Reichsfinanzverwaltung/Zollgrenzschutz Einzel Schulterstück für einen Zollanwärter

glänzende Ausführung, mit Schlaufe. Musterstück der Firma "Thiele & Steinert", als Hausmuster gesiegelt, beschriftet "Zollkleiderkasse Berlin" und datiert 23.11.1938. In neuwertigem Zustand - "in mint condition".
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200,00

Reichsfinanzverwaltung/Zollgrenzschutz Einzel Schulterstück für einen Zollanwärter

Das vorliegende Schulterstück für einen Zollanwärter der Reichsfinanzverwaltung/Zollgrenzschutz repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Verwaltungsgeschichte in der späten Phase der Weimarer Republik und der frühen NS-Zeit. Datiert auf den 23. November 1938, wurde dieses Musterstück von der renommierten Firma Thiele & Steinert hergestellt und durch die Zollkleiderkasse Berlin als offizielles Hausmuster gesiegelt.

Der Zollgrenzschutz hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde ein einheitliches Zollsystem etabliert, das sowohl fiskalische als auch grenzpolizeiliche Aufgaben erfüllte. Die Zollbeamten waren nicht nur für die Erhebung von Abgaben zuständig, sondern überwachten auch die Reichsgrenzen gegen Schmuggel und illegale Grenzübertritte. Diese doppelte Funktion spiegelte sich auch in der Uniform und den Rangabzeichen wider.

Die Reichsfinanzverwaltung wurde 1919 im Zuge der Weimarer Reichsfinanzreform geschaffen und übernahm die zentrale Verwaltung aller Finanzangelegenheiten des Reiches, einschließlich des Zollwesens. Der Zollgrenzschutz unterstand als bewaffnete Formation dieser Verwaltung und hatte quasi-militärischen Charakter. Die Beamten trugen Uniformen, die sich an militärischen Vorbildern orientierten, jedoch durch spezifische Abzeichen und Rangkennzeichnungen ihre zivile Verwaltungszugehörigkeit deutlich machten.

Das hier beschriebene Schulterstück in glänzender Ausführung diente der Kennzeichnung des Ranges eines Zollanwärters, also eines Beamtenanwärters in der untersten Laufbahnstufe des Zolldienstes. Zollanwärter befanden sich in der Ausbildung und mussten verschiedene theoretische und praktische Prüfungen absolvieren, bevor sie in den regulären Dienst übernommen werden konnten. Die Schulterstücke waren wesentliche Bestandteile der Uniform und ermöglichten die sofortige Identifikation von Rang und Funktion des Trägers.

Die Firma Thiele & Steinert gehörte zu den führenden Herstellern von Uniformeffekten und militärischen Ausrüstungsgegenständen in Deutschland. Solche Firmen unterhielten enge Beziehungen zu den verschiedenen staatlichen Beschaffungsstellen und produzierten nach exakten Vorgaben und Mustern. Das vorliegende Stück als Musterstück hatte besondere Bedeutung: Es diente als verbindliches Referenzmuster für die Serienproduktion und wurde von der zuständigen Dienststelle – hier der Zollkleiderkasse Berlin – offiziell abgenommen und gesiegelt.

Die Zollkleiderkasse war die zentrale Beschaffungs- und Verwaltungsstelle für Uniformen und Ausrüstung des Zollpersonals. Sie stellte sicher, dass alle Uniformteile den geltenden Vorschriften entsprachen und garantierte eine einheitliche Ausstattung aller Zollbediensteten im gesamten Reichsgebiet. Die Siegelung eines Musterstücks dokumentierte, dass dieses Exemplar in Material, Verarbeitung und Ausführung den amtlichen Standards entsprach.

Das Datum 23. November 1938 fällt in eine Zeit erheblicher politischer und administrativer Umbrüche. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden auch die Strukturen der Reichsfinanzverwaltung und des Zollgrenzschutzes schrittweise den ideologischen Vorstellungen des Regimes angepasst. Der Zollgrenzschutz gewann in dieser Phase zunehmend an Bedeutung, insbesondere nach der Annexion Österreichs im März 1938 und der Besetzung der sudetendeutschen Gebiete im Oktober 1938, die zu erheblichen Veränderungen der deutschen Grenzen führten.

Die glänzende Ausführung des Schulterstücks weist auf die Verwendung bei der Ausgehuniform oder bei besonderen Anlässen hin. Im Gegensatz dazu wurden für den täglichen Dienst oft mattere, weniger auffällige Versionen verwendet. Die erwähnte Schlaufe diente der Befestigung des Schulterstücks an der Uniform und war so konstruiert, dass ein schneller Wechsel zwischen verschiedenen Uniformteilen möglich war.

Der neuwertige Zustand dieses Musterstücks ist bemerkenswert und erklärt sich durch seine Funktion: Als Referenzmuster wurde es nicht im täglichen Dienst getragen, sondern sorgfältig aufbewahrt und nur zu Vergleichszwecken herangezogen. Dies macht solche Musterstücke zu besonders wertvollen historischen Dokumenten, da sie den ursprünglichen Zustand und die Herstellungsqualität authentisch bewahren.

Heute sind solche Schulterstücke wichtige Studienobjekte für die Erforschung der deutschen Verwaltungs- und Uniformgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die hierarchischen Strukturen und Rangordnungen innerhalb staatlicher Organisationen, sondern geben auch Einblick in Produktionsprozesse, Qualitätsstandards und administrative Abläufe. Für Sammler und Historiker stellen insbesondere gesiegelte Musterstücke mit dokumentierter Provenienz wertvolle Zeugnisse einer vergangenen Epoche dar.