Waffen-SS Feldbluse M 43 für einen SS-Unterscharführer Panzerjäger
Sehr selten, eine der wenigen Originale.
Die hier vorliegende Feldbluse Modell 1943 (M 43) für einen SS-Unterscharführer der Panzerjäger-Truppe stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Uniformentwicklung im mittleren Kriegsabschnitt dar. Sie dokumentiert nicht nur die zunehmende Vereinfachung der Uniformfertigung unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft, sondern auch die komplexen Beschaffungswege der Waffen-SS und die Auswirkungen der militärischen Ereignisse auf die Materialversorgung.
Die Feldbluse M 43 wurde ursprünglich vom deutschen Heer im Herbst 1942 eingeführt und etwa ein Jahr später, im Oktober 1943, von der Waffen-SS übernommen. Sie markiert einen entscheidenden Wendepunkt hin zu vereinfachten, produktionseffizienteren Uniformen. Im Vergleich zu früheren Modellen wurden bei der M 43 alle Quetschfalten an den Brusttaschen sowie die bogenförmig geschnittenen Taschenklappen beseitigt. Die Taschen wurden nun geradlinig geschnitten. Diese Vereinfachungen entsprachen den Anforderungen einer rationelleren Fertigung unter den zunehmend schwierigeren Bedingungen der Kriegswirtschaft.
Die SS-Ausführung der Feldbluse unterschied sich in wesentlichen Details von der des Heeres: SS-Blusen wiesen eine Fünf-Knopf-Leiste auf, im Gegensatz zu den sechs Knöpfen der Heeresbluse. Zudem verfügten sie über jeweils zwei Löcher auf jeder Seite für die Koppeltragehaken, während das Heer drei Ösen verwendete. Diese konstruktiven Unterschiede ermöglichen eine eindeutige Zuordnung zur Waffen-SS.
Ein besonders aufschlussreiches Merkmal dieser Feldbluse ist die Verwendung von italienischem Tuch und einem Fischgrätmuster-Futter aus italienischer Kunstseide (Rayon). Der Hintergrund dieser Materialwahl ist eng mit den militärischen Ereignissen des Jahres 1943 verknüpft. Nach dem italienischen Waffenstillstand am 3. September 1943 beschlagnahmten die deutschen Streitkräfte erhebliche Mengen an italienischem Militärgerät und Rohstoffen. Die SS war schnell dabei, diese Materialien zu ihrem Bekleidungsfertigungszentrum im Konzentrationslager Dachau zu verbringen. Die Verwendung dieser erbeuteten italienischen Stoffe veränderte das Erscheinungsbild der Waffen-SS-Uniformen in den Jahren 1944 und 1945 grundlegend. Die vorherrschende Uniformfarbe im Jahr 1944 war ein dunkles Feldgrau, das auch als “Italienisch-Grau” bekannt wurde.
Generell hatte sich die Stoffqualität bis zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich verschlechtert: 70 Prozent der Mischung bestand aus Kunstwolle auf Zellulosebasis. Diese Materialveränderung ging mit einem neuen Feldgrau-Ton einher, der weniger Grünanteil aufwies als frühere Uniformen. Das charakteristische Fischgrätfutter (Herringbone) war ein Standardmerkmal dieser Uniformen und bot zusätzliche Strapazierfähigkeit.
Was die Produktionsstruktur betrifft, lieferten selbst auf dem Höhepunkt der Fertigung die SS-Bekleidungswerke in den Konzentrationslagern nur 30 Prozent des Uniformbedarfs der Waffen-SS. Der Großteil stammte von privaten SS-Bekleidungsunternehmen. Der im Inneren befindliche SS-BW-Abnahmestempel (Bekleidungswerk) dokumentiert die Qualitätskontrolle durch die SS-eigenen Bekleidungsfabriken.
Die Reichszeugmeisterei (RZM), ursprünglich in München angesiedelt, war die erste und schließlich primäre Zeugmeisterei sowie die nationale Materialkontrollbehörde des nationalsozialistischen Deutschlands. Das RZM-Amt definierte Design-, Fertigungs- und Qualitätsstandards. Ab Ende 1934 unterlagen für die SS gefertigte Gegenstände der Qualitätskontrolle der RZM und wurden mit RZM/SS-Zulassungsmarken versehen. Im Jahr 1943 übernahm die Waffen-SS jedoch die vollständige Kontrolle über ihre Uniformproduktion und unterstand nicht mehr der Aufsicht der RZM. Die an dieser Feldbluse vorhandenen RZM-maschinengestickten Kragenspiegel und der RZM-maschinengestickte Ärmeladler waren typisch für Uniformen der mittleren Kriegsperiode.
Der Rang des SS-Unterscharführers war ein paramilitärischer Rang der NSDAP, der von der Schutzstaffel (SS) zwischen 1934 und 1945 verwendet wurde. In der Waffen-SS fungierte ein Unterscharführer als Gruppenführer auf Unteroffiziersebene, einer von mehreren, die Kompanie- und Zugsformationen zugeordnet waren. Es handelte sich um den niedersten und häufigsten Unteroffiziersrang der SS, vergleichbar dem Unteroffizier der Wehrmacht. Der Rang wird an dieser Feldbluse durch die umlaufend angebrachte mattsilberne Unteroffiziers-Litze am Kragen sichtbar gemacht.
Die Waffenfarbe Rosa auf den Schulterklappen identifiziert den Träger als Angehörigen der Panzerjäger-Truppe (Panzerabwehr). Der Ärmeladler auf dem linken Oberarm war ab 1936 für alle SS-Uniformen vorgeschrieben und wurde in verschiedenen Ausführungen produziert.
Die M 43 Feldbluse begann ab Mitte 1943 in Erscheinung zu treten und diente ab 1944 sowohl als Ersatzbluse für die “Alten Hasen” als auch für neue Rekruten. Sie ist im Wesentlichen identisch mit der M 42 Feldbluse, mit dem Unterschied, dass die bogenförmigen Taschenklappen entfernt wurden und andere Materialien zur Verwendung kamen.
Die Waffen-SS entwickelte sich aus der SS-Verfügungstruppe und wuchs während des Krieges zu einer Organisation mit zahlreichen Divisionen heran. Die Uniformen und ihre Abzeichen unterlagen strengen Vorschriften und wurden kontinuierlich an die Kriegsbedingungen angepasst. Die M 43 Feldbluse verkörpert diesen Prozess der Anpassung und Vereinfachung in eindrucksvoller Weise.
Als prominente Träger von Panzerjäger-Uniformen der Waffen-SS seien beispielhaft SS-Unterscharführer Richard Fuchs von der SS-Panzerjäger-Abteilung 5 “Wiking” sowie der Ritterkreuzträger SS-Unterscharführer Gerhard Fischer, Zugführer der 3. Kompanie der SS-Panzerjäger-Abteilung 5 der 5. SS-Panzer-Division “Wiking”, genannt.