Elastolin - Heer Soldat sitzend am Tisch mit Schreibmaschine
Historischer Kontext: Elastolin-Figur eines sitzenden Heeres-Soldaten mit Schreibmaschine
Die vorliegende Elastolin-Figur stellt einen sitzenden Soldaten der Wehrmacht an einem Holztisch mit Schreibmaschine dar und gehört zu einer bedeutenden Kategorie militärischer Spielzeugfiguren, die während der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland produziert wurden. Die Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg bei Stuttgart war der führende Hersteller dieser charakteristischen Massefiguren und prägte mit ihrer Marke “Elastolin” eine ganze Epoche des Spielzeugbaus.
Die Firma Hausser entwickelte um 1900 ein innovatives Material namens Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Leim, Glyzerin und anderen Zusätzen, die über Drahtgerüste modelliert wurde. Dieses Material ermöglichte eine detaillierte Darstellung militärischer Figuren bei gleichzeitiger Stabilität und Bruchfestigkeit. Die Figuren wurden in der Standardgröße von etwa 7 cm (entsprechend dem Maßstab 1:24) gefertigt, was sie zu beliebten Sammel- und Spielobjekten machte.
Die Darstellung eines Soldaten mit Schreibmaschine reflektiert einen wichtigen Aspekt der militärischen Organisation: die administrative Tätigkeit innerhalb der Wehrmacht. Während die populäre Vorstellung oft kampferprobte Infanteristen oder Panzerbesatzungen in den Vordergrund stellt, war die militärische Verwaltung ein essentieller Bestandteil der Kriegsführung. Schreibstuben existierten auf allen Ebenen der militärischen Hierarchie, von der Kompanie bis zum Oberkommando.
In der Wehrmacht waren Schreiber und Verwaltungspersonal für zahlreiche Aufgaben zuständig: die Führung von Personalakten, die Verfassung von Tagesbefehlen, die Dokumentation von Truppenbewegungen, die Korrespondenz mit vorgesetzten Stellen sowie die Verwaltung von Versorgungsgütern. Die Schreibmaschine war dabei das zentrale Arbeitsinstrument. Standardmodelle wie die Torpedo, Erika oder Olympia waren in deutschen Schreibstuben weit verbreitet.
Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren durch Elastolin erreichte ihren Höhepunkt in den 1930er Jahren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Sortiment zunehmend auf zeitgenössische Wehrmacht-Darstellungen ausgerichtet. Die Figuren dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Mittel zur Militarisierung der Jugend und zur Glorifizierung des Soldatentums. Kataloge zeigten umfangreiche Serien verschiedener Waffengattungen, Dienstgrade und militärischer Szenen.
Die hier beschriebene Figur mit der Kennzeichnung “Zustand 2” weist darauf hin, dass sie sich in gutem bis sehr gutem Erhaltungszustand befindet, mit nur geringen Gebrauchsspuren. Die Tatsache, dass die Figur vom Holzsockel gelöst ist, ist ein häufiges Phänomen bei Elastolin-Figuren, da die Klebeverbindung im Laufe der Jahrzehnte nachlassen konnte. Der Holztisch mit Metallschreibmaschine als Zubehör zeigt die Detailgenauigkeit, mit der Hausser seine Produkte ausstattete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Firma Hausser zunächst unter französischer Militärverwaltung. Die Produktion militärischer Figuren war zunächst verboten, wurde aber ab den 1950er Jahren wieder aufgenommen, nun mit Darstellungen verschiedener Armeen und historischer Epochen. Die Wehrmacht-Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit sind heute begehrte Sammlerobjekte.
Aus heutiger Sicht sind diese Figuren wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und Propaganda der NS-Zeit geben. Sie zeigen, wie militärische Themen in den zivilen Alltag, insbesondere in Kinderzimmer, Einzug hielten. Sammler und Historiker schätzen diese Objekte als Zeugnisse der Spielzeugproduktion und als Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse ihrer Entstehungszeit.
Die Darstellung administrativer Tätigkeiten wie der Arbeit an der Schreibmaschine ist innerhalb der Elastolin-Produktion vergleichsweise selten, da die meisten Figuren Kampfszenen oder Paraden zeigten. Dies macht solche Figuren besonders interessant für Sammler, die ein umfassendes Bild militärischer Organisation darstellen möchten. Sie ergänzen die kämpfenden Einheiten und zeigen die oft übersehene, aber unverzichtbare logistische und administrative Infrastruktur einer Armee.