Reichskolonialbund ( RKB ) - Amtsträgerabzeichen in Silber

an langer Nadel, rückseitig : "FHB GES.GESCH.", Zustand 2.
487201
150,00

Reichskolonialbund ( RKB ) - Amtsträgerabzeichen in Silber

Das Reichskolonialbund (RKB) Amtsträgerabzeichen in Silber stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialnostalgie in der Zeit des Nationalsozialismus dar. Diese Auszeichnung wurde an Funktionäre und verdiente Mitglieder des Reichskolonialbundes verliehen, einer Organisation, die nach dem Verlust der deutschen Kolonien im Ersten Weltkrieg die Erinnerung an das ehemalige Kolonialreich wachhalten und für dessen Wiedererlangung eintreten sollte.

Der Reichskolonialbund wurde am 8. Juni 1936 durch die Zusammenlegung mehrerer kolonialer Vereinigungen gegründet, darunter die Deutsche Kolonialgesellschaft, der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft und der Kolonialkriegerbund. Unter der Leitung von Franz Ritter von Epp, einem ehemaligen Generalleutnant und Reichskommissar für koloniale Fragen, entwickelte sich der RKB zu einer der größten NS-Massenorganisationen mit zeitweise über zwei Millionen Mitgliedern.

Das vorliegende Amtsträgerabzeichen wurde von der Firma Friedrich Orth in Wien hergestellt, wie die rückseitige Prägung “FHB GES.GESCH.” (Firmenhauptbuch Gesetzlich Geschützt) belegt. Diese Herstellermarke war ein übliches Kennzeichen für Abzeichen und Orden dieser Zeit und diente dem Schutz vor Fälschungen sowie der Qualitätssicherung.

Die Gestaltung des Abzeichens folgte den typischen ikonografischen Elementen der kolonialen Symbolik: Es zeigte üblicherweise das Hakenkreuz als zentrales NS-Symbol, kombiniert mit kolonialen Motiven wie Palmenwedeln, der Reichskriegsflagge oder stilisierten Darstellungen afrikanischer Landschaften. Die silberne Ausführung kennzeichnete dabei eine höhere Stufe der Anerkennung im Vergleich zu den einfacheren Mitgliedsabzeichen.

Die hierarchische Struktur des RKB sah verschiedene Funktionsebenen vor, von den lokalen Ortsgruppen über Kreisverbände bis hin zu Landesverbänden und der Reichsleitung. Amtsträger auf allen Ebenen trugen als Zeichen ihrer Funktion und Loyalität zur Organisation diese speziellen Abzeichen. Das silberne Amtsträgerabzeichen wurde an Personen verliehen, die sich durch besondere Verdienste um die koloniale Sache ausgezeichnet hatten oder wichtige Funktionen innerhalb der Organisation innehatten.

Der historische Kontext des RKB muss im Rahmen der nationalsozialistischen Expansionspolitik und der Propagierung des “Lebensraums”-Konzepts verstanden werden. Obwohl Deutschland durch den Versailler Vertrag von 1919 alle seine überseeischen Besitzungen verloren hatte, blieb die koloniale Frage Teil der revisionistischen Außenpolitik. Der RKB diente als Instrument zur Mobilisierung kolonialer Bestrebungen und zur Schaffung einer propagandistischen Basis für eventuelle territoriale Forderungen.

Die Aktivitäten des Reichskolonialbundes umfassten die Herausgabe von Zeitschriften wie der “Kolonialen Rundschau”, die Organisation von Vorträgen und Ausstellungen sowie die Pflege von Kontakten zu ehemaligen Kolonisten und deren Nachkommen. Besonderes Augenmerk lag auf der Jugendarbeit, um die koloniale Idee in der jüngeren Generation zu verankern.

Mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges und der zunehmenden Konzentration auf den europäischen Kriegsschauplatz verloren die überseeischen Kolonialambitionen an praktischer Bedeutung. Nach der deutschen Kapitulation 1945 wurde der Reichskolonialbund zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst und verboten.

Heute sind solche Amtsträgerabzeichen wichtige Quellen für die historische Forschung zur NS-Zeit und zur Geschichte der deutschen Kolonialbewegung. Sie dokumentieren die organisatorischen Strukturen, die symbolische Repräsentation und die ideologische Ausrichtung dieser Zeit. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Objekten trägt zum Verständnis der komplexen Beziehungen zwischen Kolonialismus, Nationalismus und totalitärer Herrschaft bei.