III. Reich - Reichsverband für das Deutsche Hundewesen ( RDH ) - Gau-Plakette " Für gute Zuchtleistung " in Silber

Gau Westmark-Hessen, 40 x 60 mm, Leichtmetall versilbert, Hersteller : E.F.Wiedmann Frankfurt a.M., komplett im braunen Pappetui Darmstadt 1937, im Boden identischer Hersteller. Das Etui ist beschädigt mit Fehlteilen, die Plakette ist im Zustand 2.
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230,00

III. Reich - Reichsverband für das Deutsche Hundewesen ( RDH ) - Gau-Plakette " Für gute Zuchtleistung " in Silber

Die vorliegende Gau-Plakette "Für gute Zuchtleistung" in Silber des Reichsverbandes für das Deutsche Hundewesen (RDH) repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Kynologie während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Auszeichnung, verliehen vom Gau Westmark-Hessen im Jahr 1937, dokumentiert die systematische Organisation und Kontrolle der Hundezucht im Dritten Reich.

Der Reichsverband für das Deutsche Hundewesen wurde in den frühen 1930er Jahren als Dachorganisation aller deutschen Hundezuchtvereine etabliert. Nach der Machtübernahme 1933 erfolgte die Gleichschaltung dieser Organisation entsprechend dem nationalsozialistischen Führerprinzip. Der RDH wurde dem Reichsministerium des Innern unterstellt und diente nicht nur der Förderung der Hundezucht, sondern auch der ideologischen Durchdringung dieses Bereichs. Die Organisation gliederte sich in verschiedene Gaue, die den territorialen Verwaltungseinheiten der NSDAP entsprachen.

Der Gau Westmark-Hessen entstand aus der territorialen Neuordnung und umfasste Gebiete in der Pfalz und Teilen Hessens. Die Bezeichnung "Westmark" wurde erst später für Gebiete an der Westgrenze des Deutschen Reiches verwendet, was auf die komplexe administrative Entwicklung dieser Periode hinweist. Die Plakette aus dem Jahr 1937 stammt aus einer Zeit intensiver organisatorischer Aktivität im deutschen Hundewesen.

Die Auszeichnung wurde vom renommierten Hersteller E.F. Wiedmann aus Frankfurt am Main gefertigt, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Abzeichen, Plaketten und Orden spezialisiert hatte. Die Firma gehörte zu den etablierten Herstellern von Auszeichnungen in der Zeit des Dritten Reiches und belieferte verschiedene Organisationen und Verbände. Die Verwendung von versilbertem Leichtmetall war typisch für zivile Auszeichnungen dieser Periode, da wertvolle Materialien zunehmend für militärische Zwecke reserviert wurden.

Die Plakette misst 40 x 60 mm und wurde in einem charakteristischen braunen Pappetui aufbewahrt, wie es für Auszeichnungen dieser Zeit üblich war. Das Etui trägt die Aufschrift "Darmstadt 1937" und den Herstellerstempel, was die Verleihung zeitlich und örtlich einordnet. Die Farbe Braun war nicht zufällig gewählt, sondern entsprach der Farbsymbolik der nationalsozialistischen Bewegung.

Die Auszeichnung "Für gute Zuchtleistung" wurde an Züchter verliehen, die sich durch besondere Leistungen in der Hundezucht hervorgetan hatten. Dies umfasste die Zucht rassetypischer Hunde entsprechend den festgelegten Standards, die Teilnahme an Ausstellungen und Leistungsprüfungen sowie die Förderung der "deutschen" Hunderassen. Die nationalsozialistische Ideologie durchdrang auch die Tierzucht, wobei Begriffe wie "Reinzucht" und "Rassereinheit" verwendet wurden, die die menschenverachtende Rassenideologie des Regimes widerspiegelten.

Die Hierarchie der Auszeichnungen im RDH umfasste verschiedene Stufen, wobei die silberne Version der Plakette eine mittlere Auszeichnungsstufe darstellte. Es gab auch bronzene und goldene Varianten für unterschiedliche Leistungsniveaus. Die Verleihung solcher Auszeichnungen diente nicht nur der Anerkennung züchterischer Leistungen, sondern auch der Integration der Züchter in das nationalsozialistische System und der Förderung von Loyalität gegenüber dem Regime.

Die Organisation von Zuchtschauen und die Vergabe von Auszeichnungen waren wichtige Instrumente der Kontrolle und Lenkung der Hundezucht. Der RDH führte Zuchtbücher, überwachte Zuchtnormen und vergab Papiere für reinrassige Hunde. Diese systematische Erfassung und Kontrolle war typisch für die bürokratische Durchdringung aller Lebensbereiche im Dritten Reich.

Nach 1945 wurden die Strukturen des RDH aufgelöst und durch neue Organisationen ersetzt. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) wurde 1949 als demokratische Nachfolgeorganisation gegründet und knüpfte an die kynologischen Traditionen an, während er sich von der ideologischen Belastung der NS-Zeit distanzierte.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive dokumentieren solche Objekte die Durchdringung selbst scheinbar unpolitischer Bereiche wie der Hundezucht durch die nationalsozialistische Ideologie. Sie sind Zeugnisse einer Zeit, in der alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens gleichgeschaltet und instrumentalisiert wurden. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte ist wichtig für das historische Verständnis dieser Periode, wobei stets der kritische historische Kontext gewahrt bleiben muss.