III. Reich / Deutsche Polizei - Brettspiel - " Mensch paß auf ! " ( Das neuzeitliche Verkehrsspiel für alle ! )

um 1938, Richard Carl Schmidt & Co. Berlin W 62 Lehrmittel- und Fachverlag, D.R.G.M. 1 419 914, Bestell-Nr.102 kleine Ausgabe, komplett mit 2 Würfeln und 6 Zinnfiguren sowie dem Spielbrett und der Spielanleitung ( hier ein Dankeswort an den Chef der Ordnungspolizei General der Polizei Daluege ), in der originalen Verpackung 38,5 x 30 x 3,5 cm, Zustand 2. 
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400,00

III. Reich / Deutsche Polizei - Brettspiel - " Mensch paß auf ! " ( Das neuzeitliche Verkehrsspiel für alle ! )

Das Brettspiel "Mensch paß auf!" aus der Zeit um 1938 stellt ein faszinierendes Beispiel für die Durchdringung des Alltags durch staatliche Propaganda im Dritten Reich dar. Herausgegeben vom Lehrmittel- und Fachverlag Richard Carl Schmidt & Co. in Berlin W 62, wurde dieses Verkehrserziehungsspiel als "neuzeitliches Verkehrsspiel für alle" beworben und trug die Reichsgebrauchsmuster-Nummer D.R.G.M. 1 419 914.

Die historische Bedeutung dieses Objekts liegt nicht nur in seiner pädagogischen Funktion, sondern vor allem in seiner ideologischen Einbettung. Die Spielanleitung enthält ein Dankeswort an General der Polizei Kurt Daluege, der seit 1936 als Chef der Ordnungspolizei fungierte. Daluege war eine Schlüsselfigur im nationalsozialistischen Polizeiapparat und stand in engem Kontakt zu Heinrich Himmler, dem Reichsführer-SS. Diese direkte Verbindung zum höchsten Polizeiapparat des Regimes zeigt, wie selbst scheinbar harmlose Bildungsprodukte zur Legitimierung und Verherrlichung der staatlichen Autoritäten genutzt wurden.

Die Ordnungspolizei unter Daluege umfasste die Schutzpolizei, die Gendarmerie und die Gemeindepolizei. Nach der Machtübernahme 1933 erfolgte eine systematische Gleichschaltung und Militarisierung der deutschen Polizei. Die Verkehrserziehung wurde dabei als wichtiges Instrument zur Disziplinierung der Bevölkerung und zur Demonstration staatlicher Ordnungsmacht verstanden. Die Verkehrssicherheit stand im Kontext der nationalsozialistischen Ideologie, die Ordnung, Disziplin und Gehorsam als zentrale Tugenden propagierte.

Das Spiel wurde in verschiedenen Ausführungen produziert, wie die Bezeichnung "kleine Ausgabe" mit der Bestellnummer 102 belegt. Die Ausstattung mit sechs Zinnfiguren und zwei Würfeln sowie einem Spielbrett und der originalen Verpackung zeigt die aufwendige Produktion. Zinnfiguren waren in den 1930er Jahren ein beliebtes Material für Spielfiguren und wurden häufig in deutschen Manufakturen hergestellt. Die Verwendung von Zinn deutet auf eine relativ hochwertige Produktion hin, was darauf schließen lässt, dass das Spiel für ein breiteres bürgerliches Publikum konzipiert war.

Der Verlag Richard Carl Schmidt & Co. war auf Lehrmittel und Fachliteratur spezialisiert. In der NS-Zeit passten sich viele Verlage den ideologischen Vorgaben an oder arbeiteten aktiv mit den Behörden zusammen. Die Produktion von Lehr- und Lernspielen wurde staatlich gefördert, wenn sie der nationalsozialistischen Weltanschauung und den Erziehungszielen des Regimes entsprachen.

Die Datierung "um 1938" ist aus mehreren Gründen plausibel: Daluege war seit Juni 1936 Chef der Ordnungspolizei, und die Verkehrserziehung gewann in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre zunehmend an Bedeutung. Die Motorisierung Deutschlands wurde vom Regime stark vorangetrieben, was sich in Projekten wie dem Volkswagen und dem Bau der Reichsautobahnen manifestierte. Mit der steigenden Zahl von Fahrzeugen wuchs auch die Notwendigkeit der Verkehrserziehung.

Solche Spiele dienten mehreren Zwecken: Erstens vermittelten sie praktisches Wissen über Verkehrsregeln und -sicherheit. Zweitens normalisierten sie die Präsenz und Autorität der Polizei im Alltag. Drittens förderten sie durch die spielerische Auseinandersetzung mit Regeln und Ordnung die Internalisierung autoritärer Strukturen, besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Die Erhaltung in der Originalverpackung mit allen Spielkomponenten macht dieses Exemplar zu einem wertvollen zeithistorischen Dokument. Es ermöglicht Einblicke in die Alltagskultur des Dritten Reichs und zeigt, wie totalitäre Ideologien auch scheinbar unpolitische Lebensbereiche durchdrangen. Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die historische Forschung und Museen, die sich mit der NS-Zeit auseinandersetzen.