Elastolin - Heer Handgranatenwerfer mit Stahlhelm
Die Elastolin-Soldatenfigur, die einen deutschen Heerssoldaten mit Handgranatenwerfer und Stahlhelm darstellt, repräsentiert ein bedeutendes Sammlerstück aus der Tradition deutscher Spielzeugherstellung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zur Standardgröße der Elastolin-Militärfiguren, die zwischen den 1920er und 1940er Jahren produziert wurden.
Die Firma Elastolin wurde von der Hausser-Familie in Neustadt bei Coburg gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name “Elastolin” bezeichnete das patentierte Material, eine Mischung aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Zusätzen, das auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Dieses Material war haltbarer und detailreicher formbar als herkömmliche Holz- oder Bleifiguren.
Die dargestellte Pose mit “Arm rückwärts” zeigt den Soldaten in der charakteristischen Wurfbewegung unmittelbar vor dem Abwerfen einer Handgranate. Diese dynamische Darstellung war typisch für die realistische Gestaltungsphilosophie der Elastolin-Figuren, die militärische Aktionen möglichst authentisch wiedergeben sollten.
Der Handgranatenwerfer war eine essenzielle Rolle in der deutschen Infanterietaktik beider Weltkriege. Im Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Handgranate von einer Spezialwaffe zu einem Standardausrüstungsgegenstand jedes Infanteristen. Die Stielhandgranate Model 24, auch als “Kartoffelstampfer” bekannt, wurde zum charakteristischen Symbol der deutschen Infanterie. Diese Waffe war besonders effektiv im Grabenkampf und bei Nahkampfsituationen.
Im Zweiten Weltkrieg behielt die Handgranate ihre zentrale Bedeutung. Spezialisierte Granatenwerfer waren in jeder Infanterieeinheit vorhanden und für bestimmte taktische Situationen unverzichtbar. Die Ausbildung im Granatenwurf war ein fundamentaler Bestandteil der militärischen Grundausbildung der Wehrmacht.
Der Stahlhelm, den die Figur trägt, ist wahrscheinlich das Modell M35, M40 oder M42, die charakteristischen Helmtypen der Wehrmacht. Der deutsche Stahlhelm hatte seine Ursprünge im Ersten Weltkrieg mit dem M1916-Modell, das unter der Leitung von Dr. Friedrich Schwerd entwickelt wurde und deutlich besseren Schutz als frühere Kopfbedeckungen bot. Die markante Form mit den ausgeprägten Schirmkanten wurde zum ikonischen Symbol der deutschen Streitkräfte.
Die Sammlung und das Studium von Elastolin-Figuren bietet heute wichtige Einblicke in die Darstellung und Popularisierung militärischer Themen in der deutschen Spielzeugkultur. Diese Figuren wurden nicht nur als Kinderspielzeug, sondern auch für Dioramen und Kriegsspiele verwendet, die sowohl bei Zivilisten als auch im militärischen Ausbildungskontext Anwendung fanden.
Der angegebene Zustand 2 in der Sammlerskala deutet auf ein sehr gut erhaltenes Exemplar hin, bei dem möglicherweise nur minimale Gebrauchsspuren wie leichte Farbabnutzung vorhanden sind. Die Erhaltung solcher Figuren ist bemerkenswert, da das Elastolin-Material, obwohl haltbarer als viele Alternativen, dennoch empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und mechanischer Belastung ist.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Firma Hausser die Produktion militärischer Figuren zunächst ein und konzentrierte sich auf zivile Themen. Später wurden militärische Figuren wieder produziert, jedoch mit deutlich veränderter Ausrichtung. Originale Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit sind heute begehrte Sammlerstücke.
Die historische Bedeutung solcher Objekte liegt nicht nur in ihrer handwerklichen Qualität, sondern auch in ihrem Wert als kulturhistorische Zeugnisse. Sie dokumentieren, wie militärische Themen in der Alltagskultur präsent waren und welche Rolle die Spielzeugindustrie bei der Vermittlung militärischer Werte und Ästhetik spielte. Heute werden diese Figuren in militärhistorischen Museen und Privatsammlungen als Studienobjekte bewahrt, die wichtige Aspekte der Militär- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts illustrieren.