Lineol - Heer Musikmeister mit Dirigentenstab marschierend

7 cm, Zustand 2.
358303
30,00

Lineol - Heer Musikmeister mit Dirigentenstab marschierend

Die vorliegende Lineol-Figur eines marschierenden Heeresmusikmeisters mit Dirigentenstab aus der Zeit des Dritten Reiches repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis deutscher Spielzeugherstellung und militärischer Kultur der 1930er und frühen 1940er Jahre. Mit einer Höhe von 7 cm gehört diese Figur zur typischen Standardgröße der Lineol-Massefiguren, die das Unternehmen zu einem der führenden Hersteller von Militärspielzeug in Deutschland machten.

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel gegründet und entwickelte sich schnell zu einem der bedeutendsten Konkurrenten der Firma Elastolin. Der Name "Lineol“ leitet sich vermutlich von "Linie“ und "Öl“ ab, was auf das verwendete Material hinweist. Die Figuren wurden aus einer Kaseinmasse gefertigt, einem Gemisch aus Kasein (Milcheiweiß), Kreide, Kaolin und anderen Zusatzstoffen, das um einen Drahtkern modelliert wurde. Diese Herstellungstechnik ermöglichte detailreiche und relativ stabile Figuren, die zugleich erschwinglich waren.

In der militärischen Hierarchie der Wehrmacht war der Musikmeister eine wichtige Funktion innerhalb der Regimentsmusikkorps. Die Heeresdienstvorschrift regelte präzise die Aufgaben und die Uniformierung dieser Dienstgrade. Der Musikmeister trug in der Regel die Uniform seines Truppenteils mit besonderen Abzeichen, die seine musikalische Funktion kennzeichneten. Die Darstellung mit Dirigentenstab in marschierender Haltung zeigt den Musikmeister in seiner typischen Funktion während militärischer Aufmärsche und Paraden.

Die militärische Musik spielte in der Wehrmacht und besonders in der Repräsentationskultur des NS-Regimes eine zentrale Rolle. Jedes Regiment verfügte über ein eigenes Musikkorps, das bei offiziellen Anlässen, Paraden, Vereidigungen und auch zur Hebung der Truppenmoral eingesetzt wurde. Die Marschmusik diente nicht nur der musikalischen Untermalung militärischer Veranstaltungen, sondern hatte auch eine wichtige propagandistische Funktion.

Die Produktion von Militärspielzeug bei Lineol erreichte in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt. Das Unternehmen stellte umfangreiche Serien von Soldatenfiguren aller Waffengattungen her, darunter auch spezialisierte Figuren wie Musikkorps, Fahnenträger und Offiziere. Diese Spielzeuge spiegelten die zunehmende Militarisierung der deutschen Gesellschaft wider und dienten der Glorifizierung des Militärs. Für Kinder waren diese Figuren nicht nur Spielzeug, sondern auch Mittel der Identifikation mit militärischen Werten.

Die Bemalung der Lineol-Figuren erfolgte in Handarbeit, wobei die Uniformdetails mit erstaunlicher Genauigkeit wiedergegeben wurden. Die typische feldgraue Uniform der Wehrmacht, die Rangabzeichen, Knöpfe und Ausrüstungsgegenstände wurden sorgfältig ausgeführt. Der Zustand 2 der beschriebenen Figur deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin, was bei Massefiguren dieses Alters bemerkenswert ist, da das Material zur Rissbildung und Brüchigkeit neigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Lineol zunächst eingestellt. Das Werk in Brandenburg lag in der sowjetischen Besatzungszone und wurde demontiert. In den 1950er Jahren erfolgte eine Neugründung in Westdeutschland, doch die Produktion konzentrierte sich nun auf zivile Figuren und Tiere. Die militärischen Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit sind heute begehrte Sammlerstücke.

Für Sammler und Historiker sind diese Figuren von mehrfachem Interesse: Sie dokumentieren die Spielzeugproduktion einer Epoche, zeigen detailliert militärische Uniformen und Ausrüstung und sind zugleich Zeugnisse der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit. Die präzise Darstellung von Rangabzeichen und Uniformdetails macht sie zu wertvollen Referenzobjekten für die Uniformkunde. Gleichzeitig werfen sie Fragen über die Rolle von Spielzeug in der Militarisierung der Jugend auf und sind damit auch Objekte kritischer geschichtswissenschaftlicher Betrachtung.