Deutsche Arbeitsfront ( DAF ) Jacke für einen Stammführer einer Werkschar

Blaues Tuch, Schulterklappen mit blauer Paspelierung zum einnähen, die Auflagen fehlen. Rangabzeichen und Armbinde wurden entfernt. Innen mit schwarzen Seidenfutter, im Nacken das Schneideretikett "Handwerks-Arbeit RZM". Maße: ca. Schulterbreite ca. 43 cm, Armlänge-Außen ca. 61 cm, Gesamtlänge ca. 41 cm. Kleinen Mottenloch unter der rechten Brusttasche, ein Koppeltragehaken fehlt und innen das Seidenfutter repariert, Zustand 2.
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750,00

Deutsche Arbeitsfront ( DAF ) Jacke für einen Stammführer einer Werkschar

Die vorliegende Jacke der Deutschen Arbeitsfront (DAF) für einen Stammführer einer Werkschar repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Arbeits- und Organisationsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Deutsche Arbeitsfront wurde am 10. Mai 1933 gegründet und ersetzte die zuvor aufgelösten freien Gewerkschaften. Unter der Leitung von Dr. Robert Ley entwickelte sich die DAF zur größten Massenorganisation des Dritten Reiches mit über 25 Millionen Mitgliedern.

Die Werkscharen bildeten innerhalb der DAF eine paramilitärische Formation, die im März 1935 offiziell ins Leben gerufen wurde. Sie dienten primär dem Werkschutz in Betrieben und sollten die nationalsozialistische Ideologie in der Arbeiterschaft verankern. Die Werkscharen waren hierarchisch organisiert und orientierten sich in ihrer Struktur an militärischen Vorbildern. Der Rang eines Stammführers entsprach dabei einer mittleren Führungsposition innerhalb dieser Organisation.

Die beschriebene Jacke aus blauem Tuch folgt den standardisierten Uniformvorschriften der DAF-Werkscharen. Die blaue Farbe war charakteristisch für die Arbeitsfront und unterschied sich bewusst von den braunen Uniformen der NSDAP-Parteigliederungen. Die Schulterklappen mit blauer Paspelierung dienten der Rangkennung, wobei die spezifischen Auflagen den genauen Dienstgrad und die Zugehörigkeit anzeigten. Das Fehlen dieser Auflagen sowie der Armbinde ist typisch für Nachkriegsstücke, da diese Insignien häufig aus politischen oder rechtlichen Gründen entfernt wurden.

Besonders bemerkenswert ist das Schneideretikett “Handwerks-Arbeit RZM” im Nacken der Jacke. Die Abkürzung RZM steht für Reichszeugmeisterei, die zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP, die 1929 gegründet wurde. Die RZM überwachte die Produktion und Qualität sämtlicher Uniformen, Abzeichen und Ausrüstungsgegenstände der nationalsozialistischen Organisationen. Der Vermerk “Handwerks-Arbeit” deutet auf eine hochwertige handwerkliche Fertigung hin, die sich von industrieller Massenproduktion abhob. Dies war typisch für Führeruniformen, die häufig in spezialisierten Schneidereien angefertigt wurden.

Das schwarze Seidenfutter unterstreicht den gehobenen Qualitätsanspruch dieser Dienstjacke. Während einfache Mitglieder oft Uniformen mit Baumwollfutter trugen, waren Führerränge mit hochwertigeren Materialien ausgestattet. Die Verwendung von Seide war nicht nur ein Zeichen von Status, sondern bot auch praktische Vorteile hinsichtlich Tragekomfort und Haltbarkeit.

Die strukturelle Aufteilung der Jacke mit den genannten Maßen – Schulterbreite circa 43 cm, Außenärmelänge circa 61 cm und Gesamtlänge circa 41 cm – entspricht dem typischen Schnitt einer Dienstjacke der 1930er und frühen 1940er Jahre. Die erwähnten Brusttaschen waren funktionale Elemente, die zur praktischen Nutzung der Uniform beitrugen.

Der Erhaltungszustand mit einem kleinen Mottenloch, einem fehlenden Koppeltragehaken und repariertem Innenfutter ist für ein über 80 Jahre altes Textilstück durchaus typisch. Die Koppeltragehaken dienten zur Befestigung des Koppels, einem wesentlichen Bestandteil der Uniformierung, der die Dienstwaffe und andere Ausrüstungsgegenstände trug.

Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Uniformstücke die umfassende Durchdringung der deutschen Gesellschaft durch nationalsozialistische Organisationen. Die DAF war nicht nur eine Arbeitnehmervertretung, sondern ein Instrument zur ideologischen Kontrolle und Mobilisierung der Arbeiterschaft. Die Werkscharen als paramilitärische Einheiten innerhalb der DAF spiegelten die Militarisierung der Zivilgesellschaft wider, die für das nationalsozialistische System charakteristisch war.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 wurde die Deutsche Arbeitsfront durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 offiziell aufgelöst und verboten. Ihre Vermögenswerte wurden beschlagnahmt, und die Führungskräfte wurden teilweise strafrechtlich verfolgt. Uniformen und Abzeichen verloren ihre offizielle Bedeutung und wurden häufig entsorgt oder ihrer Insignien entledigt, wie es auch bei dem vorliegenden Objekt der Fall ist.

Heute besitzen solche Uniformstücke primär historischen Dokumentationswert. Sie dienen Museen, Forschungseinrichtungen und Sammlern als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und ermöglichen das Studium von Organisationsstrukturen, Hierarchien und der visuellen Kultur des Nationalsozialismus.