Preußen Paar Schulterstücke für einen General der Infanterie in der Uniform des Königin Augusta Garde-Grenadier Regiments Nr. 4

Standort Berlin, um 1890/1900. Besonders große, schwere Ausführung. Gold/silbernes Generalsgeflecht auf hellblauer Tuchunterlage, mit großem vergoldeten Namenszug. Ausführung für den Mantel, mit Schlaufen. Getragen, die Tuchunterlagen mit Mottenschäden. Zustand 2-.




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Preußen Paar Schulterstücke für einen General der Infanterie in der Uniform des Königin Augusta Garde-Grenadier Regiments Nr. 4

Die vorliegenden Schulterstücke repräsentieren die höchste Stufe militärischer Rangabzeichen im Königreich Preußen während der Kaiserzeit. Sie gehörten zur Uniform eines Generals der Infanterie, der gleichzeitig dem prestigeträchtigen Königin Augusta Garde-Grenadier Regiment Nr. 4 angehörte, einer der elitärsten Formationen der preußischen Armee.

Das Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 wurde 1860 gegründet und erhielt seinen Namen zu Ehren von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Gemahlin Kaiser Wilhelms I. Das Regiment war in Berlin stationiert und genoss als Teil der Gardekorps ein besonderes Ansehen. Die Regimentsuniform zeichnete sich durch die charakteristische hellblaue Abzeichenfarbe aus, die auf den Schulterstücken als Tuchunterlage deutlich zu erkennen ist.

Die Rangabzeichen eines Generals der Infanterie waren in Preußen durch mehrere königliche Kabinetts-Ordres und Uniformregulements genau festgelegt. Der Rang des Generals der Infanterie war der zweithöchste Generalsrang nach dem Generalfeldmarschall und entsprach im internationalen Vergleich einem Vier-Sterne-General. Die Schulterstücke mussten das charakteristische gold-silberne Generalsgeflecht aufweisen, das in aufwendiger Handarbeit gefertigt wurde.

Das Generalsgeflecht bestand aus kunstvoll verflochtenen Gold- und Silberfäden, die in einem komplizierten Muster angeordnet waren. Diese Fertigung erforderte hochspezialisierte Handwerkskunst, die nur wenige Posamentier-Werkstätten in Berlin und einigen anderen preußischen Städten beherrschten. Die besonders große und schwere Ausführung der vorliegenden Schulterstücke deutet auf eine Anfertigung für die Manteluniform hin, die robuster gestaltet werden musste als die Varianten für Waffenrock oder Paradeuniform.

Der vergoldete Namenszug auf den Schulterstücken war ein besonderes Kennzeichen der Garde- und Grenadierregimenter. Bei den Regimentern, die nach Mitgliedern des Königshauses benannt waren, trug dieser Namenszug besondere symbolische Bedeutung. Er repräsentierte die direkte Verbindung zwischen dem Regiment und seinem königlichen Patron und verlieh den Trägern zusätzliches Prestige.

Die Zeitstellung “um 1890/1900” fällt in die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888-1918), eine Epoche, in der die preußische Militärtradition ihren Höhepunkt erreichte. In dieser Periode waren die Uniformvorschriften besonders detailliert und wurden streng eingehalten. Die Allerhöchste Kabinetts-Ordre vom 1. Februar 1890 regelte die Uniformierung der Generalität neu und bestätigte die etablierten Standards für Schulterstücke.

Die Schlaufen auf der Rückseite der Schulterstücke dienten der Befestigung an der Manteluniform. Sie ermöglichten ein einfaches Auf- und Abnehmen der Rangabzeichen, was bei verschiedenen Dienstgelegenheiten notwendig war. Für die Manteluniform wurden in der Regel robustere Materialien verwendet, da diese Kleidungsstücke häufiger Witterungseinflüssen ausgesetzt waren.

Die Herstellung solcher Generalschulterstücke war außerordentlich aufwendig und kostspielig. Offiziere mussten ihre Uniformen und Ausrüstungsgegenstände selbst bezahlen, was bei Generalsrängen erhebliche Summen bedeutete. Eine komplette Generalsuniform mit allen Abzeichen konnte mehrere Monatsgehälter eines mittleren Beamten kosten.

Der erwähnte Zustand 2- mit Mottenschäden an den Tuchunterlagen ist typisch für Militaria dieser Epoche. Die natürlichen Materialien wie Wolle und Seide waren anfällig für Schädlingsbefall, besonders wenn die Stücke über längere Zeit nicht sachgerecht gelagert wurden. Dennoch bleibt das Generalsgeflecht in der Regel gut erhalten, da die Metallfäden nicht von Motten befallen werden.

Diese Schulterstücke sind stumme Zeugen einer untergegangenen Epoche. Sie repräsentieren nicht nur militärische Hierarchie, sondern auch die gesellschaftliche Ordnung des Kaiserreichs, in der militärische Ränge höchstes soziales Prestige bedeuteten. Generäle der Infanterie gehörten zur Elite des Reiches und bewegten sich in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen.

Heute sind solche Originalstücke von erheblichem historischem und sammlerwert. Sie dokumentieren die außerordentliche Handwerkskunst der wilhelminischen Ära und die komplexe Hierarchie der preußisch-deutschen Armee. Als Sachzeugen der Geschichte ermöglichen sie uns einen direkten, materiellen Zugang zur militärischen Kultur des deutschen Kaiserreichs.

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