III. Reich - Reichsbund Deutscher Kleintierzüchter R.D.K., Große nichttragbare Auszeichnungsplakette "Reichsfachgruppen- Ehrenpreis".

Große Medaille aus weißem Biskuitporzellan, Durchmesser 17cm. Auf der Vorderseite: Hakenkreuz im Eichenlaubkranz "R.D.K. Reichsfachgruppe - Ehrenpreis.", Rückseite: ein stehender Hahn auf einem Sockel im Eichenlaubkranz. Komplett im großen Verleihungsetui. Unbeschädigt, Zustand 2.
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650,00

III. Reich - Reichsbund Deutscher Kleintierzüchter R.D.K., Große nichttragbare Auszeichnungsplakette "Reichsfachgruppen- Ehrenpreis".

Die vorliegende Auszeichnungsplakette des Reichsbundes Deutscher Kleintierzüchter (R.D.K.) repräsentiert einen bemerkenswerten Aspekt der zivilen Organisationsstruktur im Dritten Reich. Während militärische Auszeichnungen häufig im Fokus historischer Betrachtungen stehen, offenbaren solche zivilen Ehrenpreise die umfassende Durchdringung der nationalsozialistischen Ideologie in nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.

Der Reichsbund Deutscher Kleintierzüchter wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als Dachorganisation für die verschiedenen Kleintierzuchtvereine im Deutschen Reich etabliert. Die Organisation war Teil der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik, durch die sämtliche Vereine und Verbände in das System des NS-Staates integriert wurden. Die Kleintierzucht wurde dabei nicht nur als Hobby betrachtet, sondern als Beitrag zur Volksernährung und zur Förderung der Wehrhaftigkeit propagiert.

Die hier beschriebene Plakette aus weißem Biskuitporzellan mit einem Durchmesser von 17 Zentimetern stellt einen Reichsfachgruppen-Ehrenpreis dar. Biskuitporzellan, auch als Biskuit bekannt, ist eine matte, unglasierte Porzellanart, die seit dem 18. Jahrhundert für kunstvolle Plastiken und Medaillen verwendet wurde. Die Wahl dieses Materials für Auszeichnungen im Dritten Reich war durchaus üblich, da es sowohl eine gewisse Wertigkeit als auch eine repräsentative Ästhetik vermittelte.

Die Ikonographie der Plakette ist charakteristisch für die Zeit: Auf der Vorderseite befindet sich das Hakenkreuz im Eichenlaubkranz, umgeben von der Inschrift “R.D.K. Reichsfachgruppe - Ehrenpreis”. Das Hakenkreuz als zentrales Symbol des Nationalsozialismus wurde auf nahezu allen offiziellen Auszeichnungen und Abzeichen verwendet. Der Eichenlaubkranz symbolisierte traditionell Stärke, Beständigkeit und deutsche Tugenden und wurde bereits in der preußischen Tradition verwendet.

Die Rückseite zeigt einen stehenden Hahn auf einem Sockel, ebenfalls von einem Eichenlaubkranz umgeben. Der Hahn als Motiv verweist auf die Geflügelzucht, eine der wichtigsten Sparten der Kleintierzucht. Die Geflügelzucht hatte im Dritten Reich eine besondere Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch, insbesondere während der Kriegsjahre.

Die Existenz verschiedener Reichsfachgruppen innerhalb des R.D.K. zeigt die detaillierte organisatorische Struktur der Kleintierzüchterverbände. Es gab separate Fachgruppen für Kaninchenzucht, Geflügelzucht, Taubenzucht und andere Bereiche. Jede Fachgruppe hatte ihre eigenen Ausstellungen, Wettbewerbe und Auszeichnungssysteme. Die hier beschriebene Plakette als “große nichttragbare Auszeichnung” wurde vermutlich für besondere Leistungen in der jeweiligen Fachgruppe verliehen, etwa für herausragende Zuchterfolge oder langjährige Verdienste.

Die Tatsache, dass die Plakette im großen Verleihungsetui erhalten ist, unterstreicht ihre Bedeutung als offizielle Auszeichnung. Solche Etuis wurden speziell angefertigt und trugen zur Würde des Verleihungsaktes bei. Die Verleihung solcher Ehrenpreise erfolgte üblicherweise im Rahmen von Reichsausstellungen oder regionalen Zuchtschauen.

Im Kontext der NS-Kulturpolitik dienten solche Organisationen und ihre Auszeichnungssysteme mehreren Zwecken: Sie sollten die Bevölkerung in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft integrieren, die Selbstversorgung fördern und gleichzeitig die ideologische Kontrolle über alle Lebensbereiche ausüben. Die Kleintierzucht wurde als Teil der Blut-und-Boden-Ideologie verstanden, die die Verbindung des deutschen Volkes mit der heimischen Scholle betonte.

Aus militärhistorischer Perspektive sind solche zivilen Auszeichnungen von Interesse, da sie das Gesamtbild der nationalsozialistischen Herrschaft vervollständigen. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, alle gesellschaftlichen Aktivitäten zu militarisieren und in den Dienst der Kriegsvorbereitung und -führung zu stellen. Die Kleintierzucht sollte zur Autarkie und damit zur Kriegsfähigkeit des Reiches beitragen.

Heute sind solche Objekte wichtige historische Quellen, die Einblick in die Alltagskultur und Organisationsstrukturen des Dritten Reiches geben. Sie dokumentieren, wie tief die nationalsozialistische Symbolik und Ideologie in scheinbar unpolitische Bereiche wie die Hobbyzucht eingedrungen war.