Die Dienstmarke des Oberkommandos der Wehrmacht Abwehr gehört zu den seltensten und historisch bedeutsamsten Identifikationsgegenständen des deutschen Nachrichtendienstes während des Zweiten Weltkriegs. Dieses unscheinbare Objekt aus Buntmetall mit der eingeschlagenen Nummer 648 repräsentiert eine der geheimnisvollsten Organisationen der Wehrmacht und dokumentiert die Existenz einer Institution, die im Zentrum der deutschen Militärgeheimdienstarbeit stand.
Die Abwehr wurde 1920 innerhalb des Reichswehrministeriums als deutscher Militärnachrichtendienst gegründet, ursprünglich mit defensiven Aufgaben der Spionageabwehr betraut. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der massiven Aufrüstung der Wehrmacht gewann die Organisation zunehmend an Bedeutung. Am 4. Februar 1938 erfolgte eine grundlegende Reorganisation, als die Abwehr dem neu geschaffenen Oberkommando der Wehrmacht (OKW) unterstellt wurde und fortan offiziell als Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht firmierte. Das Hauptquartier befand sich in Berlin, Tirpitzufer 76/78.
Unter der Leitung von Admiral Wilhelm Canaris, der 1935 zum Chef der Abwehr ernannt wurde, entwickelte sich die Organisation zu einem verzweigten Nachrichtendienst mit drei Hauptabteilungen: Abwehr I war für die Nachrichtenbeschaffung zuständig, Abwehr II organisierte Sabotageakte und Sonderoperationen, während Abwehr III sich mit Spionageabwehr befasste. Zu den bedeutenden Führungspersönlichkeiten gehörten neben Canaris auch Generalmajor Hans Oster, Leiter der Zentralabteilung von 1939 bis 1944, sowie die Abteilungsleiter Oberst Hans Piekenbrock (Abwehr I), Oberst Erwin von Lahousen (Abwehr II) und Oberst Franz Eccard von Bentivegni (Abwehr III).
Die Dienstmarke diente der Identifizierung von Angehörigen des Abwehrdienstes im militärischen und nachrichtendienstlichen Kontext. Im Unterschied zur standardisierten Wehrmacht-Erkennungsmarke, die alle Soldaten als ovale Metallscheiben von 70x50mm trugen, handelte es sich bei der Abwehr-Dienstmarke um ein spezielles Identifikationsabzeichen für Mitglieder dieser Geheimdienstorganisation.
Die Geschichte der Abwehr nahm eine dramatische Wendung, als viele hochrangige Offiziere, einschließlich Canaris und Oster, in den Widerstand gegen das NS-Regime verwickelt wurden. Diese oppositionellen Aktivitäten führten 1944 zur Auflösung der Organisation. Heinrich Himmler ließ die Abwehr in das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) der SS eingliedern. Admiral Canaris wurde am 9. April 1945 wegen seiner Beteiligung am Widerstand hingerichtet.
Das vorliegende Exemplar besitzt eine außergewöhnliche Provenienz: Es wurde im April 1945 von französischen Truppen der 1. Armee bei einem deutschen Kriegsgefangenen erbeutet und an Leutnant Joos vom 2. Büro, der Abteilung für Kriegsgefangene, übergeben. Das 2. Büro war traditionell für den Nachrichtendienst zuständig. Der erhaltene Originalumschlag mit französischer Beschriftung dokumentiert diese Kriegsbeute: "Plaque d'un membre de L'Abwehr. Trouvé sur un prisonier allemand - donné par le Lt. Joos. Cef 1e Armée 2e Bureau Section Prisonier - Avril 1945".
Nach der deutschen Kapitulation 1945 wurden NS-Devotionalien und Wehrmachtsinsignien unter den alliierten Besatzungsgesetzen verboten. Solche Identifikationsgegenstände wurden zu Kriegstrophäen und später zu historischen Sammlerstücken. Die außerordentliche Seltenheit dieser Dienstmarken auf dem Sammlermarkt unterstreicht die Bedeutung dieses Objekts als authentisches Zeugnis einer der umstrittensten Organisationen der deutschen Militärgeschichte.