Bayern Feldbinde für Offiziere 

Schloss Messing vergoldet mit aufgelegter Krone, an Silbergespinstbinde mit 2 unterbrochenen blauen Durchzügen, blau unterfüttert, ca. 110 cm lang. Ohne Schieber und Lederzunge mit Gegenhaken !
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300,00

Bayern Feldbinde für Offiziere 

Die bayerische Feldbinde für Offiziere stellt ein bedeutendes Beispiel der militärischen Distinktionsabzeichen des Königreichs Bayern dar, das von 1806 bis 1918 als eigenständiger Staat innerhalb des Deutschen Bundes und später des Deutschen Kaiserreichs existierte. Diese Uniformkomponente verkörpert nicht nur die handwerkliche Kunstfertigkeit ihrer Zeit, sondern auch die strenge Hierarchie und den ausgeprägten Traditionsbewusstsein der bayerischen Armee.

Die Feldbinde, auch als Offiziersbinde oder Leibbinde bezeichnet, gehörte zur Adjustierung bayerischer Offiziere und diente sowohl als Rangabzeichen als auch als funktionales Element der Uniform. Ihre Ursprünge lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen, als solche Binden zunächst praktische Zwecke erfüllten - sie dienten zum Tragen von Waffen und als Stütze für den Körper im Gefecht.

Das beschriebene Exemplar zeigt die charakteristischen Merkmale bayerischer Offiziersfeldbinden: Die Silbergespinstbinde mit zwei unterbrochenen blauen Durchzügen entspricht den bayerischen Landesfarben Weiß und Blau. Die blaue Unterfütterung verstärkte nicht nur die Haltbarkeit, sondern betonte auch die heraldischen Farben des Wittelsbacher Königshauses. Mit einer Länge von etwa 110 Zentimetern wurde die Binde diagonal über die Brust getragen, vom rechten Schulterbereich zur linken Hüfte verlaufend.

Das Messingschloss mit aufgelegter Krone bildet das zentrale dekorative Element. Die Vergoldung des Schlosses weist auf den gehobenen Status des Trägers hin. Die Krone symbolisiert dabei die königlich-bayerische Autorität und verweist auf die Bindung des Offiziers an das Herrscherhaus der Wittelsbacher. Solche Kronen-Embleme waren typisch für die Adjustierungen königlicher Armeen und unterschieden sie von republikanischen oder herzoglichen Streitkräften.

Die bayerische Armee verfügte über eine jahrhundertelange Tradition und spielte eine bedeutende Rolle in der mitteleuropäischen Militärgeschichte. In den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre und napoleonische Frankreich, während des Deutschen Krieges von 1866 gegen Preußen und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 trugen bayerische Offiziere solche Feldbinden als Teil ihrer Galauniform und der Ausgehuniform.

Die Herstellung dieser Feldbinden erfolgte durch spezialisierte Posamentiererwerkstätten, die sich auf militärische Ausrüstung konzentrierten. Das Silbergespinst wurde in aufwendiger Handarbeit gefertigt, wobei Metallfäden um Seidenkerne gewoben wurden. Diese Technik war kostspielig und zeitintensiv, was den exklusiven Charakter dieser Uniformteile unterstreicht. Die blauen Durchzüge wurden sorgfältig in das Gewebe eingearbeitet und mussten den strengen Uniformvorschriften entsprechen.

Nach den Uniformreglementen des Königreichs Bayern war die genaue Ausführung der Feldbinden streng vorgeschrieben. Die Adjustierungsvorschriften regelten Details wie die Breite der Binde, die Farbe und Anzahl der Durchzüge sowie die Gestaltung der Verschlüsse. Diese Vorschriften wurden regelmäßig aktualisiert und an zeitgenössische Erfordernisse angepasst.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abdankung König Ludwigs III. im November 1918 fand auch die Tradition der königlich-bayerischen Armee ihr Ende. Die bayerischen Truppen wurden in die Reichswehr der Weimarer Republik überführt, und die spezifisch bayerischen Uniformelemente verloren ihre offizielle Bedeutung. Viele Offiziere behielten ihre Feldbinden jedoch als persönliche Erinnerungsstücke an ihre Dienstzeit.

Heute sind solche bayerischen Offiziersfeldbinden begehrte Sammlerobjekte, die Einblick in die Uniformkunde und Militärgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gewähren. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, sondern auch die gesellschaftliche Stellung des Offizierskorps und die Bedeutung militärischer Traditionen im Königreich Bayern. Das Fehlen von Schieber und Lederzunge mit Gegenhaken beim beschriebenen Exemplar ist nicht ungewöhnlich, da diese Komponenten im Laufe der Zeit häufig verloren gingen oder beschädigt wurden.