Argentinien Bajonett M1891 .

Ausführung mit Messing-Griffschalen, saubere Klinge mit Herstellerzeichen von "Weyersberg Kirschbaum & Co. Solingen", das Staatswappen noch schwach zu erkennen, die Scheide noch mit viel Brünierung, nummerngleich "R 5905" gestempelt, im Bereich des Scheidenmundes gedrückt, getragen, noch gut erhalten. Zustand 2-
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220,00

Argentinien Bajonett M1891 .

Das argentinische Bajonett M1891 repräsentiert eine bedeutende Epoche in der Militärgeschichte Argentiniens und steht exemplarisch für die umfangreiche Modernisierung der argentinischen Streitkräfte im ausgehenden 19. Jahrhundert. Dieses Bajonett wurde speziell für das Mauser-Gewehr Modelo Argentino 1891 entwickelt, das von der argentinischen Armee als Standardwaffe eingeführt wurde.

Die Entstehung dieses Bajonetts ist eng mit der militärischen Reformpolitik Argentiniens verbunden. In den 1890er Jahren strebte das Land danach, seine Streitkräfte nach europäischem Vorbild zu modernisieren. Die argentinische Regierung schloss einen Vertrag mit der renommierten deutschen Firma Ludwig Loewe & Company in Berlin, die wiederum mit Mauser zusammenarbeitete. Das Gewehr Modelo 1891 basierte auf dem belgischen Mauser-Design von 1889 und wurde in einer 7,65×53mm-Kalibrierung gefertigt.

Die beschriebene Ausführung mit Messinggriffsschalen ist charakteristisch für die frühen Produktionsvarianten des M1891-Bajonetts. Die Verwendung von Messing war nicht nur aus ästhetischen Gründen gewählt, sondern bot auch praktische Vorteile: Das Material war korrosionsbeständig und ließ sich gut bearbeiten. Die Griffschalen wurden typischerweise mit Nieten am Dornrücken befestigt.

Das Herstellerzeichen “Weyersberg Kirschbaum & Co. Solingen” verweist auf einen der bedeutendsten deutschen Blankwaffenhersteller der damaligen Zeit. Die Firma, die aus der Fusion von Peter Daniel Weyersberg und E. & F. Kirschbaum im Jahr 1883 entstand, belieferte zahlreiche Armeen weltweit. Solingen, die “Klingenstadt”, war seit Jahrhunderten das Zentrum der deutschen Schneidwarenproduktion und genoss international einen exzellenten Ruf für die Qualität ihrer Erzeugnisse.

Die Klinge des M1891 weist typischerweise eine Länge von etwa 360-370 mm auf und verfügt über eine charakteristische T-förmige Querschnittsform mit Hohlkehle. Diese Konstruktion verband Stabilität mit reduziertem Gewicht. Das auf der Klinge schwach erkennbare argentinische Staatswappen war ein übliches Merkmal staatlich beschaffter Waffen und diente als Eigentumszeichen der argentinischen Armee.

Die Scheide, die noch “mit viel Brünierung” erhalten ist, wurde aus Stahlblech gefertigt und durch ein chemisches Verfahren geschwärzt, um Korrosion zu verhindern. Die Brünierung war eine gängige Oberflächenbehandlung für Militärausrüstung dieser Epoche. Die erhaltene Brünierung deutet auf eine sorgfältige Pflege oder günstige Lagerungsbedingungen hin.

Die übereinstimmende Nummerierung “R 5905” auf Bajonett und Scheide ist ein wichtiger Aspekt der militärischen Waffenverwaltung. Diese Praxis gewährleistete, dass zusammengehörende Teile identifizierbar blieben und ermöglichte eine präzise Inventarverwaltung. Der Buchstabe “R” könnte auf ein bestimmtes Regiment oder eine Produktionsserie hinweisen.

Das Modelo 1891-Bajonett wurde während mehrerer militärischer Konflikte eingesetzt. Argentinien erlebte in dieser Periode verschiedene Grenzstreitigkeiten und interne Unruhen. Die Modernisierung der Armee war auch durch die angespannte Beziehung zu Chile motiviert, die zeitweise beinahe zu einem offenen Krieg führte. Das Wettrüsten zwischen beiden Ländern in den 1890er Jahren führte zu massiven Waffenkäufen auf beiden Seiten.

Die Produktion und Beschaffung des M1891-Bajonetts erfolgte in mehreren Phasen. Während einige Exemplare direkt in Deutschland gefertigt wurden, kam es später auch zu Lizenzproduktionen und Nachbauten. Die beschriebene Ausführung mit deutscher Herstellung und Messinggriffen gehört zu den frühen und qualitativ hochwertigeren Varianten.

Im breiteren Kontext der Militärgeschichte illustriert das M1891-Bajonett die globale Vernetzung der Rüstungsindustrie im späten 19. Jahrhundert. Südamerikanische Staaten bezogen ihre Waffen häufig aus Europa, wobei deutsche und belgische Hersteller besonders erfolgreich waren. Diese Handelsbeziehungen hatten auch politische Dimensionen und spiegelten die wirtschaftlichen Interessen der europäischen Mächte in Lateinamerika wider.

Das beschriebene Exemplar zeigt typische Gebrauchsspuren: Die Deformation im Bereich des Scheidenmundes deutet auf mechanische Beanspruchung hin, möglicherweise durch häufiges An- und Ablegen oder durch unsachgemäße Lagerung. Solche Details erzählen von der praktischen Verwendung dieser Objekte über Jahrzehnte militärischen Dienstes.

Heute sind argentinische M1891-Bajonette gesuchte Sammlerobjekte, die die militärhistorische Entwicklung Südamerikas dokumentieren. Sie verbinden deutsche Handwerkskunst mit argentinischer Militärgeschichte und sind Zeugnisse einer Epoche intensiver militärischer Modernisierung und internationaler Rüstungsgeschäfte.