1. Weltkrieg Schutztruppe "Kolonial-Krieger-Spende"
Das Kolonial-Krieger-Spende Abzeichen steht als eindrucksvolles Zeugnis für die komplexe Verflechtung von Wohlfahrt, Propaganda und kolonialer Nostalgie im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs. Dieses rechteckige Blechabzeichen mit den Maßen circa 32 x 25 mm wurde im Rahmen einer umfassenden Spendenkampagne der deutschen Heimatfront ausgegeben und dokumentiert die Bemühungen, die isoliert kämpfenden deutschen Kolonialtruppen und ihre Angehörigen zu unterstützen.
Die Kolonial-Krieger-Spende war eine während des Ersten Weltkriegs organisierte Spendenaktion, die unter der Schirmherrschaft von Kronprinz Wilhelm von Preußen stand. Die Kampagne wurde durch das Reichskolonialamt koordiniert und war besonders im Jahr 1918 aktiv, wobei spezielle Opfertage am 17. und 18. August 1918 sowie am 3. November 1918 in verschiedenen deutschen Städten durchgeführt wurden. Die Spendensammlung erfolgte über mehrere Kanäle: Geldspenden konnten bei Bankfilialen, insbesondere der Deutschen Bank, eingezahlt werden, zudem wurden Postkarten und Druckmaterialien verkauft.
Das Abzeichen selbst zeigt eine charakteristische Gestaltung: Die Inschrift „Kolonial“ befindet sich in der oberen linken Ecke, während „Krieger Spende“ links einer zentralen Soldatenfigur und „Opfertag“ rechts davon angeordnet sind. Das zentrale Motiv stellt einen Angehörigen der Schutztruppe dar, der eine Fahnenstange mit der deutschen Reichsflagge hält. Diese Blechabzeichen wurden in hohlgeprägter Bauweise gefertigt, wie sie für Spendenabzeichen des Ersten Weltkriegs typisch war, mit einer angelöteten oder vernieten Nadel auf der Rückseite zum Tragen.
Der historische Kontext dieser Spendenaktion ist von besonderer Bedeutung. Seit 1914 führten Deutschlands Kolonialtruppen, insbesondere die Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika unter General Paul von Lettow-Vorbeck, isolierte Kampagnen gegen britische und alliierte Streitkräfte. Die Schutztruppe, die aus ungefähr 15.000 Mann bestand (hauptsächlich afrikanische Askari-Soldaten), führte einen ausgedehnten Guerillakrieg. Von Lettow-Vorbeck wurde in Deutschland als unbesiegter deutscher Kommandeur gefeiert, was der Spendenkampagne sowohl echte Wohlfahrtsanliegen als auch propagandistische Zwecke verlieh.
Die Kampagne zielte darauf ab, ehemalige Kolonialsoldaten, verwundete Angehörige der Schutztruppe, Kriegsgefangene aus den Kolonialfeldzügen sowie Witwen und Waisen deutscher Kolonialsoldaten zu unterstützen. Diese Spendenabzeichen wurden an zivile Spender ausgegeben, die Geld für die Wohltätigkeitsaktion beisteuerten. Es handelte sich ausdrücklich nicht um eine militärische Auszeichnung, sondern um ein Spendenzeichen, das die Unterstützung der Heimatfront für die fernen Kolonialtruppen symbolisierte.
Die Kampagne fand in einer Zeit statt, als die deutsche Heimatfront unter schweren Versorgungsengpässen und Kriegsmüdigkeit litt. Dennoch reflektierte die Initiative sowohl die anhaltende Verbindung zu den Kolonialtruppen als auch deren propagandistischen Wert für die Kriegsmoral. Im November 1918, als Deutschland kapitulierte, zählte die verbliebene Schutztruppe nur noch 155 Europäer und 1.168 Askari.
Die Spendenabzeichen wurden vermutlich von mehreren Herstellern produziert, wobei verschiedene Varianten in rechteckigem und möglicherweise anderen Formaten existierten. Verwandte Propagandamaterialien umfassten Plakate, die vom Künstler Grotemeyer entworfen und von Rotophot AG Berlin gedruckt wurden und ähnliche Darstellungen von Lettow-Vorbeck zeigten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Verlust aller deutschen Kolonien gemäß dem Versailler Vertrag blieben Veteranenorganisationen bestehen. Bereits 1915 existierte eine Kolonialkriegerdank e.V. zur Unterstützung ehemaliger Kolonialsoldaten. Nach dem Krieg wurde 1922 der Deutsche Kolonialkrieger-Bund als Dachorganisation für Kolonialveteranenverbände gegründet, die seit 1896 existiert hatten. Bis 1942 bestanden etwa 190 Kolonialveteranenverbände mit 12.000 Mitgliedern. Die Spendenabzeichen selbst wurden zu begehrten Sammlerstücken militärhistorischer Memorabilien.