Reichskriegerbund - 50 jähr. Bestehen der Kriegerkameradschaft Asemissen Lippe 18.,19.u.20. Juni 1938
Reichskriegerbund-Abzeichen zum 50-jährigen Jubiläum der Kriegerkameradschaft Asemissen, Lippe (1938)
Das vorliegende Blechabzeichen dokumentiert ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der deutschen Veteranenvereinigungen der Zwischenkriegszeit: das 50-jährige Bestehen der Kriegerkameradschaft Asemissen in Lippe, gefeiert vom 18. bis 20. Juni 1938. Dieses Abzeichen steht exemplarisch für die komplexe Rolle lokaler Veteranenorganisationen im Übergang von der wilhelminischen Ära über die Weimarer Republik bis zur NS-Zeit.
Die Kriegerkameradschaften entstanden im Deutschen Reich bereits im 19. Jahrhundert als Zusammenschlüsse ehemaliger Soldaten. Nach der Reichsgründung 1871 und den Erfahrungen der Einigungskriege erlebten diese Vereine einen massiven Aufschwung. Die Gründung der Kameradschaft Asemissen um 1888 fällt in diese Phase verstärkter Veteranenorganisation. Asemissen, eine Gemeinde im Fürstentum Lippe, war Teil jener ländlichen Strukturen, in denen solche Vereinigungen eine zentrale soziale und gesellschaftliche Rolle spielten.
Der Reichskriegerbund, dessen Name auf dem Abzeichen erscheint, entstand 1938 aus der Gleichschaltung verschiedener Veteranenverbände. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurden die traditionellen Kriegervereine systematisch in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert. Der Kyffhäuserbund, die größte Veteranenorganisation der Weimarer Republik mit über vier Millionen Mitgliedern, wurde aufgelöst und seine lokalen Einheiten dem neuen Reichskriegerbund unterstellt. Diese Umstrukturierung bedeutete das Ende der relativen Autonomie der Kriegervereine und ihre vollständige Ausrichtung auf die nationalsozialistische Ideologie.
Das Jubiläum im Juni 1938 fand in einem historisch bedeutsamen Kontext statt. Wenige Monate zuvor, im März 1938, hatte das Deutsche Reich Österreich annektiert (der sogenannte “Anschluss”). Die systematische Aufrüstung der Wehrmacht war in vollem Gange, und die nationalsozialistische Führung bereitete die Bevölkerung mental auf den kommenden Krieg vor. Veteranenorganisationen spielten dabei eine wichtige propagandistische Rolle: Sie sollten die Kontinuität zwischen den “Helden” von 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg sowie den Zielen des NS-Regimes herstellen.
Solche Jubiläumsabzeichen wurden zu festlichen Anlässen in großer Zahl produziert. Sie bestanden typischerweise aus gestanztem und geprägtem Blech, oft emailliert oder bemalt, und wurden mit einer einfachen Nadelkonstruktion an der Kleidung befestigt. Die Herstellung erfolgte durch spezialisierte Firmen, die sich auf die Produktion von Vereins- und Veranstaltungsabzeichen konzentrierten. Die Gestaltung folgte häufig einem standardisierten Muster: Vereinsnamen, Ortsangaben, Datum und oft symbolische Elemente wie Eichenlaub, Schwerter oder das Eiserne Kreuz.
Die dreitägige Feier vom 18. bis 20. Juni 1938 entsprach dem üblichen Rahmen solcher Jubiläen. Typischerweise umfassten diese Veranstaltungen einen Festkommers, einen Festumzug durch den Ort, Konzerte der lokalen Musikkapelle, Kranzniederlegungen am Kriegerdenkmal und gesellige Zusammenkünfte. In der NS-Zeit wurden diese traditionellen Elemente mit Aufmärschen, Fahnenappellen und politischen Reden angereichert.
Das Fürstentum Lippe, obwohl klein, hatte eine ausgeprägte militärische Tradition. Lippische Soldaten hatten in den preußischen Armeen gedient und an allen großen Konflikten des Deutschen Reiches teilgenommen. Die lokalen Kriegervereine pflegten das Andenken an diese Traditionen und an die gefallenen Kameraden. Die Zustandsbeschreibung “2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das nur leichte Gebrauchsspuren aufweist.
Aus heutiger Sicht sind solche Abzeichen wichtige historische Dokumente. Sie illustrieren die Vereinskultur im ländlichen Deutschland, die Instrumentalisierung von Veteranenverbänden durch das NS-Regime und die lokale Erinnerungskultur an militärische Traditionen. Die Tatsache, dass eine kleine Gemeinde wie Asemissen eine Kriegerkameradschaft unterhielt, die 50 Jahre Bestand hatte, zeigt die tiefe Verwurzelung des Militarismus in der deutschen Gesellschaft jener Epoche.
Gleichzeitig muss man differenzieren: Nicht alle Mitglieder solcher Vereine waren überzeugte Nationalsozialisten. Viele ältere Veteranen traten diesen Organisationen aus traditionellen Gründen, aus Kameradschaft oder sozialem Druck bei. Die Gleichschaltung ließ ihnen kaum Alternativen. Dennoch dienten diese Organisationen objektiv der Legitimierung und Vorbereitung des kommenden Krieges.
Für Sammler und Historiker bieten solche Abzeichen Einblicke in die Lokalgeschichte. Sie ermöglichen es, die Geschichte einzelner Gemeinden und ihrer Bewohner nachzuvollziehen. Jedes dieser scheinbar unbedeutenden Blechabzeichen erzählt von Menschen, die Kriege erlebt hatten, von lokalen Gemeinschaften und von einer Zeit, die nur ein Jahr später in die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges führen sollte.