Wehrmacht Feldbluse M 44 für einen Obergrenadier 

Kammerstück, um 1944. Fertigung aus dem späten feldgrauem Tuch, Bevo-gewebter Brustadler M 44 maschinell vernäht, die Schulterklappen mit Schlaufen (Paspelierung stark abgenutzt) , Waffenfarbe weiss. Innen mit Kammerstempel "WB 44" sowie Stempel "Reichsfirmen.Nr.....", Armlänge 59 cm, Brustumfang 86 cm, Länge 56 cm, Zustand 2.
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2.400,00

Wehrmacht Feldbluse M 44 für einen Obergrenadier 

Die Wehrmacht Feldbluse M 44 für einen Obergrenadier repräsentiert eines der letzten Standardmodelle der deutschen Uniformen im Zweiten Weltkrieg. Diese spezielle Feldbluse wurde 1944 eingeführt und spiegelt die dramatischen Veränderungen wider, die der totale Krieg und die damit verbundenen Materialknappheiten auf die deutsche Militärproduktion ausübten.

Das Modell 44 entstand aus der Notwendigkeit, die Uniformproduktion zu vereinfachen und zu beschleunigen. Im Vergleich zu früheren Modellen wie der M36, M40 und M42/43 wurden zahlreiche Details vereinfacht oder ganz weggelassen. Die charakteristischen Merkmale der M 44 umfassten eine reduzierte Anzahl von Taschen, vereinfachte Verschlüsse und den Verzicht auf aufwendige Details. Der Schnitt wurde pragmatischer, und die Verarbeitung erfolgte unter zunehmendem Zeitdruck.

Das beschriebene Exemplar zeigt den typischen Bevo-gewebten Brustadler M 44, der maschinell vernäht wurde. Diese Produktionsmethode war deutlich schneller als die frühere handgenähte Befestigung von Insignien. Die Waffenfarbe Weiß auf den Schulterklappen kennzeichnet die Zugehörigkeit zur Infanterie, der zahlenmäßig größten Truppengattung der Wehrmacht. Die stark abgenutzte Paspelierung deutet auf tatsächlichen Feldeinsatz hin.

Der Kammerstempel “WB 44” bezeichnet die Abnahme durch eine Heeresbekleidungskammer im Jahr 1944. Diese Stempel waren Teil des militärischen Kontrollsystems und dokumentierten die ordnungsgemäße Übernahme durch die Wehrmacht. Der zusätzliche Stempel mit der Reichsfirmennummer identifizierte den Hersteller, wobei die Wehrmacht während des Krieges mit hunderten von Zulieferern zusammenarbeitete, von großen Textilunternehmen bis zu kleineren Betrieben.

Das Jahr 1944 markierte eine kritische Phase des Krieges für Deutschland. Die Wehrmacht befand sich auf allen Fronten in der Defensive: Im Osten nach der verheerenden Niederlage bei Kursk und dem kontinuierlichen sowjetischen Vormarsch, im Westen nach der alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944, und im Süden nach dem Verlust Italiens. Die Materialknappheit war allgegenwärtig, und die deutsche Rüstungsindustrie musste mit immer begrenzteren Ressourcen arbeiten.

Die Vereinfachungen der M 44 waren Teil der “Rationalisierung” der deutschen Kriegsproduktion. Das Tuch war oft von geringerer Qualität als in den frühen Kriegsjahren, die Farbe weniger einheitlich, und die Verarbeitung schneller, aber weniger sorgfältig. Dennoch mussten diese Uniformen funktional bleiben und den Soldaten unter verschiedensten klimatischen Bedingungen schützen.

Der Rang eines Obergrenadiers entspricht dem ersten Beförderungsschritt vom einfachen Grenadier (oder Schützen) und wurde 1942 eingeführt, als die traditionelle Bezeichnung “Gefreiter” durch “Obergrenadier” in der Infanterie ersetzt wurde. Diese Rangbezeichnung sollte die historischen Traditionen der preußischen Grenadiere ehren und die Kampfmoral stärken.

Die angegebenen Maße (Armlänge 59 cm, Brustumfang 86 cm, Länge 56 cm) entsprechen einer Standardgröße für einen durchschnittlich gebauten Soldaten. Die Wehrmacht verwendete ein komplexes System von Größenbezeichnungen, um verschiedene Körpertypen zu berücksichtigen, obwohl gegen Kriegsende die Passform oft zweitrangig wurde.

Als Sammlerobjekt bietet diese Feldbluse einen authentischen Einblick in die materielle Kultur der späten Wehrmacht. Der Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit sichtbaren Gebrauchsspuren hin, was die historische Authentizität unterstreicht. Solche Uniformen sind wichtige historische Dokumente, die nicht nur militärische Mode, sondern auch die wirtschaftlichen und industriellen Realitäten des totalen Krieges dokumentieren.

Die Feldbluse M 44 steht symbolisch für die letzten Kriegsmonate, in denen die Wehrmacht verzweifelt versuchte, ihre schwindenden Kräfte zu erhalten, während das “Dritte Reich” seinem unvermeidlichen Ende entgegentaumelte.