Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften ( DgfWuW ) - Mitgliedsabzeichen
Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften (DGfWuW) verkörpert ein bemerkenswertes Kapitel der nationalsozialistischen Propaganda- und Bildungsarbeit während der Jahre 1933 bis 1945. Diese Organisation, im Sommer 1933 gegründet, spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie durch wehrpolitische und wehrmissenschaftliche Vorträge.
Die Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften existierte nachweislich bis mindestens 1943 und diente der systematischen Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda. Unter der Präsidentschaft von Friedrich von Cochenhausen, General der Artillerie, der die Organisation von circa 1933 bis 1945 leitete, entwickelte sich die DGfWuW zu einer bedeutenden Institution innerhalb des NS-Staates. Das Mitgliedsabzeichen, das an einer langen Nadel befestigt war, kennzeichnete die Zugehörigkeit zu dieser einflussreichen Vereinigung.
Die publizistische Tätigkeit der Organisation manifestierte sich in zwei bedeutenden monatlichen Zeitschriften: “Wissen und Wehr” und “Militärwissenschaftliche Rundschau”. Diese Periodika verbreiteten wehrmissenschaftliche Erkenntnisse und wehrpolitische Inhalte an eine breite Leserschaft. Darüber hinaus gab die Gesellschaft das Handbuch “Neuzeitliche Wehrwissenschaften” von Generalmajor a.D. Hermann Franke in Auftrag, das als Standardwerk auf diesem Gebiet galt.
Die Vortragsarbeit stellte das Kernstück der organisatorischen Tätigkeit dar. Im ersten Quartal 1941 hielt die DGfWuW über 4.600 Vorträge, wovon etwa 1.800 speziell für die Wehrmacht konzipiert waren. Bis zum Jahr 1941 erreichte die Organisation durch ihre Vortragsprogramme ungefähr 1,6 Millionen Bürger. Für diese umfangreiche Bildungsarbeit beschäftigte die Gesellschaft rund 450 Frontredner, die ihre Aufgabe in der ideologischen Schulung der deutschen Bevölkerung und der Wehrmacht sahen.
Die organisatorische Struktur der DGfWuW spiegelte die Gliederung des NS-Staates wider. An den Gaupropaganda-Leitungen waren Gaubeauftragte tätig, die für die Organisation von Vorträgen und Diskussionen in ihren jeweiligen Gaugebieten verantwortlich zeichneten. Diese dezentrale Struktur ermöglichte eine flächendeckende Präsenz der Organisation im gesamten Deutschen Reich.
Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft umfasste zahlreiche Handels- und Industrieunternehmen, die die Organisation durch Spenden unterstützten. Das Mitgliedsabzeichen diente somit nicht nur als Erkennungszeichen für Einzelpersonen, sondern symbolisierte auch die Verbindung zwischen Wirtschaft, Wehrmacht und nationalsozialistischer Ideologie.
Das vorliegende Abzeichen wird als Zustand 2 beschrieben, was nach deutschen Militaria-Bewertungskonventionen einen guten bis sehr guten gebrauchten Zustand bedeutet. Die Organisation stellte mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 ihre Tätigkeit ein. Das Mitgliedsabzeichen bleibt heute ein historisches Zeugnis der systematischen Propagandaarbeit des NS-Regimes und der Verflechtung von Militärwissenschaft, Wehrpolitik und nationalsozialistischer Weltanschauung in den Jahren 1933 bis 1945.