NSRL / NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " I. Motorbootrennen am Neusiedlersee 19.6.1938 "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette dokumentiert ein bedeutendes sportpolitisches Ereignis aus der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich: das I. Motorbootrennen am Neusiedlersee am 19. Juni 1938. Dieses Rennen fand nur wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 statt und symbolisiert die rasche Integration österreichischer Institutionen in die nationalsozialistischen Organisationsstrukturen.
Das Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps (NSKK) war eine paramilitärische Organisation der NSDAP, die 1931 gegründet wurde und sich der Förderung des Kraftfahrwesens widmete. Nach der Machtübernahme 1933 übernahm das NSKK wichtige Funktionen in der Verkehrserziehung, der Ausbildung von Kraftfahrern und der Organisation von Motorsportveranstaltungen. Das Nationalsozialistisches Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) war die Dachorganisation für sämtliche Sportverbände im Deutschen Reich ab 1938 und ersetzte die zuvor bestehenden autonomen Sportorganisationen.
Die Plakette selbst besteht aus vergoldetem Buntmetall und ist teilweise emailliert, was typisch für offizielle Auszeichnungen und Erinnerungsstücke dieser Zeit war. Mit ihren Abmessungen von 55 x 80 mm und den zwei Bohrungen zur Befestigung handelt es sich um eine nichttragbare Plakette, die vermutlich auf einem Holzsockel oder einer Unterlage montiert werden sollte. Solche Objekte wurden häufig als Erinnerungsstücke an Teilnehmer, Organisatoren oder Ehrengäste von Sportveranstaltungen ausgegeben.
Der Neusiedlersee im Burgenland bot sich aufgrund seiner Größe und geografischen Lage ideal für Wassersportveranstaltungen an. Die Organisation eines Motorbootrennens im Juni 1938 muss im Kontext der nationalsozialistischen Sportpolitik verstanden werden. Sport diente im NS-Staat nicht nur der körperlichen Ertüchtigung, sondern auch der ideologischen Erziehung und der Demonstration technischer Leistungsfähigkeit. Motorsportveranstaltungen hatten dabei eine besondere Bedeutung, da sie die Verbindung von körperlicher Leistung mit technischem Fortschritt symbolisierten.
Die Durchführung einer solchen Veranstaltung nur drei Monate nach dem Anschluss zeigt die Geschwindigkeit, mit der die nationalsozialistischen Organisationen ihre Aktivitäten auf das neu gewonnene Territorium ausdehnten. Das NSKK spielte dabei eine zentrale Rolle bei der Gleichschaltung der österreichischen Motorsportverbände und der Organisation von Propagandaveranstaltungen, die die “Wiedervereinigung” von Deutschland und Österreich feiern sollten.
Nichttragbare Plaketten wie diese waren im Dritten Reich weit verbreitet und wurden für eine Vielzahl von Anlässen hergestellt. Sie unterschieden sich von tragbaren Abzeichen dadurch, dass sie größer und aufwendiger gestaltet waren und als dauerhafte Erinnerungsstücke konzipiert wurden. Die Herstellung solcher Objekte erfolgte oft durch spezialisierte Manufakturen, die sich auf die Produktion von Orden, Ehrenzeichen und Erinnerungsstücken spezialisiert hatten.
Die Emaillierung und Vergoldung der Plakette weisen auf eine qualitativ hochwertige Herstellung hin, was darauf schließen lässt, dass es sich um ein offizielles Erinnerungsstück handelte, das möglicherweise in begrenzter Auflage produziert wurde. Der Erhaltungszustand wird mit “Zustand 2” angegeben, was nach gängigen Sammlerkategorien einem sehr guten bis guten Zustand entspricht.
Solche Objekte sind heute wichtige historische Zeugnisse für die Durchdringung aller Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationen. Sie dokumentieren, wie Sport und Freizeitgestaltung instrumentalisiert wurden, um die Ideologie des Regimes zu verbreiten und die Bevölkerung zu mobilisieren. Gleichzeitig zeigen sie die materielle Kultur des Nationalsozialismus und die Bedeutung, die symbolischen Objekten in der Selbstdarstellung des Regimes beigemessen wurde.