Preußen feldgraue Attila Modell 1909 für einen Gefreiten im Husaren-Regiment von Zieten (Brandenburgisches) Nr. 3, 2. Eskadron

Friedensstandort Rathenow. Kammerstück in der vereinfachten Ausführung ab 1915. Fertigung aus feldgrauen Tuch, mit feldgrauer Verschnürung und Rosetten, die Knebel aus Horn, eingenähte Schulterklappen in rot/weiß mit der aufgelegten Regimentsnummer "3" in Metall, rechts schwarzer Hornknopf mit der Nummer des Eskadron "2", der Knopf auf der linken Schulter ging verloren und wurde später ersetzt. Die Ärmelaufschläge bereits in der vereinfachten Ausführung ab 1915 . Innen helles Leinenfutter, mit schönem Kammerstempel "B.A. III - 3 H R", dazu noch weitere alte Fundusstempel "Stadt Krefeld Stadttheater..". Deutlich getragen, das Futter wurde während des Krieges unten geflickt, deutliche Trage- und Altersspuren, keine Mottenlöcher. In relativ guter Gesamterhaltung, Zustand 2-3.

Extrem selten, die meisten Attilas wurden während des Krieges bzw. nach der Übernahme in die Vorläufige Reichswehr aufgetragen, nur ganz wenige Stücke haben sich erhalten. 
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7.500,00

Preußen feldgraue Attila Modell 1909 für einen Gefreiten im Husaren-Regiment von Zieten (Brandenburgisches) Nr. 3, 2. Eskadron

Die feldgraue Attila des Husaren-Regiments von Zieten (Brandenburgisches) Nr. 3 repräsentiert eine bedeutende Übergangsphase in der preußischen Militärgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Dieses Uniformstück verkörpert die Transformation von traditioneller Kavallerie-Pracht zu funktionaler Kriegsbekleidung unter den harten Realitäten des modernen Krieges.

Das Husaren-Regiment von Zieten Nr. 3 gehörte zu den traditionsreichsten Kavallerie-Einheiten der preußischen Armee. Benannt nach dem legendären Husarengeneral Hans Joachim von Zieten (1699-1786), einem der berühmtesten Offiziere Friedrichs des Großen, trug das Regiment stolz die Tradition der brandenburgisch-preußischen Reiterei. Der Friedensstandort des Regiments befand sich in Rathenow, einer Stadt in der Mark Brandenburg, die seit dem 19. Jahrhundert eng mit der Geschichte dieser Einheit verbunden war.

Die Attila war ursprünglich ein kurzer, eng anliegender Waffenrock ungarischen Ursprungs, der von Husarenregimentern in ganz Europa getragen wurde. In der preußischen Armee wurde sie durch das Modell 1909 standardisiert und zeichnete sich in Friedenszeiten durch prachtvolle Verschnürungen, bunte Farben und aufwendige Verzierungen aus. Die 2. Eskadron des Regiments trug traditionell spezifische Abzeichen und Kennzeichnungen, die ihre Zugehörigkeit innerhalb des Regiments markierten.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde schnell deutlich, dass die bunten Friedensuniformen der preußischen Armee im modernen Stellungskrieg tödliche Ziele darstellten. Die ersten Kriegsmonate forderten schreckliche Verluste, teilweise bedingt durch die auffälligen Uniformen. Dies führte zur schrittweisen Einführung von feldgrauem Tuch für alle Uniformteile.

Ab 1915 wurden die Uniformvorschriften erheblich vereinfacht. Die aufwendigen Verzierungen der Friedenszeit wurden durch schlichte, funktionale Elemente ersetzt. Die Attila als Kammerstück – ein Uniformteil für den Garnisonsdienst und besondere Anlässe – wurde ebenfalls in vereinfachter Ausführung produziert. Statt bunter Schnüre wurden nun feldgraue Verschnürungen verwendet, die zwar die traditionelle Form beibehielten, aber wesentlich unauffälliger waren. Die Knebel aus Horn ersetzten die früheren Metallknöpfe als kostengünstigere und materialsparende Alternative.

Die Schulterklappen in rot/weiß entsprachen den Regimentsfarben des Husaren-Regiments Nr. 3. Die aufgelegte Metall-Regimentsnummer “3” ermöglichte die eindeutige Identifikation, während der schwarze Hornknopf mit der Nummer “2” die Zugehörigkeit zur 2. Eskadron anzeigte. Diese Kennzeichnungen waren auch in der vereinfachten Kriegsausführung vorgeschrieben, um die militärische Organisation und Hierarchie aufrechtzuerhalten.

Der Kammerstempel “B.A. III - 3 H R” (Brandenburgische Armee III - 3. Husaren-Regiment) dokumentiert die offizielle Ausgabe durch die Militärverwaltung. Solche Stempel waren essentiell für die Kontrolle des Militäreigentums und die Verhinderung von Missbrauch. Das helle Leinenfutter entsprach den Standardanforderungen für Kammerstücke und bot dem Träger einen gewissen Tragekomfort.

Die sichtbaren Tragespuren und die Flickarbeiten am Futter zeugen von der tatsächlichen Verwendung während des Krieges. Dass das Futter repariert wurde, anstatt das gesamte Stück zu ersetzen, illustriert die zunehmende Materialknappheit im Deutschen Reich ab 1916/17. Die Kriegswirtschaft machte Reparaturen zur Notwendigkeit, selbst bei Kammerstücken, die theoretisch nur im Garnisonsdienst getragen wurden.

Die spätere Fundus-Markierung “Stadt Krefeld Stadttheater” erzählt die Nachkriegsgeschichte dieses Objekts. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 und der Auflösung der alten Armee gelangten zahllose Uniformstücke in zivile Hände. Theater erwarben militärische Bekleidung für historische Aufführungen, wodurch viele Stücke zwar erhalten blieben, aber ihrem ursprünglichen Kontext entfremdet wurden.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Übernahme verbliebener Einheiten in die Vorläufige Reichswehr (1919-1921) wurden die meisten alten Uniformen aufgetragen oder vernichtet. Der Versailler Vertrag begrenzte die deutsche Armee auf 100.000 Mann und untersagte die Beibehaltung der alten Regimentstraditionen. Die wenigen erhaltenen Attilas sind daher von außerordentlichem historischem Wert.

Diese feldgraue Attila steht symbolisch für den Untergang der alten preußischen Kavallerie-Tradition. Die Husaren, einst Elitekämpfer und Symbol militärischer Eleganz, wurden im Ersten Weltkrieg zunehmend obsolet. Maschinengewehre, Stacheldraht und Artillerie machten traditionelle Kavallerie-Attacken unmöglich. Viele Husarenregimenter wurden abgesessen und als Infanterie eingesetzt oder in Kavallerie-Schützen-Einheiten umgewandelt.

Das Überleben solcher Uniformstücke bis heute ist bemerkenswert. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer untergegangenen Militärkultur und bieten einzigartige Einblicke in die Alltagsrealität deutscher Soldaten während des Ersten Weltkriegs. Jede Naht, jeder Stempel und jede Reparatur erzählt von den Menschen, die diese Uniformen trugen, und den historischen Umständen, die ihre Gestaltung beeinflussten.