SS-Porzellanmanufaktur Allach / Bohemia Werke Neurolau - Siedler Service

Weiß glasiertes Porzellan mit blauem Blumendekor, tiefer Teller, Dm 24 cm.
Im Boden blau unterglasierte Allianzmarke - die Allachrunen inmitten des Buchstabens "B" für das Werk Böhmen (Allach Bohemia). Um 1940 übernahm die PMA die in Neurohla/Böhmen gelegene, auf Geschirr spezialisierte Manufaktur Bohemia mit dem Ziel sich auf dem Markt für Gebrauchsgeschirr zu etablieren. Größere Aufträge, z.B. über SS-Kantinengeschirr, mussten bis dahin über Fremdfirmen wie Rosenthal abgewickelt werden, da das Stammwerk in München Allach mit der Produktion der Figuren ausgelastet war.
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SS-Porzellanmanufaktur Allach / Bohemia Werke Neurolau - Siedler Service

Der vorliegende Teller aus der Siedler-Service-Serie repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik und der SS-Unternehmungen während des Zweiten Weltkriegs. Hergestellt wurde er von der SS-Porzellanmanufaktur Allach in Zusammenarbeit mit den Bohemia Werken Neurohlau, die um 1940 in den Besitz der SS übergingen.

Die Porzellan-Manufaktur Allach wurde 1935 von Franz Nagy gegründet und befand sich zunächst in München-Allach. Bereits 1936 übernahm die SS das Unternehmen und gliederte es in die Deutsche Wirtschaftsbetriebe GmbH ein, eine Dachorganisation für SS-eigene Wirtschaftsunternehmen. Unter der Leitung von Heinrich Himmler und der administrativen Kontrolle des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes entwickelte sich Allach zu einem der prestigeträchtigsten SS-Betriebe.

Ursprünglich konzentrierte sich die Manufaktur Allach auf die Herstellung von hochwertigen Porzellanfiguren, die oft germanische und nordische Motive darstellten. Diese Figuren sollten die nationalsozialistische Ideologie verkörpern und wurden als Geschenke für verdiente SS-Angehörige und Parteifunktionäre verwendet. Die Produktion von Gebrauchsgeschirr spielte zunächst eine untergeordnete Rolle.

Um 1940 änderte sich diese Situation grundlegend. Die wachsenden Anforderungen der SS, insbesondere für Kantinengeschirr und Gebrauchsporzellan für SS-Einrichtungen, überforderten die Kapazitäten des Stammwerks in München-Allach. Größere Aufträge mussten bis dahin über Fremdfirmen wie Rosenthal abgewickelt werden. Um diese Abhängigkeit zu beenden und die Produktionskapazitäten zu erweitern, übernahm die PMA die in Neurohlau in Böhmen (heute Nová Role, Tschechische Republik) gelegene Manufaktur Bohemia.

Die Bohemia-Werke waren auf die Produktion von Gebrauchsgeschirr spezialisiert und verfügten über die notwendige Infrastruktur und das Know-how für die Massenproduktion. Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei 1938/39 und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren bot sich der SS die Gelegenheit, tschechische Industriebetriebe zu übernehmen und für ihre Zwecke zu nutzen.

Das vorliegende Stück trägt die charakteristische Allianzmarke – die Allach-Runen inmitten des Buchstabens “B” für das Werk Böhmen. Diese Markierung zeigt die enge Verbindung zwischen dem Stammwerk und dem böhmischen Betrieb. Die Allach-Runen, zwei stilisierte SS-Runen, waren das Markenzeichen der SS-Porzellanmanufaktur und wurden auf allen ihren Produkten angebracht.

Die Siedler-Service-Serie war Teil eines größeren Programms zur Ausstattung deutscher Siedler, insbesondere in den eroberten Ostgebieten. Die nationalsozialistische Lebensraum-Politik sah die Ansiedlung deutscher Bauern und Kolonisten in Polen, der Ukraine und anderen besetzten Gebieten vor. Diese Siedler sollten mit allem Notwendigen ausgestattet werden, einschließlich Haushaltsgegenständen wie Geschirr.

Das Design des Geschirrs – weiß glasiertes Porzellan mit blauem Blumendekor – entsprach dem Geschmack der Zeit und sollte eine gewisse ländliche Schlichtheit verkörpern. Es war praktisch, haltbar und für den täglichen Gebrauch konzipiert. Die Produktion solcher Gebrauchsgegenstände war für die SS auch wirtschaftlich interessant, da sie regelmäßige Einnahmen generierte.

Die Produktion in den Bohemia-Werken erfolgte teilweise unter Einsatz von Zwangsarbeitern, wie es in vielen SS-Betrieben der Fall war. Die SS nutzte systematisch die Arbeitskraft von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern aus besetzten Gebieten für ihre Wirtschaftsunternehmen. Dies war Teil des verbrecherischen Systems der wirtschaftlichen Ausbeutung, das die SS in den besetzten Gebieten etablierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die SS-Betriebe aufgelöst. Die Bohemia-Werke in Neurohlau wurden verstaatlicht und später in die tschechoslowakische Porzellanindustrie integriert. Die Produkte der SS-Porzellanmanufaktur sind heute Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und werden als historische Objekte in Museen und Sammlungen aufbewahrt.

Der vorliegende Teller ist somit nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern ein historisches Dokument, das Einblicke in die wirtschaftlichen Strukturen des NS-Regimes, die Expansionspolitik und die Rolle der SS als Wirtschaftsorganisation bietet. Er steht exemplarisch für die Verbindung von ideologischen Zielen und wirtschaftlichen Interessen im Nationalsozialismus.

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