Preußen 1. Weltkrieg Ersatzpickelhaube aus Filz für Mannschaften in einem Pionier-Bataillon

Kammerstück um 1915. Ersatzhelm aus Filz, vereinfachte Ausführung ohne Vorderschirm- und Nackenschiene. Komplett mit allen Beschlägen in silberner Ausführung. Vorne der preußische Linienadler, "frostig" versilbert. Die Spitze nicht abnehmbar. Der original Ledersturmriemen an Knopf 91, komplett mit beiden Kokarden. Innen mit gelaschtem Lederfutter, in der Glocke Etikett des Herstellers mit der Größe und dem Jahr «Abteilung Berthold Lissner Guben 57 ctm. 1914». Zustand 2+.
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1.600,00

Preußen 1. Weltkrieg Ersatzpickelhaube aus Filz für Mannschaften in einem Pionier-Bataillon

Die Ersatzpickelhaube aus Filz repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Militärgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Als der Krieg im August 1914 begann, war niemand auf einen jahrelangen Abnutzungskrieg vorbereitet. Die traditionelle preußische Pickelhaube aus Leder, ein Symbol deutscher Militärmacht seit den 1840er Jahren, erwies sich schnell als unpraktisch und zu aufwendig in der Herstellung für die Massenproduktion, die der Krieg erforderte.

Bereits 1915 wurden verschiedene Ersatzmaterialien eingeführt, um den enormen Bedarf an Kopfbedeckungen zu decken und kriegswichtige Rohstoffe wie Leder für andere Zwecke zu reservieren. Filz erwies sich als geeignetes Material, da es relativ kostengünstig, leicht verfügbar und einfach zu verarbeiten war. Diese Ersatzpickelhauben wurden in vereinfachter Ausführung produziert, wobei auf metallene Verstärkungen wie Vorderschirm- und Nackenschienen verzichtet wurde.

Das hier beschriebene Exemplar stammt aus der Fertigung von Berthold Lissner in Guben, einer Stadt in der Niederlausitz, die während des Krieges mehrere Zulieferer für militärische Ausrüstung beherbergte. Die Datierung auf 1914 auf dem Herstelleretikett deutet auf eine sehr frühe Produktion hin, möglicherweise noch vor der offiziellen Einführung der Filzhelme in größerem Umfang.

Die Beschläge in silberner Ausführung kennzeichnen dieses Stück als für Mannschaften eines Pionier-Bataillons bestimmt. Die Pioniertruppen, die technischen Truppen der preußischen Armee, trugen traditionell silberne Beschläge im Gegensatz zu den goldenen bzw. messingfarbenen Beschlägen der Infanterie. Der preußische Linienadler auf der Helmplatte war das zentrale Erkennungsmerkmal der preußischen Kontingente innerhalb der deutschen Armee.

Besonders bemerkenswert ist die “frostige” Versilberung des Adlers, eine Oberflächenbehandlung, die dem Metall ein mattes, leicht körniges Aussehen verlieh. Diese Technik war bei späteren Kriegsproduktionen üblich und sollte Blendeffekte im Feld reduzieren. Die nicht abnehmbare Spitze unterscheidet diese Ersatzversion von früheren Lederhelmen, bei denen die Spitze oft abschraubbar war.

Der Ledersturmriemen mit Knöpfen nach dem Modell von 1891 und die beiden Kokarden – die schwarz-weiß-rote Reichskokarde und die schwarz-weiße preußische Kokarde – vervollständigen die Ausstattung. Das gelascht gearbeitete Lederfutter im Inneren bot einen gewissen Tragekomfort und Schutz.

Die Größe von 57 Zentimetern entspricht einer üblichen Kopfgröße. Das Produktionsjahr 1914 macht dieses Stück zu einem frühen Beispiel der Kriegsproduktion, noch bevor 1916 der Stahlhelm M1916 eingeführt wurde, der die Pickelhaube an der Front weitgehend ersetzte. Die Filzpickelhaube blieb jedoch für Reserveeinheiten, Besatzungstruppen und die Heimatfront in Verwendung.

Solche Ersatzpickelhauben waren nie als dauerhafter Ersatz gedacht, sondern als pragmatische Lösung für einen Krieg, der die industriellen und materiellen Ressourcen des Deutschen Reiches bis an die Grenzen belastete. Sie dokumentieren die zunehmende Rationalisierung und Vereinfachung militärischer Ausrüstung im Verlauf des Krieges – ein Prozess, der in allen kriegführenden Nationen zu beobachten war.