Norwegen 2. Weltkrieg - Norsk-Tysk Selskap

Mitgliedsabzeichen, emailliert, an langer Nadel, Zustand 2.
Dazu ein Zeitungsausschnitt aus Oslo mit der Werbung für eine Veranstaltung.
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350,00

Norwegen 2. Weltkrieg - Norsk-Tysk Selskap

Norsk-Tysk Selskap: Das norwegisch-deutsche Abzeichen im Kontext der Besatzungszeit

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen der Norsk-Tysk Selskap (Norwegisch-Deutsche Gesellschaft) stellt ein bedeutendes Zeitzeugnis der deutschen Besatzung Norwegens während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese emaillierte Nadel verkörpert die Bemühungen des nationalsozialistischen Deutschlands, durch kulturelle und propagandistische Organisationen Einfluss auf die norwegische Bevölkerung auszuüben.

Historischer Hintergrund der Organisation

Die Norsk-Tysk Selskap wurde nach der deutschen Invasion Norwegens am 9. April 1940 als Teil der Besatzungspolitik etabliert. Nach dem schnellen militärischen Erfolg der Operation Weserübung stand das Deutsche Reich vor der Herausforderung, das besetzte Land zu verwalten und die Bevölkerung für die nationalsozialistische Ideologie zu gewinnen. Reichskommissar Josef Terboven, der im April 1940 als höchster deutscher Zivilverwalter in Norwegen eingesetzt wurde, förderte die Gründung verschiedener deutsch-norwegischer Organisationen.

Die Gesellschaft diente offiziell dem “kulturellen Austausch” zwischen Deutschland und Norwegen, war jedoch in Wirklichkeit ein Instrument der nationalsozialistischen Propaganda. Sie organisierte Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen, die ein positives Bild des Dritten Reiches vermitteln sollten. Dabei arbeitete sie eng mit Vidkun Quislings faschistischer Partei Nasjonal Samling (Nationale Sammlung) zusammen.

Das Mitgliedsabzeichen: Funktion und Bedeutung

Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende spielten eine wichtige Rolle in der Organisationsstruktur nationalsozialistischer und kollaborierender Vereinigungen. Sie dienten mehreren Zwecken: Erstens identifizierten sie den Träger als Mitglied und Unterstützer der deutsch-norwegischen Zusammenarbeit. Zweitens schufen sie ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer exklusiven Gruppe. Drittens machten sie die Mitgliedschaft öffentlich sichtbar und sollten andere zur Teilnahme ermutigen.

Die Emaillierung solcher Abzeichen war typisch für die Zeit und zeugt von handwerklicher Qualität. Die lange Nadel ermöglichte das sichere Befestigen an der Kleidung, wobei das Tragen solcher Abzeichen bei offiziellen Veranstaltungen der Gesellschaft oft erwartet oder sogar vorgeschrieben wurde.

Propaganda und Widerstand

Die Aktivitäten der Norsk-Tysk Selskap stießen in der norwegischen Bevölkerung überwiegend auf Ablehnung. Norwegen entwickelte eine der stärksten Widerstandsbewegungen in den besetzten Gebieten Europas. Die norwegische Hjemmefronten (Heimatfront) organisierte sowohl zivilen als auch militärischen Widerstand gegen die Besatzungsmacht und ihre norwegischen Kollaborateure.

Die meisten Norweger boykottierten Veranstaltungen deutsch-norwegischer Organisationen und betrachteten deren Mitglieder als Verräter. Nach dem Krieg wurden viele Personen, die aktiv mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten, vor Gericht gestellt. Die sogenannten Landesverräterprozesse zwischen 1945 und 1948 führten zur Verurteilung von etwa 46.000 Personen wegen Kollaboration.

Der Zeitungsausschnitt als historische Quelle

Der beigefügte Zeitungsausschnitt aus Oslo, der für eine Veranstaltung der Gesellschaft wirbt, ist ein wertvolles Dokument der Alltagspropaganda während der Besatzungszeit. Während der deutschen Besatzung wurden norwegische Zeitungen streng zensiert und mussten die Linie der Besatzungsbehörden verfolgen. Viele etablierte norwegische Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein, anstatt sich der Zensur zu unterwerfen, während neue, den Deutschen genehme Publikationen gegründet wurden.

Sammlerwert und Erinnerungskultur

Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse einer dunklen Periode der norwegischen Geschichte. Sie werden von Museen und privaten Sammlern bewahrt, nicht zur Glorifizierung, sondern zur Dokumentation und Mahnung. In Norwegen gibt es mehrere Museen, die sich mit der Besatzungszeit beschäftigen, darunter das Norges Hjemmefrontmuseum (Norwegisches Widerstandsmuseum) in der Festung Akershus in Oslo und das Falstadsenteret bei Trondheim.

Der Zustand 2 des vorliegenden Abzeichens deutet auf gute Erhaltung mit geringen Gebrauchsspuren hin, was bei emaillierten Objekten aus dieser Zeit nicht selbstverständlich ist. Dies erhöht sowohl den historischen als auch den sammlerischen Wert des Stückes.

Fazit

Das Mitgliedsabzeichen der Norsk-Tysk Selskap repräsentiert die Versuche der deutschen Besatzungsmacht, durch institutionalisierte Zusammenarbeit und kulturelle Propaganda die norwegische Gesellschaft zu beeinflussen. Es steht symbolisch für die Kollaboration einiger weniger Norweger und den Widerstand der großen Mehrheit gegen die Besatzung. Als historisches Objekt erinnert es an eine Zeit, in der Norwegen um seine Freiheit und Identität kämpfte.