Ehrenzeichen des Bayerischen Industriellen-Verbandes

für 25 Jahre Treue Dienste. Ovale Silbermedaille, 900 Silber markiert, emailliert mit Hakenkreuz an Bandschnalle, mit der 20 mm Miniatur im Verleihungsetui, auf der Unterseite mit Hersteller "L. Chr. Lauer Nürnberg". Zustand 2
442004
250,00

Ehrenzeichen des Bayerischen Industriellen-Verbandes

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Industriellen-Verbandes für 25 Jahre Treue Dienste repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte während der nationalsozialistischen Ära. Diese Auszeichnung wurde von einer der wichtigsten Wirtschaftsorganisationen Bayerns verliehen und dokumentiert die enge Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik in der Zeit des Dritten Reiches.

Der Bayerische Industriellen-Verband war eine bedeutende regionale Wirtschaftsorganisation, die die Interessen der bayerischen Industrie vertrat. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden alle Wirtschaftsverbände im Zuge der sogenannten Gleichschaltung ideologisch ausgerichtet und in das nationalsozialistische System eingebunden. Die Integration von NS-Symbolik, insbesondere des Hakenkreuzes, in Auszeichnungen privater Verbände war charakteristisch für diese Periode der totalen Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche mit nationalsozialistischer Ideologie.

Die vorliegende Auszeichnung ist als ovale Silbermedaille gestaltet und aus 900er Silber gefertigt, was auf eine hochwertige Herstellung hindeutet. Die Emaillierung verleiht dem Stück zusätzlichen künstlerischen Wert und zeigt die handwerkliche Qualität deutscher Medailleurkunst der 1930er und frühen 1940er Jahre. Das prominente Hakenkreuz auf der Medaille war das zentrale Symbol des nationalsozialistischen Deutschlands und wurde ab 1935 durch verschiedene Gesetze und Verordnungen zum offiziellen Hoheitszeichen erklärt.

Die Auszeichnung für 25 Jahre treue Dienste war ein übliches Muster in der deutschen Tradition der Mitarbeiterehrung. Solche Jubiläumsauszeichnungen hatten eine lange Vorgeschichte im deutschen Kaiserreich und wurden in der Weimarer Republik fortgeführt. Die Nationalsozialisten griffen diese Tradition auf und integrierten sie in ihr System der Leistungsanerkennung und Loyalitätsbindung. Die lange Dienstzeit von 25 Jahren symbolisierte nicht nur berufliche Beständigkeit, sondern wurde im NS-Kontext auch als Ausdruck von Treue gegenüber der deutschen Wirtschaft und damit indirekt dem Staat interpretiert.

Das Objekt wird in einem Verleihungsetui präsentiert und wird begleitet von einer 20 mm Miniatur. Die Miniatur war üblicherweise für das tägliche Tragen an der Zivilkleidung vorgesehen, während die größere Medaille zu besonderen Anlässen getragen wurde. Die Bandschnalle ermöglichte das standesgemäße Tragen der Auszeichnung an der Kleidung.

Besonders bemerkenswert ist die Herstellermarkierung “L. Chr. Lauer Nürnberg” auf der Unterseite. Die Firma Ludwig Christian Lauer war eine renommierte Nürnberger Medaillenfabrik, die 1920 gegründet wurde und sich auf die Herstellung von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen spezialisierte. Nürnberg hatte eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und war ein wichtiges Zentrum für die Herstellung von Auszeichnungen. Die Firma Lauer produzierte während der NS-Zeit sowohl staatliche als auch private Auszeichnungen und war für ihre qualitativ hochwertige Arbeit bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 alle Auszeichnungen, die NS-Symbole trugen, verboten. Der Besitz solcher Objekte zu Sammlungszwecken blieb jedoch unter bestimmten Bedingungen legal, sofern keine Verherrlichung oder öffentliche zur Schaustellung in verfassungswidriger Weise erfolgte. Heute sind solche Objekte wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und die Durchdringung der Gesellschaft mit nationalsozialistischer Symbolik geben.

Die Bewertung mit Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das trotz seines Alters nur geringe Gebrauchsspuren aufweist. Dies ist bei emaillierten Stücken besonders bemerkenswert, da das Email anfällig für Beschädigungen ist.

Aus historischer Perspektive dokumentiert diese Auszeichnung die komplexe Beziehung zwischen Wirtschaft und nationalsozialistischem Staat. Die bayerische Industrie spielte eine wichtige Rolle in der deutschen Kriegswirtschaft, und solche Auszeichnungen dienten der Motivation und Bindung von Arbeitskräften. Sie sind heute wichtige Studienobjekte für Historiker, die sich mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Dritten Reiches befassen.

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