Königreich Hannover Bärenfellmütze für einen Offizier des Garde-Grenadier-Regiments aus der Zeit König Georgs IV. oder Wilhelms IV.

Um 1830. Hohe, schwarze Bärenfell-Mütze, das Fell mit der Haut auf ein inneres Holzgeflecht gezogen, vorne mit kurzem schwarzen Lederschirm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne als Emblem die große flammende Granate in Messing vergoldet auf einem Schild mit Strahlenmuster aufgelegt, auf der flammenden Granate in echt Silber aufgelegt das "Royal coats of arms of the United Kingdom" in der Form von 1816-37, eingefasst mit dem Wahlspruch «Nec aspera terrent», oben die Krone mit darauf schreitendem gekröntem Löwen, links und rechts gehalten von dem Löwen und dem Einhorn, diese verbunden mit dem Spruchband mit der Devise «Dieu et mon droit», oben und unten die Ehrenbandeaus «Peninsula» und «Waterloo». Große gewölbte Messingschuppenketten an großen silbernen Sternen mit der Devise «numquam retrosrsum» (Niemals zurück) und dem heiligen Georg, der den Drachen tötet im Zentrum. Vorne an der Oberseite die geflochtene weiße Schnur mit weißen Spiegeln. Der Deckel der Fellmütze aus rotem Stoff mit der im vergoldeten Buntmetall aufgelegten großen Königskrone und darunter in Silber das "Springende Pferd" Hannovers. Die Fellmütze innen mit einem schwarzem Lederschweißband und beigem Seidenfutter. Größe ca. 56. Gesamthöhe ca. 38 cm. Anhängend mit der alten Inventarnummer der Waffenkammer Schloss Marienburg. Sehr schön erhalten! Zustand 2.

Sehr selten und von musealer Bedeutung!

Das Garde-Grenadier-Regiment wurde nach der Neugründung der hannoverschen Armee 1816 aus ehemaligen Angehörigen der "Kings German Legion" und somit Veteranen der Napoleonischen Kriege gebildet. Die Bärenfellmütze wurde um 1820 eingeführt und bis 1849 getragen. Ab 1840 jedoch nur noch zur Parade.

Nur wenige Exemplare wurden überliefert, insbesondere für Offiziere. Ein weiteres Exemplar befindet sich im Historischen Museum Hannover. Das vorliegende Stück stammt aus dem Welfen-Schloss Marienburg und wurde im Oktober 2005 bei der Sotheby's Auktion versteigert.
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Königreich Hannover Bärenfellmütze für einen Offizier des Garde-Grenadier-Regiments aus der Zeit König Georgs IV. oder Wilhelms IV.

Diese prachtvolle Bärenfellmütze eines Offiziers des Garde-Grenadier-Regiments des Königreichs Hannover verkörpert eine bemerkenswerte Epoche europäischer Militärgeschichte, in der persönliche Unionen zwischen Königshäusern und die Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen das Schicksal ganzer Nationen bestimmten. Das um 1830 entstandene Prunkstück stammt aus der Regierungszeit König Georgs IV. (1820-1830) oder Wilhelms IV. (1830-1837) und repräsentiert die Blütezeit der hannoverschen Garde.

Nach der Niederlage Napoleons und der Erhebung des Kurfürstentums Hannover zum Königreich auf dem Wiener Kongress (1814-1815) wurde 1816 eine neue hannoversche Armee etabliert. Das Garde-Grenadier-Regiment bildete dabei eine besondere Eliteeinheit, da es aus Veteranen der King's German Legion formiert wurde, die während der Napoleonischen Kriege in britischen Diensten gekämpft hatten. Diese kampferprobten Soldaten hatten sich in den härtesten Schlachten der Ära bewährt, insbesondere im Peninsular War auf der Iberischen Halbinsel und in der entscheidenden Schlacht bei Waterloo.

Die Einführung der Bärenfellmütze im Jahr 1826 ehrte nicht nur die militärischen Leistungen des Regiments, sondern symbolisierte auch die Macht der Welfen-Dynastie. Die imposante Kopfbedeckung, etwa 38 Zentimeter hoch, folgte dem Vorbild ähnlicher Uniformstücke elitärer Grenadiertruppen, besonders der französischen Kaiserlichen Garde. Das schwarze Bärenfell wurde über ein inneres Holzgerüst gezogen und mit einem kurzen schwarzen Lederschirm versehen.

Die reiche Ornamentik der Mütze spiegelt die komplexe politische Konstellation der Zeit wider. Die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, bei der beide Reiche vom selben Monarchen regiert wurden, manifestiert sich eindrucksvoll in den Emblemen: Das in echtem Silber aufgelegte königliche Wappen des Vereinigten Königreichs in der Form von 1816-1837 prangt auf einer vergoldeten flammenden Granate. Die lateinischen und französischen Wahlsprüche “Nec aspera terrent”, “Dieu et mon droit” und “Numquam retrorsrum” (Niemals zurück) zeugen von der internationalen Ausrichtung der hannoverschen Monarchie. Die Ehrenbandeaus “Peninsula” und “Waterloo” erinnern an die ruhmreichen Schlachten der King's German Legion.

Der rote Stoffdeckel der Mütze trägt die große vergoldete Königskrone und darunter das in Silber ausgeführte springende Pferd Hannovers, das Wappentier des Königreichs. Die großen Messingschuppenketten sind an silbernen Sternen befestigt, die den heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen zeigen – ein weiteres Symbol ritterlicher Tugenden. Die weiße geflochtene Schnur mit weißen Spiegeln an der Oberseite vervollständigt die prächtige Ausstattung.

Das Offizierskorps des Garde-Grenadier-Regiments rekrutierte sich, wie bei allen hannoverschen Garde- und Kavallerieregimentern der Epoche üblich, vornehmlich aus dem Adel. Die Bärenfellmütze wurde zunächst zu allen feierlichen Anlässen getragen, doch ab 1840 wurde ihr Gebrauch auf Paradeauftritte beschränkt. Im Jahr 1849 wurde die imposante Kopfbedeckung schließlich ganz aus dem Uniformreglement gestrichen.

Die Geschichte des Königreichs Hannover endete abrupt 1866, als Preußen das Land nach dem Österreichisch-Preußischen Krieg annektierte und die unabhängige hannoversche Armee auflöste. Diese konkrete Bärenfellmütze stammt aus der Waffenkammer des Schlosses Marienburg, der 1858 bis 1869 errichteten Residenz des Welfenhauses. Das Schloss beherbergte eine bedeutende Sammlung militärhistorischer Objekte der hannoverschen Monarchie. Im Oktober 2005 wurde die Sammlung des Königshauses Hannover bei Sotheby's versteigert, wobei etwa 20.000 Objekte in 5.000 Losen über 40 Millionen Euro erzielten. Diese Auktion war unter Kunsthistorikern und Museologen umstritten.

Heute existieren nur noch sehr wenige Exemplare dieser Bärenfellmützen, besonders Offiziersmodelle sind äußerst selten. Ein weiteres Exemplar wird im Historischen Museum Hannover bewahrt. Die vorliegende Mütze mit ihrer vollständigen originalen Ausstattung und ihrer dokumentierten Provenienz aus der welfischen Sammlung besitzt daher außerordentliche museale Bedeutung und dokumentiert eindrucksvoll die Pracht und Repräsentationskultur eines untergegangenen deutschen Königreichs.

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