Verband Deutscher Artillerievereine 

emailliertes Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Hersteller : Chr.Lauer Nürnberg Berlin, Zustand 2.
480501
€ 65,00

Verband Deutscher Artillerievereine 

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Verband Deutscher Artillerievereine verkörpert ein bedeutendes Kapitel deutscher Veteranengeschichte in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Hergestellt von der renommierten Firma Chr. Lauer aus Nürnberg und Berlin, dokumentiert dieses emaillierte Abzeichen die komplexe Landschaft militärischer Traditionsverbände während der Weimarer Republik (1918–1933).

Der Verband Deutscher Artillerievereine gehörte zu den zahlreichen spezialisierten Veteranenorganisationen, sogenannten Kriegervereinen, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland formierten. Diese Vereinigungen dienten ehemaligen Artilleristen als soziale Netzwerke und Interessenvertretungen in einer politisch turbulenten Zeit. Das Abzeichen identifizierte seinen Träger als vollwertiges Mitglied der Kameradschaftlichen Vereinigung ehemaliger Artilleristen in Rheinland und Westfalen, einer regionalen Untergliederung des übergeordneten Verbandes. Diese spezifische regionale Variante ist in Sammlerkatalogen als Hüsken-Katalog Variante 9682d dokumentiert und repräsentiert die Rheinland-Westfalen-Zugehörigkeit.

Die Veteranenlandschaft der Weimarer Republik war vielgestaltig und politisch fragmentiert. Neben waffengattungsspezifischen Vereinigungen wie dem Artillerieverband existierten große Dachorganisationen wie der traditionsreiche Kyffhäuserbund (gegründet 1900, nach dem Krieg 1921 als Deutscher Reichskriegerbund “Kyffhäuser” reorganisiert), der rechtsgerichtete Stahlhelm (gegründet 1918) sowie das republikanisch orientierte Reichsbanner. Diese Organisationen spiegelten die tiefen politischen Gräben wider, die die deutsche Gesellschaft in den 1920er Jahren durchzogen. Der Verband Deutscher Artillerievereine fügte sich in diese Struktur ein und bot seinen Mitgliedern soziale Unterstützung, Wohlfahrtsleistungen, Gedenkveranstaltungen und die Pflege militärischer Traditionen.

Das Abzeichen wurde von Chr. Lauer produziert, einem etablierten deutschen Hersteller von Abzeichen, Medaillen und Insignien, der vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Zeit des Dritten Reiches aktiv war. Mit Produktionsstätten sowohl in Nürnberg als auch in Berlin fertigte die Firma zahlreiche militärische, sportliche und organisatorische Abzeichen während der Weimarer Republik und der NS-Zeit. Die emaillierte Konstruktion und die charakteristische Nadelbefestigung auf der Rückseite ermöglichten das Tragen an der Kleidung und machten die Verbandszugehörigkeit nach außen sichtbar.

Das Schicksal des Verbandes Deutscher Artillerievereine änderte sich dramatisch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933. Im Zuge der Gleichschaltung wurden alle unabhängigen Veteranenvereinigungen der Nazi-Kontrolle unterworfen. Der Artillerieverband wurde entweder aufgelöst oder in nationalsozialistische Veteranenstrukturen eingegliedert. Der Kyffhäuserbund selbst wurde 1938 zum NS-Reichskriegerbund umgewandelt und 1943 vollständig aufgelöst, was das Ende der traditionellen Veteranenbewegung markierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot das Gesetz Nummer Fünf der amerikanischen Militärregierung alle mit dem Nationalsozialismus verbundenen Organisationen. Die Tradition der Artillerieveteranenverbände lebte jedoch in veränderter Form weiter. Moderne deutsche Artillerieveteranen werden heute durch Organisationen wie den Freundeskreis der Artillerietruppe e.V. vertreten, der von der Bundeswehr anerkannt wurde und bis heute als ziviler Verein für ehemalige und aktive Angehörige der Artillerietruppe fortbesteht.

Dieses Abzeichen steht somit exemplarisch für eine untergegangene Welt deutscher Militärtradition und dokumentiert die organisatorische Vielfalt der Zwischenkriegszeit, bevor totalitäre Strukturen die gewachsene Vereinslandschaft zerstörten.