Kriegsmarine - Ehrenplakette des Tigerverbandes

Schildförmige Plakette aus Aluminiumgruß, Höhe 60 mm. Darstellung Tigerkopf vor gekreuzten Schwertern, seitlich mit 3 Befestigungslöchern. Zustand 2.
Die Auszeichnung wurde gestiftet vom Führer des Küstensicherungsverbandes der norwegischen Westküste, Kapitänleutnant Hans Bartels.

Ritterkreuzträger Kapitänleutnant Hans Bartels - Kommandant des Minensuchbootes "M1". Bartels erschuf das Wappen für seinen Verband. Es wurde später von dem von Bartels geführten Küstensicherungsverband Norwegen übernommen. Bartels erhielt schon am 16.05.1940 für seine hervorragenden Verdienste während des Polenfeldzuges und die Einsätze in der vereisten Nordsee bzw. der deutschen Bucht das Ritterkreuz des Eisernen Kreuz.
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Kriegsmarine - Ehrenplakette des Tigerverbandes

Die Ehrenplakette des Tigerverbandes der Kriegsmarine stellt ein faszinierendes Beispiel für die inoffiziellen Auszeichnungen und Verbandsabzeichen dar, die während des Zweiten Weltkriegs innerhalb der deutschen Marine geschaffen wurden. Diese schildförmige Plakette aus Aluminiumguss, die einen Tigerkopf vor gekreuzten Schwertern zeigt, wurde vom Kapitänleutnant Hans Bartels gestiftet, einem hochdekorierten Offizier und Ritterkreuzträger, der während des Krieges verschiedene Kommandos innehatte.

Hans Bartels war ein außergewöhnlicher Marineoffizier, der bereits am 16. Mai 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erhielt – eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Reiches. Diese frühe Ehrung würdigte seine hervorragenden Leistungen während des Polenfeldzuges 1939 sowie seine anspruchsvollen Einsätze in der vereisten Nordsee und der Deutschen Bucht. Als Kommandant des Minensuchbootes M1 bewies Bartels außergewöhnliche Führungsqualitäten unter extremen Bedingungen.

Die Minensuche stellte eine der gefährlichsten und zugleich unentbehrlichsten Aufgaben der Kriegsmarine dar. Minensuchboote operierten in stark vermintes Gewässern und waren ständig der Gefahr ausgesetzt, selbst Opfer der Waffen zu werden, die sie zu beseitigen suchten. Die winterlichen Bedingungen in der Nordsee mit Vereisung und schwerer See verschärften diese Risiken erheblich. Bartels' Auszeichnung mit dem Ritterkreuz zu einem so frühen Zeitpunkt im Krieg unterstreicht die Bedeutung seiner Leistungen.

Das Wappen des Tigerverbandes, das Bartels für seinen Verband erschuf, zeigt einen stilisierten Tigerkopf vor gekreuzten Schwertern – Symbole für Kraft, Entschlossenheit und militärische Tugenden. Der Tiger als Wappentier war in der deutschen Militärtradition weniger verbreitet als beispielsweise der Adler oder der Löwe, was diese Wahl besonders markant macht. Die gekreuzten Schwerter sind ein klassisches heraldisches Element, das Kampfbereitschaft und militärische Ehre symbolisiert.

Später übernahm Bartels die Führung des Küstensicherungsverbandes der norwegischen Westküste. Nach der deutschen Besetzung Norwegens im April 1940 (Unternehmen Weserübung) war die Sicherung der ausgedehnten norwegischen Küste eine strategisch wichtige Aufgabe. Die norwegische Westküste mit ihren zahllosen Fjorden, Inseln und Schären bot ideale Bedingungen für feindliche U-Boot-Operationen, Kommandounternehmen und später auch für die Versorgung des norwegischen Widerstands. Der Küstensicherungsverband hatte die Aufgabe, diese Gewässer zu überwachen, Minensperren zu unterhalten und alliierte Infiltrationsversuche zu verhindern.

Als Bartels dieses Kommando übernahm, führte er auch das von ihm geschaffene Tigerverband-Wappen für diese Einheit ein. Dies war durchaus üblich in der Kriegsmarine, wo Kommandanten oft persönliche Wappen oder Embleme für ihre Einheiten schufen, die dann auf Schiffen, in Einrichtungen und auf inoffiziellen Auszeichnungen verwendet wurden.

Die vorliegende Ehrenplakette mit ihren drei Befestigungslöchern war vermutlich zur dauerhaften Montage gedacht – möglicherweise an Gebäuden, in Offizierskasinos oder als Teil von Ehrentafeln. Mit einer Höhe von 60 mm ist sie kompakt, aber ausreichend groß, um als Auszeichnung oder Erinnerungsstück Wirkung zu entfalten. Die Verwendung von Aluminiumguss war typisch für die Kriegszeit, da Aluminium leichter verfügbar war als Bronze oder andere traditionelle Materialien für militärische Abzeichen.

Solche Verbandsabzeichen und Ehrenplaketten waren im Zweiten Weltkrieg weit verbreitet, insbesondere in der Kriegsmarine. Sie dienten mehreren Zwecken: Sie stärkten den Korpsgeist und die Identifikation mit der eigenen Einheit, ehrten besondere Leistungen und schufen eine Tradition, die über den einzelnen Soldaten hinausging. Anders als offizielle staatliche Auszeichnungen wurden diese Verbandsabzeichen oft von den Kommandeuren selbst gestiftet und nach eigenen Kriterien vergeben.

Die Praxis, solche inoffiziellen Auszeichnungen zu schaffen, hatte in der deutschen Marine eine lange Tradition, die bis zum Ersten Weltkrieg zurückreichte. Kommandanten von U-Booten und Überwasserschiffen entwickelten oft eigene Wappen und Embleme, die auf den Kommandotürmen ihrer Boote oder an Bord ihrer Schiffe angebracht wurden. Diese Tradition wurde in der Kriegsmarine fortgesetzt und erweitert.

Die historische Bedeutung solcher Objekte liegt heute weniger in ihrem militärischen als in ihrem kulturhistorischen Wert. Sie dokumentieren die Organisationsstrukturen, die Führungspraktiken und die Mentalität innerhalb der militärischen Einheiten jener Zeit. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die oft wenig dokumentierten Aspekte des militärischen Alltags, insbesondere bei kleineren Einheiten und Spezialverbänden wie den Küstensicherungskräften in Norwegen.