Reichsarbeitsdienst ( RAD ) Konvolut Namensetikett für die Uniform "Edgar Thoreh 1/220 Trupp 12" Kassel-Wilhelmshöhe

gedrucktes Etikett. Zustand 2.
471502
40,00

Reichsarbeitsdienst ( RAD ) Konvolut Namensetikett für die Uniform "Edgar Thoreh 1/220 Trupp 12" Kassel-Wilhelmshöhe

Das vorliegende Namensetikett des Reichsarbeitsdienstes (RAD) aus Kassel-Wilhelmshöhe stellt ein authentisches Zeugnis der nationalsozialistischen Arbeitspolitik zwischen 1933 und 1945 dar. Solche Etiketten wurden in die Uniformen der RAD-Angehörigen eingenäht und dienten der eindeutigen Identifizierung des Trägers sowie seiner organisatorischen Zuordnung.

Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 durch das Reichsarbeitsdienstgesetz als staatliche Organisation etabliert, obwohl seine Vorläufer bis in die Weimarer Republik zurückreichen. Zunächst als Freiwilliger Arbeitsdienst (FAD) konzipiert, wurde der RAD ab 1935 zur Pflichtorganisation für alle jungen Deutschen. Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren mussten zunächst sechs Monate, später während des Krieges variable Zeiträume im RAD dienen, bevor sie zum Wehrdienst eingezogen werden konnten.

Die organisatorische Struktur des RAD war streng hierarchisch gegliedert. Die kleinste Einheit bildete der Trupp, der etwa 40 bis 50 Mann umfasste und von einem Truppführer geleitet wurde. Mehrere Trupps bildeten eine Gruppe, mehrere Gruppen eine Abteilung. Die Nummerierung "1/220" auf dem Etikett verweist auf die spezifische organisatorische Einordnung innerhalb dieser Hierarchie, wobei die erste Zahl typischerweise die Gruppe und die zweite die Abteilung bezeichnete.

Der Standort Kassel-Wilhelmshöhe war während der NS-Zeit ein bedeutender RAD-Standort. Wilhelmshöhe, der westliche Stadtteil Kassels, beherbergte verschiedene militärische und paramilitärische Einrichtungen. Die Arbeitsdienstabteilungen in dieser Region waren hauptsächlich mit Infrastrukturprojekten, landwirtschaftlichen Meliorationsarbeiten und während des Krieges zunehmend mit kriegswichtigen Bauvorhaben beschäftigt.

Die RAD-Uniform war ein wesentliches Element der Organisation und sollte Gleichheit, Disziplin und Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Volksgemeinschaft symbolisieren. Die typische Uniform bestand aus einem braunen Arbeitsanzug, ergänzt durch verschiedene Abzeichen und Kennzeichnungen. In jedes Uniformstück wurden Namensetiketten eingenäht, die den vollständigen Namen des Trägers sowie seine Einheitszugehörigkeit enthielten. Diese Etiketten waren meist gedruckt oder gestempelt und befanden sich üblicherweise an der Innenseite der Jacke oder Hose.

Die Praxis der Namenskennzeichnung diente mehreren Zwecken: Sie ermöglichte die eindeutige Zuordnung von Ausrüstungsgegenständen, erleichterte die Verwaltung und Kontrolle innerhalb der Organisation und sollte im Falle von Unfällen oder im Kriegseinsatz die Identifizierung ermöglichen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden RAD-Einheiten zunehmend in kriegsnahe Tätigkeiten eingebunden, von Befestigungsarbeiten an der Westfront bis zum Einsatz in besetzten Gebieten.

Die ideologische Ausrichtung des RAD war eindeutig nationalsozialistisch geprägt. Die Organisation sollte nicht nur Arbeitskraft bereitstellen, sondern vor allem der weltanschaulichen Erziehung dienen. Der Dienst im RAD galt als "Ehrendienst am deutschen Volke" und war Teil der umfassenden Indoktrinierung der deutschen Jugend. Die militärähnliche Struktur, der Kasernenalltag und die strenge Disziplin bereiteten die jungen Männer gezielt auf den späteren Wehrdienst vor.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Reichsarbeitsdienst durch die alliierten Besatzungsmächte aufgelöst und im Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 als nationalsozialistische Organisation verboten. Heute stellen Objekte wie dieses Namensetikett wichtige historische Quellen dar, die Einblick in die Organisation, Verwaltung und den Alltag dieser prägenden Institution des NS-Staates geben.

Für die militärhistorische Forschung sind solche persönlichen Gegenstände von besonderem Wert, da sie die abstrakte Geschichte konkret und fassbar machen. Sie dokumentieren nicht nur die bürokratische Organisation des RAD, sondern erinnern auch an die individuellen Schicksale der Menschen, die in dieser Organisation dienen mussten. Das Etikett aus Kassel-Wilhelmshöhe ist somit ein kleines, aber bedeutsames Fragment der deutschen Geschichte zwischen 1933 und 1945.