III. Reich Polizei: Großer Schellenbaum des Musikzuges der Schutzpolizei Hamburg Altona-Wandsbek

um 1938. Großer mehrteiliger Schellenbaum, komplett mit allen Teilen. Oben der preußische Adler, auf einer Zigarre mit Blitzen stehend. In seinem Schnabel haltend die Silberne Kordel mit dem Schellenbaumtuch, welches an einer Querstange hängt. Das Tuch aus grüner Seide, auf der Vorderseite der Hoheitsadler der Polizei in der neuen Ausführung ab 1936 in Metallfaden handgestickt, umlaufend silberne Fransen, seitlich mit 4 anhängenden Quasten. Darunter der große Stern, im Zentrum beidseitig graviert der preußische Hoheitsadler mit Hakenkreuz auf der Brust und der Devise "Gott mit uns". Darunter der große Halbmond (Mittelarm) mit 14 eingehängten Glöckchen und Sternen, der Halbmond auf der Vorderseite graviert mit der Bezeichnung: „POLIZEIPRÄSIDIUM ALTONA-WANDSBEK“. Rückseitig graviert „ÜBERREICHT VOM POLIZEI PRÄSIDENTEN PAUL KINKLER“. Graveur: „C.W. MORITZ“ und „ BERLIN.W. 1934“. Der Halbmond an beiden Enden ausgehend in einen Adlerkopf, daran anhängend die großen Schweife, links in den preußischen Farben schwarz/weiß, rechts in den Farben von Hamburg rot/weiß. Darunter die große Glocke mit aufgelegtem Eichenlaubkranz, mit 16 eingehängten Glöckchen und Sternen. Komplett mit der original Holzstange. Gesamthöhe 2,25 m . Der Schellenbaum zeigt durch bei Benutzung und die wechselvolle Geschichte leichte Gebrauchs- und Altersspuren, das Schellenbaumtuch hat einige wenige Silberfransen verloren. In gutem Gesamtzustand. Der Schellenbaum ist komplett zerlegbar und lässt sich dadurch auch problemlos transportieren.
Extrem selten, in über 30 Jahren ist dies erst der 3. originale und komplette Schellenbaum, den wir anbieten können.
Wir haben für das Stück einen soliden Fuß mit Haltehülse angefertigt, damit der Schellenbaum sicher aufgestellt werden kann.
Der Schellenbaum wurde in den Jahren 1933/34 für den Musikzug der Schutzpolizei Altona-Wandsbek angeschafft, welche damals beide noch zum Freistaat Preußen gehörte. Daher auch der preußische Adler auf dem Stern. Mit dem Gesetz von Gross-Hamburg von 1938 wurde Altona und Wandsbek zu Hamburg eingemeindet und bilden heute noch die größten Stadtteile der Hansestadt. Anbei in Kopie ein schönes Foto, welches den Schellenbaum am Tag der Polizei am 19.11.1934 in Hamburg-Wandsbek zeigt, zu dem Zeitpunkt noch mit dem alten Schellenbaumtuch.
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III. Reich Polizei: Großer Schellenbaum des Musikzuges der Schutzpolizei Hamburg Altona-Wandsbek

Der Schellenbaum oder Jingling Johnny gehört zu den eindrucksvollsten und gleichzeitig seltensten Objekten der deutschen Polizei- und Militärgeschichte. Als zeremonielles Musikinstrument und Standarte des Musikzuges verkörperte er nicht nur musikalische Tradition, sondern auch die Identität und den Stolz der jeweiligen Einheit. Das vorliegende Exemplar aus dem Polizeipräsidium Altona-Wandsbek dokumentiert eine besonders bedeutsame Phase deutscher Verwaltungs- und Polizeigeschichte in den 1930er Jahren.

Die Tradition des Schellenbaums reicht bis ins Osmanische Reich zurück, wo solche Instrumente Teil der Janitscharenmusik waren. Im 18. Jahrhundert übernahmen europäische Militärkapellen diese exotischen Instrumente, die durch ihr imposantes Erscheinungsbild und ihren charakteristischen Klang bei Paraden und Zeremonien große Wirkung erzielten. In Deutschland entwickelte sich der Schellenbaum zu einem festen Bestandteil von Militär- und später auch Polizeimusikkorps.

Der hier beschriebene Schellenbaum wurde um 1938 für den Musikzug der Schutzpolizei Hamburg Altona-Wandsbek angefertigt, wobei die Gravur “BERLIN.W. 1934” auf eine frühere Herstellung einzelner Komponenten hindeutet. Die Bezeichnung Paul Kinkler als überreichender Polizeipräsident ist historisch von besonderer Bedeutung. Die komplexe politische und administrative Situation dieser Zeit spiegelt sich direkt in diesem Objekt wider.

Altona und Wandsbek gehörten bis 1937 nicht zu Hamburg, sondern zum Freistaat Preußen. Dies erklärt die Verwendung des preußischen Adlers auf dem Stern des Schellenbaums. Altona war zu diesem Zeitpunkt sogar die zweitgrößte Stadt in Preußen nach Berlin. Die eigenständigen Polizeipräsidien dieser preußischen Städte verfügten über eigene Musikzüge, die bei offiziellen Anlässen, Paraden und Feierlichkeiten auftraten.

Das Groß-Hamburg-Gesetz vom 26. Januar 1937, das am 1. April 1937 in Kraft trat, veränderte die administrative Landkarte Norddeutschlands grundlegend. Durch dieses Gesetz wurden Altona, Wandsbek, Harburg-Wilhelmsburg und mehrere weitere Gemeinden in die Hansestadt Hamburg eingegliedert. Hamburg wuchs dadurch von etwa 650.000 auf über 1,7 Millionen Einwohner und wurde zur flächenmäßig größten Stadt des Deutschen Reiches nach Berlin. Die bisherigen preußischen Polizeidienststellen wurden in die Hamburger Polizei integriert.

Die technische Ausführung des Schellenbaums entspricht höchsten handwerklichen Standards. Mit einer Gesamthöhe von 2,25 Metern ist er ein imposantes Zeremonialobjekt. Der Aufbau folgt der klassischen Hierarchie: Oben thront der preußische Adler auf einer Zigarre mit Blitzen, ein Symbol preußischer Hoheit. Die silberne Kordel mit dem Schellenbaumtuch aus grüner Seide zeigt auf der Vorderseite den Hoheitsadler der Polizei in der Form, wie sie ab 1936 verwendet wurde. Diese Änderung der Adlerdarstellung erfolgte im Zuge der allgemeinen Vereinheitlichung nationalsozialistischer Hoheitszeichen.

Der große Stern trägt beidseitig den preußischen Hoheitsadler mit der traditionellen Devise “Gott mit uns”, die auf preußische und deutsche Militärtraditionen seit dem 19. Jahrhundert zurückgeht. Der Halbmond mit 14 eingehängten Glöckchen und Sternen zeigt die doppelte Beschriftung der Polizeipräsidien Altona und Wandsbek sowie den Namen des Polizeipräsidenten. Die Schweife in den preußischen Farben Schwarz-Weiß und den Hamburger Farben Rot-Weiß symbolisieren die administrative Übergangssituation und die spätere Integration.

Die Gravur des Berliner Graveurs C.W. Moritz datiert auf 1934, was darauf hindeutet, dass zentrale Komponenten des Schellenbaums bereits vor der Eingemeindung angefertigt wurden. Der Tag der Polizei am 19. November 1934 in Hamburg-Wandsbek, bei dem der Schellenbaum nachweislich verwendet wurde, war eine der großen Zeremonien, bei denen solche Prunkstücke ihre volle Wirkung entfalteten.

Schellenbaüme waren nicht nur dekorative Objekte, sondern hatten auch eine praktische Funktion im Musikzug. Der Schellenbaumträger marschierte an der Spitze der Formation und gab durch rhythmisches Schütteln und Drehen des Instruments den Takt vor. Die Glöckchen und das imposante Erscheinungsbild machten den Schellenbaum zum visuellen und akustischen Mittelpunkt jeder Parade.

Die Seltenheit kompletter und originaler Schellenbaüme aus dieser Epoche kann nicht überschätzt werden. Die meisten wurden im Krieg oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit zerstört, verloren oder ihrer NS-Symbole beraubt. Vollständig erhaltene Exemplare mit dokumentierter Provenienz sind extrem rar und von hohem historischem und musealen Wert. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Kunstfertigkeit, sondern auch wichtige Kapitel deutscher Verwaltungs-, Polizei- und Lokalgeschichte.

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