Kriegsmarine - Taschenbuch der Kriegsflotten 1914/15 - Kriegsausgabe: II. Teil: Deutsches Reich und Österreich,

München, Lehmanns Verlag, 1914, Gebundene Ausgabe, Kartoniert, Kleinformat, 91 Seiten, mit Abbildungen, farbige Flaggentafel, Zustand 2-
478501
45,00

Kriegsmarine - Taschenbuch der Kriegsflotten 1914/15 - Kriegsausgabe: II. Teil: Deutsches Reich und Österreich,

Taschenbuch der Kriegsflotten 1914/15 - Ein Dokument der deutschen Marinegeschichte

Das Taschenbuch der Kriegsflotten von 1914/15 stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument dar, das die Marinelandschaft zu Beginn des Ersten Weltkriegs dokumentiert. Diese Kriegsausgabe, publiziert vom renommierten Lehmanns Verlag in München, erschien in einem kritischen Moment der europäischen Geschichte - unmittelbar nach Ausbruch des Großen Krieges im August 1914.

Die Publikation gehörte zu einer etablierten Tradition von Flottenhandbüchern, die seit dem späten 19. Jahrhundert erschienen. Mit dem rasanten Ausbau der Kriegsmarinen in Europa, insbesondere nach dem deutschen Flottengesetzen von 1898 und 1900 unter Admiral Alfred von Tirpitz, wuchs das öffentliche Interesse an Marinefragen erheblich. Diese Handbücher dienten sowohl militärischen Fachkreisen als auch der gebildeten Öffentlichkeit als Nachschlagewerke.

Der vorliegende zweite Teil konzentrierte sich spezifisch auf die Flotten des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns - die beiden Mittelmächte, die im Ersten Weltkrieg verbündet waren. Diese thematische Fokussierung reflektiert die kriegsbedingte Notwendigkeit, präzise Informationen über die eigenen Seestreitkräfte und die des Hauptverbündeten bereitzustellen. Die Kaiserliche Marine des Deutschen Reiches hatte sich seit der Jahrhundertwende zur zweitstärksten Flotte der Welt entwickelt, während die k.u.k. Kriegsmarine Österreich-Ungarns vornehmlich in der Adria operierte.

Das kompakte Kleinformat von 91 Seiten machte das Werk besonders praktikabel für den Feldgebrauch und entsprach der Konzeption als Taschenhandbuch. Die Bezeichnung “Kriegsausgabe” weist auf mehrere Besonderheiten hin: Zum einen wurde das Werk unter den erschwerten Bedingungen der Kriegswirtschaft produziert, zum anderen war der Inhalt auf die unmittelbaren Bedürfnisse der Kriegsführung ausgerichtet. Papierknappheit und Ressourcenbeschränkungen prägten die Buchproduktion während des gesamten Krieges.

Die Abbildungen im Buch dienten der visuellen Identifikation verschiedener Schiffstypen - eine essenzielle Fähigkeit für Marineoffiziere und Beobachter. Die farbige Flaggentafel war besonders wertvoll, da die korrekte Identifikation von Kriegsschiffen anhand ihrer Flaggenführung über Leben und Tod entscheiden konnte. Jede Nation führte spezifische Kriegs- und Dienstflaggen, deren Kenntnis für die maritime Kriegsführung unverzichtbar war.

Die Kaiserliche Marine verfügte 1914 über eine beeindruckende Flotte von Großkampfschiffen, darunter moderne Dreadnought-Schlachtschiffe, Schlachtkreuzer, Kreuzer, Torpedoboote und U-Boote. Die berühmte Hochseeflotte unter Admiral Friedrich von Ingenohl und später Admiral Reinhard Scheer sollte in der Skagerrakschlacht (Battle of Jutland) von 1916 ihre größte Bewährungsprobe erleben. Die österreichisch-ungarische Flotte unter Admiral Anton Haus operierte hauptsächlich von Pola (heute Pula, Kroatien) aus und kontrollierte die Adria.

Solche Publikationen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten der militärischen Aufklärung, der Ausbildung von Marinepersonal und nicht zuletzt der Propaganda. In einer Zeit intensiven Flottenrüstens trugen sie zur öffentlichen Wahrnehmung maritimer Stärke bei. Der Lehmanns Verlag war bekannt für militärische und wissenschaftliche Publikationen und hatte sich als wichtiger Verleger von Marinehandbüchern etabliert.

Die historische Bedeutung solcher Handbücher liegt heute in ihrem Quellenwert. Sie dokumentieren den Stand der Marinentwicklung zu einem präzisen historischen Zeitpunkt und reflektieren das strategische Denken der Epoche. Die Angaben zu Bewaffnung, Panzerung, Geschwindigkeit und Besatzungsstärke der Schiffe erlauben Historikern detaillierte Rekonstruktionen der maritimen Kriegsführung.

Das Jahr 1914/15 markierte eine Zäsur in der Seekriegsführung. Die anfängliche Erwartung großer Flottenschlachten wich bald der Realität eines Krieges, in dem Seeblockaden, U-Boot-Krieg und Handelskrieg dominierten. Die britische Fernblockade Deutschlands und der deutsche uneingeschränkte U-Boot-Krieg ab 1917 prägten den maritimen Konflikt mehr als traditionelle Flottenoperationen.

Für Sammler militärhistorischer Dokumente repräsentieren solche Kriegsausgaben wichtige Zeitdokumente. Der Erhaltungszustand ist bei über 100 Jahre alten Publikationen stets bedeutsam. Die kartonierte Bindung war typisch für Feldhandbücher dieser Ära - robust genug für den praktischen Gebrauch, aber anfällig für die Abnutzung der Zeit.

Diese Publikation steht exemplarisch für die umfassende Dokumentationskultur des Kaiserreichs und zeigt das hohe Niveau technischer und militärischer Publikationen der wilhelminischen Ära. Sie erinnert an eine Epoche, in der Seemacht als entscheidender Faktor internationaler Politik galt und die Flotten als Symbol nationaler Größe und Modernität verstanden wurden.