Deutscher Kriegerbund - mit Kreuz "Militärischer Brüderschaft Rellingen"

mit Hersteller, an Nadel und patriotischer Bandschleife, Zustand 2-.
480601
40,00

Deutscher Kriegerbund - mit Kreuz "Militärischer Brüderschaft Rellingen"

Das vorliegende Abzeichen des Deutschen Kriegerbundes mit dem Kreuz der Militärischen Brüderschaft Rellingen repräsentiert ein faszinierendes Kapitel deutscher Veteranenorganisationen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Vereinigungen spielten eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen und politischen Leben des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik.

Der Deutsche Kriegerbund wurde 1873 als Dachorganisation verschiedener lokaler Kriegervereine gegründet. Nach den Einigungskriegen von 1864, 1866 und insbesondere dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kehrten Hunderttausende Soldaten in ihre Heimatorte zurück. Diese Veteranen organisierten sich in lokalen Kriegervereinen, die sowohl soziale als auch patriotische Funktionen erfüllten. Bis 1914 zählte der Deutsche Kriegerbund über 30.000 Einzelvereine mit mehr als 2,8 Millionen Mitgliedern.

Die Militärische Brüderschaft Rellingen war eine solche lokale Organisation in der gleichnamigen Gemeinde in Holstein, die heute zu Schleswig-Holstein gehört. Rellingen, eine kleine Gemeinde westlich von Hamburg gelegen, hatte wie viele ländliche Ortschaften ihre eigene Kriegervereinigung. Diese Vereine dienten mehreren Zwecken: Sie pflegten die Kameradschaft unter ehemaligen Soldaten, unterstützten Veteranen und deren Familien in Not, organisierten patriotische Feiern und hielten die Erinnerung an gefallene Kameraden lebendig.

Das Abzeichen selbst folgt den typischen gestalterischen Konventionen deutscher Kriegervereinabzeichen. Die Verwendung eines Kreuzes als zentrales Motiv war weit verbreitet und symbolisierte sowohl christliche Werte als auch militärische Ehre. Viele dieser Abzeichen waren aus Metall gefertigt, häufig versilbert oder emailliert, und trugen die spezifischen Embleme und Inschriften der jeweiligen lokalen Vereinigung.

Die Herstellermarkierung auf dem Abzeichen ist von besonderer Bedeutung für Sammler und Historiker. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es zahlreiche spezialisierte Werkstätten und Manufakturen, die militärische Auszeichnungen und Vereinsabzeichen herstellten. Bekannte Hersteller waren unter anderem Firmen wie C.E. Juncker in Berlin, Friedrich Linden in Lüdenscheid oder andere regionale Produzenten. Die Qualität und Ausführung dieser Abzeichen variierte erheblich, von einfachen gestanzten Metallstücken bis zu aufwendig emaillierten Kunstwerken.

Die Nadel zur Befestigung war die übliche Trageweise solcher Vereinsabzeichen. Sie wurden an der Zivilkleidung, meist am Revers der Jacke, getragen, besonders bei Vereinsveranstaltungen, patriotischen Feiertagen wie dem Sedantag (2. September, zur Erinnerung an die Schlacht von Sedan 1870) oder bei Veteranentreffen.

Die patriotische Bandschleife ist ein weiteres charakteristisches Element. Solche Bänder waren oft in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot gehalten oder trugen die Farben des jeweiligen Bundesstaates. Im Falle Schleswig-Holsteins könnten auch die Landesfarben Blau-Weiß-Rot zur Verwendung gekommen sein. Diese Bänder wurden bei besonderen Anlässen am Abzeichen befestigt und verliehen dem Träger zusätzliche Festlichkeit.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebten Kriegervereine einen enormen Zulauf, da Millionen von Frontsoldaten in die Heimat zurückkehrten. Allerdings änderte sich auch der Charakter vieler dieser Organisationen. Während sie im Kaiserreich hauptsächlich monarchistische und patriotische Werte vertraten, wurden viele in der Weimarer Republik zunehmend politisiert. Einige entwickelten sich zu Brutstätten rechtsradikaler und revanchistischer Ideologien.

Der Zustand 2- des Abzeichens deutet auf eine gut erhaltene Ausführung hin mit nur minimalen Gebrauchsspuren. In der numismatischen und militärhistorischen Bewertungsskala bedeutet dies eine sehr gute Erhaltung mit möglicherweise leichten Alterungserscheinungen oder minimalen Abnutzungen.

Solche Abzeichen sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in die lokale Militärgeschichte, das Vereinswesen und die gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit geben. Sie dokumentieren, wie kleine Gemeinden wie Rellingen ihre eigene militärische Tradition pflegten und wie Veteranen ihre Identität und Zugehörigkeit durch solche Symbole zum Ausdruck brachten. Für die Geschichtsforschung sind sie wertvolle Quellen zum Verständnis der deutschen Militär- und Sozialgeschichte zwischen 1871 und 1933.