Urkundengruppe von einem Unteroffizier / 1. Stufe Nahkampfspange / Kubanschild und weitere

- Besitzzeugnis zum Kubanschild, für den Unteroffizier Eder, vom 4. (Maschinengewehr) Füsilier Bataillon 98, ausgestellt am 1.10.1944.
Besitzzeugnis zur 1. Stufe der Nahkampfspange, für tapfere 15 Nahkampftage, ausgestellt am 18.3.1944.
Besitzzeugnis zum Infanterie Sturmabzeichen in Silber, ausgestellt am 20.2.1944, Stempel: Infanterie Regiment 95.
Verleihungsurkunde zum Eisernen kreuz 1. Klasse, ausgestellt am 10.03.1944,  Verleihungsurkunde zum Eisernen Kreuz 2. Klasse, ausgestellt am 10. März 1944.
Eine Doppelverleihung von Ek 2 und EK 1 gleichzeitig setzte ein Besondere Tapferkeitstat voraus. Beide Urkunden sind unterschrieben vom späteren Ritterkreuzträger ( 14. April 1945 ) und Generalleutnant Otto Adolf Hermann Brückner 
Die Urkunden sind in einem gebrauchtem Zustand. 
501704
650,00

Urkundengruppe von einem Unteroffizier / 1. Stufe Nahkampfspange / Kubanschild und weitere

Diese Urkundengruppe dokumentiert den militärischen Werdegang eines Unteroffiziers der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs und vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die Auszeichnungspraxis und die Kampferfahrungen deutscher Soldaten an der Ostfront zwischen 1943 und 1944.

Der Kubanschild (auch Kuban-Brückenkopfschild) wurde am 21. September 1943 durch Adolf Hitler gestiftet und ehrte Soldaten, die zwischen dem 1. Februar und 10. Oktober 1943 am Kuban-Brückenkopf im Kaukasus gekämpft hatten. Diese Kampfauszeichnung war eine von mehreren Kampfschilden, die für spezifische Feldzüge verliehen wurden. Die Verteidigung des Kuban-Brückenkopfes stellte eine bedeutende Operation dar, bei der deutsche und rumänische Truppen unter schwierigen Bedingungen gegen sowjetische Übermacht kämpften. Das Besitzzeugnis vom 1. Oktober 1944 zeigt, dass die formelle Verleihung oft mit erheblicher zeitlicher Verzögerung zur tatsächlichen Kampfhandlung erfolgte.

Die Nahkampfspange wurde am 25. November 1942 gestiftet und war eine der am höchsten bewerteten Kampfauszeichnungen der Wehrmacht. Sie würdigte die besondere Belastung des Nahkampfes und wurde in verschiedenen Stufen verliehen. Die erste Stufe (Bronze) erforderte 15 Nahkampftage, die zweite Stufe (Silber) 30 Tage, die dritte Stufe (Gold) 50 Tage und die vierte Stufe (Brillantausführung) 75 Tage. Als “Nahkampftag” galt ein Tag, an dem der Soldat im direkten Feindkontakt mit Handwaffen, Handgranaten oder im Mann-gegen-Mann-Kampf stand. Die Verleihung vom 18. März 1944 belegt intensive Kampfhandlungen, vermutlich an der Ostfront, wo solche brutalen Gefechte besonders häufig vorkamen.

Das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber wurde bereits am 20. Dezember 1939 gestiftet und ehrte Infanteristen für die Teilnahme an Angriffen. Die silberne Ausführung erforderte die Beteiligung an mindestens drei Angriffen an verschiedenen Tagen, alternativ die Verwundung während eines Angriffs oder besondere Tapferkeit. Das Besitzzeugnis vom 20. Februar 1944 trägt den Stempel des Infanterie-Regiments 95, einer traditionsreichen Einheit der Wehrmacht.

Besonders bemerkenswert ist die gleichzeitige Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. und 1. Klasse am 10. März 1944. Das Eiserne Kreuz war die bekannteste deutsche militärische Auszeichnung, 1813 gestiftet und 1939 von Hitler in drei Stufen erneuert: 2. Klasse, 1. Klasse und Großkreuz. Normalerweise wurde zunächst die 2. Klasse verliehen, und die 1. Klasse folgte erst nach weiteren Bewährungen. Eine simultane Verleihung beider Stufen war außerordentlich selten und setzte eine herausragende Tat von besonderer Tapferkeit voraus. Dies deutet auf eine Einzelaktion hin, bei der sich der Unteroffizier außergewöhnlich bewährt haben muss.

Die Unterschrift auf beiden Urkunden stammt von Generalleutnant Otto Adolf Hermann Brückner, der selbst am 14. April 1945 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde. Brückner kommandierte zu dieser Zeit Einheiten an der Ostfront und war bekannt für seine Führungsqualitäten unter schwierigsten Bedingungen. Seine Unterschrift auf den Urkunden verleiht diesen zusätzliche historische Bedeutung, da sie von einem hochdekorierten Offizier stammen, der die militärische Lage aus erster Hand kannte.

Die zeitliche Abfolge der Auszeichnungen - alle zwischen Februar und Oktober 1944 verliehen oder bestätigt - fällt in eine Phase intensivster Kämpfe an der Ostfront. Nach der Niederlage bei Kursk im Sommer 1943 befand sich die Wehrmacht in kontinuierlichem Rückzug. Die Jahre 1943 und 1944 waren geprägt von verzweifelten Abwehrkämpfen, bei denen deutsche Einheiten oft in aussichtslosen Situationen erbitterten Widerstand leisteten. Die Zugehörigkeit zum Füsilier-Bataillon 98 (4. Maschinengewehr-Kompanie) weist auf eine motorisierte oder bewegliche Einheit hin, die typischerweise in kritischen Frontabschnitten eingesetzt wurde.

Solche Urkundengruppen sind wichtige historische Dokumente, die individuelle Kriegserfahrungen dokumentieren und Einblick in das militärische Auszeichnungswesen des Dritten Reiches geben. Sie zeigen die systematische Anerkennung militärischer Leistungen, die als Instrument zur Motivation und Disziplinierung der Truppe diente. Der gebrauchte Zustand der Dokumente unterstreicht ihre Authentizität - sie wurden unter Feldbedingungen aufbewahrt und getragen, oft unter extremen Umständen.

Aus historischer Perspektive dokumentieren diese Urkunden nicht nur persönliche Tapferkeit, sondern auch die brutale Realität des Krieges an der Ostfront, wo Soldaten unter unmenschlichen Bedingungen kämpften. Sie sind Zeugnisse einer Epoche, die mahnend an die Schrecken des Krieges erinnert.