Verband Deutscher Artillerievereine 

emaiilliertes Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Hersteller : Chr.Lauer Nürnberg Berlin, Zustand 2.
480501
120,00

Verband Deutscher Artillerievereine 

Das emaillierte Mitgliedsabzeichen des Verbandes Deutscher Artillerievereine repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der deutschen Militärgeschichte und Veteranenkultur zwischen dem späten 19. Jahrhundert und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Diese Art von Abzeichen verkörpert die Tradition der Kameradschaft und die Pflege militärischer Erinnerungskultur in der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und dem frühen Dritten Reich.

Der Verband Deutscher Artillerievereine wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert gegründet, als sich ehemalige Angehörige der Artillerietruppen in verschiedenen deutschen Staaten zu Vereinen zusammenschlossen. Diese Vereinigungen dienten mehreren Zwecken: der Aufrechterhaltung kameradschaftlicher Bindungen, der Pflege militärischer Traditionen, der gegenseitigen Unterstützung und der Wahrung der Erinnerung an gemeinsam erlebte Kriegsereignisse. Nach der Reichsgründung 1871 und insbesondere nach den Erfahrungen des Deutsch-Französischen Krieges erlebten solche Veteranenvereinigungen einen erheblichen Aufschwung.

Die Artillerie nahm im deutschen Militärwesen eine besondere Stellung ein. Als technisch anspruchsvolle Waffengattung erforderte sie hochspezialisiertes Personal und genoss hohes Ansehen. Die Artilleristen entwickelten ein ausgeprägtes Korpsgeist und Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich in der Gründung zahlreicher Traditionsvereine niederschlug.

Das vorliegende Abzeichen wurde vom renommierten Hersteller Christian Lauer aus Nürnberg und Berlin produziert. Die Firma Lauer gehörte zu den führenden Herstellern militärischer Auszeichnungen und Vereinsabzeichen im deutschen Kaiserreich und darüber hinaus. Die Werkstatt war bekannt für ihre hochwertige Emaillearbeit und die präzise Ausführung militärischer Insignien. Nürnberg hatte eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und war ein Zentrum der Herstellung von militärischen Abzeichen und Orden.

Die Emailliertechnik, die bei diesem Abzeichen zur Anwendung kam, war ein aufwendiges Verfahren. Dabei wurde Emaillepulver auf einen Metallträger aufgebracht und bei hohen Temperaturen eingebrannt. Das Resultat war eine glänzende, farbechte und dauerhafte Oberfläche, die dem Abzeichen seinen charakteristischen Glanz verlieh. Diese Technik wurde besonders für hochwertige Mitgliedsabzeichen und Auszeichnungen verwendet.

Solche Mitgliedsabzeichen wurden von den Vereinsmitgliedern mit Stolz getragen, insbesondere bei offiziellen Anlässen, Kameradschaftstreffen, Veteranentagen und öffentlichen Feierlichkeiten. Sie dienten als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten militärischen Gemeinschaft und drückten die Verbundenheit mit der Waffengattung aus. Die Nadelkonstruktion ermöglichte das einfache Anbringen an Zivilkleidung oder Vereinsuniformen.

Der Verband Deutscher Artillerievereine organisierte regelmäßig Bundestreffen, bei denen Tausende von ehemaligen Artilleristen zusammenkamen. Diese Veranstaltungen waren von großer gesellschaftlicher Bedeutung und wurden oft von hohen militärischen und politischen Würdenträgern besucht. Die Vereine pflegten nicht nur die Erinnerung an vergangene Kriegserlebnisse, sondern engagierten sich auch in karitativen Bereichen, unterstützten bedürftige Kameraden und deren Hinterbliebene.

Nach dem Ersten Weltkrieg gewannen solche Veteranenvereinigungen noch größere Bedeutung. Die Millionen heimkehrenden Soldaten suchten Halt und Gemeinschaft in den Traditionsvereinen. Die Artillerie hatte im industrialisierten Kriegsführung des Ersten Weltkriegs eine zentrale, oft verheerende Rolle gespielt. Die überlebenden Artilleristen trugen schwere Erfahrungen mit sich, die sie in ihren Vereinen zu verarbeiten suchten.

Während der Weimarer Republik blieben diese Vereine aktiv, gerieten aber zunehmend in das Spannungsfeld politischer Auseinandersetzungen. Viele Veteranenvereine waren national-konservativ geprägt und standen der Republik kritisch gegenüber. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die traditionellen Militärvereine schrittweise gleichgeschaltet oder in NS-Organisationen überführt.

Aus heutiger sammlerischer und historischer Sicht sind solche Abzeichen wichtige Zeugnisse der deutschen Militär- und Sozialgeschichte. Sie dokumentieren die Vereinskultur, die handwerkliche Qualität der Abzeichenherstellung und die Bedeutung militärischer Traditionen in der deutschen Gesellschaft. Die Erhaltung in gutem Zustand (hier als “Zustand 2” angegeben, was einem sehr guten bis guten Zustand entspricht) macht solche Stücke zu wertvollen historischen Dokumenten, die Einblick in eine vergangene Epoche gewähren.