Kriegsmarine Dienstglas 7 x 50
Das Kriegsmarine Dienstglas 7x50 stellte während des Zweiten Weltkrieges eines der wichtigsten optischen Instrumente der deutschen Seestreitkräfte dar. Diese hochwertigen Ferngläser wurden von verschiedenen deutschen Optikherstellern produziert und waren ein unverzichtbares Ausrüstungsstück für Offiziere und Mannschaften an Bord von Kriegsschiffen, U-Booten und in Küstenbefestigungen.
Die technische Bezeichnung 7x50 bezieht sich auf die optischen Eigenschaften des Instrumentes: Die Zahl 7 gibt die siebenfache Vergrößerung an, während 50 den Durchmesser der Objektivlinsen in Millimetern beschreibt. Diese Spezifikation war kein Zufall, sondern beruhte auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die optimale Kombination von Vergrößerung und Lichtstärke für maritime Beobachtungen. Das große Objektiv ermöglichte eine ausgezeichnete Lichtsammlung, was besonders in der Dämmerung und bei Nacht von entscheidender Bedeutung war. Die Austrittspupille von etwa 7 mm entsprach nahezu perfekt der maximalen Pupillenöffnung des menschlichen Auges bei Dunkelheit.
Das vorliegende Exemplar trägt die Herstellermarkierung “beh”, welche für Ernst Leitz G.m.b.H. aus Wetzlar steht. Die Firma Leitz, heute weltbekannt durch ihre Leica-Kameras, gehörte zu den renommiertesten optischen Herstellern Deutschlands. Während der Kriegsjahre 1939-1945 produzierte Leitz große Mengen optischer Militärausrüstung, darunter Ferngläser, Zielfernrohre und andere Präzisionsinstrumente. Die dreistelligen Herstellercodes wurden ab 1940 systematisch eingeführt, um im Falle einer feindlichen Aufklärung die Identifizierung von Produktionsstätten zu erschweren.
Die Gummiarmierung des Fernglases diente mehreren praktischen Zwecken: Sie schützte das empfindliche Instrument vor Stößen und Erschütterungen, die auf See unvermeidlich waren, bot einen besseren Halt auch bei nassen Händen und dämpfte Geräusche bei Kontakt mit metallischen Oberflächen – ein wichtiger Aspekt besonders auf U-Booten, wo Geräuschdisziplin lebenswichtig sein konnte. Der Okularschutz aus Gummi verhinderte Verletzungen bei plötzlichen Schiffsbewegungen und schützte zudem die Augenpartie des Benutzers vor Wind und Gischt.
Ein besonderes Merkmal dieser Dienstgläser war die Verwendung von Trockenpatronen zur Vermeidung von Beschlagbildung im Inneren der Optik. Diese Patronen enthielten Trockenmittel wie Silicagel und wurden in speziellen Kammern im Gehäuse untergebracht. Die hohe Luftfeuchtigkeit auf See und die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht hätten ohne diese Vorkehrung schnell zu Kondensation und damit zur Unbrauchbarkeit der Optik geführt. Dieses System der Stickstoff- oder Trockenmittelfüllung war ein Qualitätsmerkmal deutscher Marineoptik.
Die erwähnte fehlende Strichplatte (Graticule) unterscheidet dieses Exemplar von speziellen Kommandantengläsern oder Artilleriegläsern, die mit Messeinrichtungen zur Entfernungsschätzung oder Winkelberechnung ausgestattet waren. Das vorliegende Dienstglas war somit für die allgemeine Beobachtung konzipiert und wurde von einem breiten Spektrum von Marinesoldaten verwendet.
Die Kriegsmarine hatte strenge Vorschriften für die Ausgabe, Pflege und Verwaltung optischer Geräte. Jedes Fernglas wurde registriert und einem bestimmten Benutzer oder einer Station zugewiesen. Die Seriennummer 458082 ermöglichte diese Nachverfolgung. Bei Verlust oder Beschädigung musste ein ausführlicher Bericht erstellt werden. Die Wartung erfolgte durch speziell ausgebildetes Personal, und komplexere Reparaturen wurden an die Hersteller oder spezialisierte Marinewerkstätten zurückgeschickt.
Die optische Qualität der Leitz-Produkte war legendär. Die Vergütung der Linsen nach dem T-Belag-Verfahren, das in den 1930er Jahren entwickelt wurde, reduzierte Lichtreflexionen erheblich und verbesserte Kontrast und Helligkeit des Bildes. Diese technologische Überlegenheit verschaffte deutschen Seeoffizieren einen taktischen Vorteil bei der Zielerfassung und Navigation.
Nach Kriegsende wurden viele dieser Ferngläser von alliierten Soldaten als Souvenirs mitgenommen oder gingen in den Besitz verschiedener Marinen über. Die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Großbritannien erbeuteten große Mengen deutscher optischer Ausrüstung, die teilweise studiert und kopiert wurde. Heute sind diese Dienstgläser gesuchte Sammlerobjekte, die sowohl wegen ihrer historischen Bedeutung als auch wegen ihrer nach wie vor beeindruckenden optischen Leistung geschätzt werden. Der Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin, was bei einem über 75 Jahre alten Instrument bemerkenswert ist.