Deutsches Reich Passmarke für Eingeborene in Deutsch-Südwest-Afrika "Gibeon"

Geprägte Marke aus Buntmetall mit eingeschlagener Nr. 5321 , oben mit Loch zum Tragen am Hals. Getragen, Zustand 2-.

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https://www.namibiana.de/namibia-information/geschichte-politik-gesellschaft/meldung/eingeborenen-passmarken-in-deutsch-suedwestafrika-peter-haller.html#:~:text=Paßmarken wurden in den folgenden,, Warmbad, Bethanien und Otjiwarongo.
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Deutsches Reich Passmarke für Eingeborene in Deutsch-Südwest-Afrika "Gibeon"

Die Passmarke für Eingeborene aus dem Bezirk Gibeon in Deutsch-Südwestafrika repräsentiert ein dunkles Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte zwischen 1884 und 1915. Diese aus Buntmetall geprägte Marke mit der eingeschlagenen Nummer 5321 diente als Identifikations- und Kontrollmittel der deutschen Kolonialverwaltung über die einheimische afrikanische Bevölkerung.

Historischer Hintergrund: Nach der Berliner Kongokonferenz von 1884/85 etablierte das Deutsche Reich seine Herrschaft über das Gebiet des heutigen Namibia. Die Kolonie Deutsch-Südwestafrika wurde zu einem Schauplatz systematischer Unterdrückung und Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung, insbesondere der Herero, Nama, Damara und San-Völker. Die Einführung von Passmarken erfolgte als Teil eines umfassenden Systems zur Kontrolle und Überwachung der afrikanischen Bevölkerung.

System der Passmarken: Das Passmarkensystem wurde in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts eingeführt und nach dem Herero-Nama-Aufstand (1904-1908) erheblich verschärft. Die Einheimischen wurden gezwungen, diese Metallmarken sichtbar am Hals zu tragen. Jede Marke war mit einer individuellen Nummer versehen und trug den Namen des jeweiligen Bezirks. Gibeon, ein bedeutendes Zentrum im Süden der Kolonie, war einer von mehreren Bezirken, in denen dieses System implementiert wurde.

Die Passmarken wurden in folgenden Bezirken ausgegeben: Windhoek, Swakopmund, Omaruru, Outjo, Keetmanshoop, Lüderitzbucht, Karibib, Gibeon, Rehoboth, Warmbad, Bethanien und Otjiwarongo. Jede Marke war registriert und ermöglichte es der Kolonialverwaltung, die Bewegungsfreiheit der einheimischen Bevölkerung zu beschränken und zu kontrollieren.

Rechtlicher Rahmen: Das System basierte auf verschiedenen Verordnungen und Erlassen der Kolonialverwaltung. Die Eingeborenenverordnung schrieb vor, dass alle afrikanischen Bewohner eine solche Marke bei sich führen und sichtbar tragen mussten. Verstöße gegen diese Vorschrift wurden mit Strafen geahndet. Die Marken dienten auch als Arbeitskontrolle, da sie häufig mit Arbeitsverträgen und der Zuweisung zu bestimmten Arbeitgebern verbunden waren.

Soziale und humanitäre Dimension: Die Passmarken waren ein Symbol der Entrechtung und Entwürdigung. Sie reduzierten Menschen zu nummerierten Objekten und machten sie zu Eigentum im System der Kolonialherrschaft. Das Tragen der Marken am Hals wird von Historikern als bewusste Demütigung interpretiert, die an die Kennzeichnung von Vieh erinnerte. Dieses System stand im direkten Zusammenhang mit der Zwangsarbeit und der systematischen Unterdrückung nach dem Völkermord an den Herero und Nama.

Der Völkermord von 1904-1908: Nach der brutalen Niederschlagung des Aufstands unter Generalleutnant Lothar von Trotha und dem Vernichtungsbefehl vom Oktober 1904 wurde die überlebende einheimische Bevölkerung in Konzentrationslagern interniert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Das Passmarkensystem wurde Teil der Kontrollmechanismen dieser post-genozidalen Ordnung.

Gibeon: Der Bezirk Gibeon hatte eine besondere Bedeutung in der Kolonialgeschichte. Die gleichnamige Siedlung war ein wichtiges Verwaltungszentrum und Militärposten. Die Region war von den Auswirkungen der kolonialen Landnahme und den Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung stark betroffen.

Ende des Systems: Mit der Besetzung Deutsch-Südwestafrikas durch südafrikanische Truppen im Ersten Weltkrieg (1915) endete die deutsche Kolonialherrschaft. Das Passmarkensystem wurde abgeschafft, doch die südafrikanische Mandatsverwaltung führte eigene Kontrollsysteme ein, die bis zur Unabhängigkeit Namibias 1990 in verschiedenen Formen fortbestanden.

Historische Bedeutung heute: Diese Passmarken sind heute wichtige historische Artefakte, die an die Verbrechen der Kolonialzeit erinnern. Sie dienen in Museen und Gedenkstätten als materielle Zeugnisse der systematischen Unterdrückung und des Völkermords. Die Auseinandersetzung mit diesen Objekten ist Teil der notwendigen Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus und seiner Folgen.

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