150 Tagen aktivem Dienst auf See absolvierten, wobei Küstenstationszeiten nicht angerechnet wurden. Auch im Kampfeinsatz Verwundete kamen für die Auszeichnung in Betracht. Das Abzeichen wurde auf der unteren linken Seite der Uniform getragen und verblieb nach der Entlassung aus der Kaiserlichen Marine im Besitz der Träger.
Die Fertigung erfolgte durch verschiedene Hersteller, darunter Wilhelm Deumer, Steinhauer & Lück und Paul Meybauer. Auch Walter Schott selbst produzierte Exemplare, sowohl während als auch nach dem Ersten Weltkrieg. Seine Stücke tragen auf der Rückseite die charakteristische Signatur “WALTER SCHOT fec.” oder “WALTER SCHOTT fec.” am unteren Ende in der 6-Uhr-Position. Bemerkenswert ist, dass beide Schreibweisen – mit einem oder zwei “T” in “SCHOT(T)” – auf authentischen zeitgenössischen Stücken vorkommen, wobei die Variante mit einem “T” ein charakteristisches Merkmal seines Signaturstils darstellt.
Das Abzeichen wurde in verschiedenen Materialien hergestellt: Bronze, Messing oder Tombak, jeweils vergoldet. Spätere Versionen wurden auch aus vergoldetem Kriegsmetall gefertigt. Der Lorbeerkranz war ursprünglich grün patiniert, obwohl diese Patina oft wegpoliert wurde. Die Dimensionen betragen etwa 47–50 mm in der Breite und 47–51 mm in der Höhe. Das ovale Abzeichen zeigt einen Lorbeerkranz, in dessen Mitte ein deutsches U-Boot nach rechts gerichtet positioniert ist, mit der deutschen Reichskrone am oberen Rand. Die zusammengebundenen Enden des Kranzbandes sind oben links und rechts sichtbar. Die Rückseite verfügt über eine horizontale Nadel mit Blockbefestigung und Drahtfang oder C-Verschluss.
Schätzungsweise wurden zwischen 4.500 und 5.000 Abzeichen verliehen. Da die Stiftung erst im letzten Kriegsjahr erfolgte, erhielten viele berechtigte Empfänger ihre Auszeichnung während oder nach Kriegsende im November 1918. Nach der deutschen Niederlage und den Beschränkungen der deutschen Marine durch den Versailler Vertrag wurde der U-Boot-Krieg verboten, was das Abzeichen zu einem historischen Andenken an die Kaiserliche Marine machte.
Die Nachkriegsgeschichte des Abzeichens ist bemerkenswert. Nach November 1918 blieb das Abzeichen im Besitz der Träger und unterlag keiner Rückgabepflicht. Die Produktion setzte sich bis in die frühen 1920er Jahre fort, insbesondere für den privaten Erwerb durch Veteranen, vor allem Offiziere. Während der Weimarer Republik (1919–1933) wurden Miniaturversionen und Anstecknadeln populär, die Veteranen zu ziviler Kleidung tragen konnten. Walter Schott, der Entwerfer, geriet nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund seiner engen Verbindung zur kaiserlichen Regierung in Armut.
Am 13. Oktober 1939 wurde eine neue Version für den Zweiten Weltkrieg eingeführt, bei der die Reichskrone durch einen nationalsozialistischen Adler mit Hakenkreuz ersetzt wurde. Originale Exemplare aus dem Ersten Weltkrieg sind heute wertvolle Sammlerstücke, wobei jedoch Reproduktionen existieren und mit Walter Schott signierte Abzeichen besonders häufig gefälscht werden.