Ulrich Herr, Jens Nguyen: Die deutschen Pioniere, Verkehrstruppen und Train von 1871 bis 1914 – Uniformierung und Ausrüstung

Verlag Militaria. Farbbildband, 512 Seiten, mehr als 1500 Farbfotos, zeitgenössische SW-Fotos, Tabellen und Abbildungen, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, Großformat: 29,5 x 26 cm.

Die Geschichte der Pioniertruppe reicht bis ins Altertum zurück. Noch heute besteht ihre Aufgabe darin, die anderen Waffengattungen zu unterstützen, indem sie deren Beweglichkeit und Durchhaltefähigkeit fördert, aber die Beweglichkeit der gegnerischen Truppen hemmen soll. Im Kaiserreich fand nach 1871 eine weitgehende Angleichung der bayerischen, sächsischen und württembergischen Pioniertruppe an die preußischen Normen statt. Hierbei hoben sich die sächsischen Pioniere mit ihren vollkommen abweichenden Uniformen aber weiterhin im Reichsheer optisch ab. Das Großherzogtum Baden stellte ein eigenes Pionier-Bataillon im Rahmen der preußischen Armee. Der Fortschritt in Wissenschaft und Technik führte im Militär ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert zur Formierung neuer Truppengattungen, die im deutschen Kaiserreich unter dem Begriff Verkehrstruppen zusammengefasst wurden. Hierzu zählte neben der Eisenbahntruppe die Telegraphen-, Kraftfahr- und Luftschiffertruppe sowie als jüngste Truppengattung die Fliegertruppe. Der Train zeichnete in erster Linie für die Nachführung von Gefechtsmitteln und Spezialgerät sowie des Proviants für die Truppen verantwortlich. Berücksichtigung finden – wie in den vorangegangenen Bänden – neben den preußischen Truppen auch die entsprechenden Kontingente der Königreiche Bayern, Sachsen und Württemberg sowie der Großherzogtümer Baden und Hessen. Das vorliegende Buch gibt zunächst jeweils eine formationsgeschichtliche Übersicht der Entwicklung der deutschen Pioniere, Verkehrstruppen und des Trains im Zeitraum von 1871 und 1914. Danach werden jeweils die Besonderheiten der Kopfbedeckungen, Uniformen und der Ausrüstung dargestellt. In der Reihe über die Bekleidung und Ausrüstung des deutschen Heeres von 1871 bis 1914 schließt dieses Buch an die bereits erschienenen Bände über die Generale, Kriegsministerien sowie Generalstäbe, die Infanterie, Kavallerie und Artillerie an. Durch zeitgenössische Fotos sowie eine Vielzahl an originalen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken veranschaulicht, stehen die Pioniere, die Verkehrstruppen sowie der Train im Mittelpunkt. Die etwa 450 Objekte stammen aus verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen, darunter das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden oder das Wehrgeschichtliche Museum in Rastatt.

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Ulrich Herr, Jens Nguyen: Die deutschen Pioniere, Verkehrstruppen und Train von 1871 bis 1914 – Uniformierung und Ausrüstung

Das vorliegende Werk von Ulrich Herr und Jens Nguyen stellt eine umfassende Dokumentation der deutschen Pioniertruppe, Verkehrstruppen und des Trains im Zeitraum von 1871 bis 1914 dar. Diese drei Truppengattungen bildeten das logistische und technische Rückgrat des deutschen Kaiserheeres und ermöglichten erst die Beweglichkeit und Schlagkraft der kämpfenden Verbände.

Die Pioniertruppe hatte eine lange militärhistorische Tradition, die bis ins Altertum zurückreichte. Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Organisation der Pioniere grundlegend reformiert. Die bayerischen, sächsischen und württembergischen Pioniertruppen wurden weitgehend an preußische Normen angeglichen, wobei die sächsischen Pioniere eine bemerkenswerte Ausnahme darstellten: Sie behielten ihre charakteristischen, von der preußischen Norm abweichenden Uniformen bei. Das Großherzogtum Baden stellte ein eigenes Pionier-Bataillon im Rahmen der preußischen Armee. Die Hauptaufgaben der Pioniere umfassten den Bau und die Zerstörung von Brücken, Befestigungsanlagen und Verkehrswegen sowie den Einsatz von Sprengmitteln. Sie sollten die Beweglichkeit der eigenen Truppen fördern, während sie gleichzeitig die gegnerischen Kräfte in ihrer Mobilität einschränkten.

Eine besondere Bedeutung erhielten gegen Ende des 19. Jahrhunderts die neu formierten Verkehrstruppen. Der rasante Fortschritt in Wissenschaft und Technik führte zur Etablierung völlig neuer militärischer Formationen. Unter dem Begriff Verkehrstruppen wurden im deutschen Kaiserreich mehrere spezialisierte Einheiten zusammengefasst: Die Eisenbahntruppe war für den militärischen Eisenbahnbetrieb zuständig und gewann mit der zunehmenden Bedeutung der Eisenbahn für die strategische Mobilität besondere Relevanz. Die Telegraphentruppe sorgte für die Nachrichtenverbindungen, ein entscheidender Faktor in der modernen Kriegsführung. Mit der Entwicklung neuer Technologien kamen die Kraftfahrtruppe, die Luftschiffertruppe und schließlich als jüngste Formation die Fliegertruppe hinzu. Diese Einheiten repräsentierten den technologischen Wandel im Militärwesen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.

Der Train bildete die dritte große Gruppe und war für die logistische Versorgung verantwortlich. Seine Hauptaufgabe bestand in der Nachführung von Gefechtsmitteln, Spezialgerät und Proviant für die kämpfenden Truppen. Ohne eine funktionierende Trainorganisation wäre die Versorgung größerer Truppenverbände im Feld unmöglich gewesen. Der Train verwendete überwiegend pferdebespannte Fahrzeuge, wobei gegen Ende des betrachteten Zeitraums zunehmend auch motorisierte Transportmittel zum Einsatz kamen.

Das Werk dokumentiert nicht nur die preußischen Formationen, sondern berücksichtigt auch die Kontingente der Königreiche Bayern, Sachsen und Württemberg sowie der Großherzogtümer Baden und Hessen. Diese föderale Struktur des Kaiserheeres führte zu interessanten Variationen in Uniformierung und Ausrüstung, die das Buch detailliert darstellt. Besondere Aufmerksamkeit wird den Kopfbedeckungen, Uniformen und der Ausrüstung gewidmet, wobei etwa 450 Originalstücke aus verschiedenen Sammlungen präsentiert werden.

Zu den bedeutenden Leihgebern gehören das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden und das Wehrgeschichtliche Museum in Rastatt. Diese Institutionen bewahren bedeutende Bestände an Uniformen, Ausrüstungsgegenständen und Dokumenten aus der Zeit des Kaiserreichs. Die Zusammenarbeit mit privaten Sammlern ergänzt die musealen Bestände und ermöglicht eine umfassende Darstellung.

Mit mehr als 1500 Farbfotografien, zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Tabellen und Abbildungen auf 512 Seiten bietet das Werk eine beispiellose visuelle Dokumentation. Das Großformat von 29,5 x 26 cm ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Objekte. Die Autoren kombinieren formationsgeschichtliche Übersichten mit präzisen Beschreibungen der materiellen Kultur dieser Truppengattungen.

Der zeitliche Rahmen von 1871 bis 1914 umfasst die gesamte Friedensperiode des deutschen Kaiserreichs. In diesen vier Jahrzehnten entwickelte sich das deutsche Heer zu einer der modernsten Armeen Europas. Die Uniformen und Ausrüstungsgegenstände durchliefen zahlreiche Modifikationen, die sowohl praktische Erwägungen als auch repräsentative Aspekte berücksichtigten. Die detaillierte Dokumentation dieser Entwicklung macht das Werk zu einer unverzichtbaren Referenz für Militärhistoriker, Sammler und Museen.

Das Buch reiht sich in eine Serie von Publikationen über die Bekleidung und Ausrüstung des deutschen Heeres ein, die bereits Bände über Generale, Kriegsministerien, Generalstäbe, Infanterie, Kavallerie und Artillerie umfasst. Gemeinsam bilden diese Werke ein umfassendes Kompendium zur materiellen Kultur des deutschen Kaiserheeres in seiner Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg.

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