WHW - 4. KWHW 3. Reichsstrassensammlung 21./22.11.1942
Die vorliegende Sammlung von zehn Abzeichen aus Sperrholz repräsentiert die 3. Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerks (WHW), die am 21. und 22. November 1942 stattfand. Diese Abzeichen mit dem Thema “Deutsche Bauernhäuser” sind bedeutende Zeugnisse der nationalsozialistischen Propagandaarbeit während des Zweiten Weltkriegs und spiegeln die ideologische Instrumentalisierung traditioneller deutscher Architektur wider.
Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wurde im September 1933 als offizielle NS-Wohlfahrtsorganisation gegründet. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt entwickelte sich das WHW zu einer der größten Sammelorganisationen des Dritten Reiches. Die Organisation sollte während der Wintermonate bedürftigen “Volksgenossen” helfen, diente jedoch gleichzeitig als massives Propagandainstrument zur Demonstration der angeblichen Volksgemeinschaft.
Die Reichsstraßensammlungen stellten die wichtigste Sammelmethode des WHW dar. An festgelegten Wochenenden wurden in allen deutschen Städten und Gemeinden Sammler aufgestellt, die gegen eine Spende kleine Abzeichen ausgaben. Diese Sammlungen fanden von 1933 bis 1945 regelmäßig statt, wobei jede Sammlung ein spezifisches Thema hatte. Die Teilnahme war offiziell freiwillig, jedoch wurde durch sozialen Druck und die öffentliche Zurschaustellung der Abzeichen eine faktische Teilnahmepflicht erzeugt.
Die Serie “Deutsche Bauernhäuser” aus dem vierten Kriegswinterhilfswerk (4. KWHW) 1942/43 ist besonders aussagekräftig für die NS-Ideologie. Die Abzeichen zeigen verschiedene traditionelle Bauernhaustypen aus unterschiedlichen deutschen Regionen. Dies entsprach der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie, die das Bauerntum als Kern des deutschen Volkes verherrlichte und die regionale Verwurzelung betonte. Die Darstellung historischer Bauernarchitektur sollte Kontinuität, Tradition und die angebliche Überlegenheit deutscher Kultur vermitteln.
Die Herstellung dieser Abzeichen aus Sperrholz ist charakteristisch für die Kriegszeit. Während in den Vorkriegsjahren WHW-Abzeichen häufig aus Metall, Glas, Porzellan oder anderen Materialien gefertigt wurden, zwang die Kriegswirtschaft zur Verwendung einfacherer und kostengünstigerer Materialien. Sperrholz war leicht verfügbar und konnte mit einfachen Produktionsmethoden verarbeitet werden. Die Abzeichen wurden typischerweise gestanzt, bemalt und mit einer Anstecknadel versehen.
Der Zeitpunkt dieser Sammlung im November 1942 ist historisch bedeutsam. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die militärische Lage des Deutschen Reiches bereits erheblich verschlechtert. Die Schlacht von Stalingrad erreichte ihren Höhepunkt, und die Ressourcenknappheit wurde zunehmend spürbar. Die WHW-Sammlungen gewannen in dieser Phase noch größere Bedeutung, sowohl für die tatsächliche Versorgung der Bevölkerung als auch für die Aufrechterhaltung der Moral an der “Heimatfront”.
Die zehn verschiedenen Abzeichen der Serie zeigten vermutlich Bauernhaustypen wie das niedersächsische Hallenhaus, das alemannische Bauernhaus, das fränkische Fachwerkhaus oder das schlesische Umgebindehaus. Jedes Haus repräsentierte eine bestimmte Region des “Großdeutschen Reiches” und sollte die kulturelle Vielfalt innerhalb der propagierten Volksgemeinschaft demonstrieren.
Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gute Erhaltung mit nur geringen Gebrauchsspuren hin. Dies ist bemerkenswert, da Sperrholzabzeichen aufgrund ihrer Materialempfindlichkeit häufig Beschädigungen aufweisen. Viele dieser Abzeichen wurden nach dem Tragen entsorgt oder gingen im Laufe der Jahrzehnte verloren.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind vollständige Serien von WHW-Abzeichen besonders wertvoll. Sie dokumentieren nicht nur die Propagandaarbeit des NS-Regimes, sondern auch die Alltagsgeschichte der deutschen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs. Die Abzeichen waren Teil des täglichen Lebens und zeugen von der Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie.
Heute dienen solche Objekte als wichtige Quellen für die historische Forschung und Aufklärung. Sie illustrieren die Mechanismen totalitärer Herrschaft und die Rolle von Propaganda in der Mobilisierung und Kontrolle der Bevölkerung. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Artefakten trägt zum Verständnis dieser dunklen Epoche deutscher Geschichte bei.