Königreich Hannover Pelzmütze für Offiziere im Garde-Husaren-Regiment

Garnison Hannover, um 1850. Hohe Pelzmütze aus braunem Pelz. Komplett mit allen Beschlägen. Vorne in 'Buntmetall feuervergoldet aufgelegt die Krone über dem Devisenband "Peninsula - Waterloo - El Bodon", vergoldete Panzerkette auf brauner Samtunterlage, seitlich an Haken mit großen Löwenköpfen. Der rote Kolpak fest vernäht. Komplett mit der silbernen Fangschnur mit gelben Durchzügen mit Quasten. Komplett mit dem original weißen Reiherfeder-Paradestutz mit gelber Wurzel, unten mit vergoldeter vierblättriger Montierung mit Halteschraube zur Befestigung in der Oberkante des Korpus einmontierten Tülle. Innen mit braunem Lederfutter und rotbraunes Seidenfutter. Leicht getragen in wunderschöner unberührter Originalerhaltung ! 
Extrem selten, ein Prachtstück von musealer Seltenheit, seit über 35 Geschäftsjahren das 1. Mal bei uns im Angebot.

Im Jahre 1813 bestanden in der hannoverschen Armee bereits 3 Husaren-Regimenter. Mit der Neuformation der Kavallerie 1816 wurde die Anzahl der Husaren-Regimenter sogar auf vier angehoben. 1833 wurde die Kavallerie erneut reformiert und nun alle Regimenter als Dragoner eingestuft. Jedoch bereits 1838 wurde die Kavallerie nochmals umgeformt und es wurden wieder Husaren-Regimenter erschaffen. Dazu gehörten auch das Garde-Husaren-Regiment und das Königin-Husaren-Regiment. Noch 1847 erhielten die Regimenter Pelzmützen mit rotem bzw. karmesinroten Beutel. 1866 nahm das Regiment am Krieg gegen Preußen teil.





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Königreich Hannover Pelzmütze für Offiziere im Garde-Husaren-Regiment

Die Pelzmütze für Offiziere im Garde-Husaren-Regiment des Königreichs Hannover repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt der militärischen Tradition Mitteleuropas im 19. Jahrhundert. Diese prachtvolle Kopfbedeckung verkörpert nicht nur die militärische Eleganz der Epoche, sondern auch die komplexe Geschichte des Königreichs Hannover und seiner Streitkräfte.

Das Königreich Hannover entstand 1814 aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und bestand bis zu seiner Annexion durch Preußen im Jahre 1866. In dieser Zeit entwickelte sich eine eigenständige hannoversche Militärtradition, die stark von britischen Einflüssen geprägt war, da die hannoverschen Kurfürsten seit 1714 gleichzeitig britische Könige waren. Diese Personalunion endete zwar 1837 mit dem Thronantritt Königin Victorias in Großbritannien, hinterließ jedoch tiefe Spuren in der militärischen Organisation und Uniformierung.

Die Husaren waren leichte Kavallerie, deren Ursprünge im ungarischen Militärwesen des 15. Jahrhunderts lagen. Im 18. und 19. Jahrhundert verbreitete sich diese Truppengattung über ganz Europa und entwickelte sich zu einer Elite-Einheit, die für ihre Schnelligkeit, ihren Mut und ihre prächtige Uniformierung bekannt war. Die Husaren des Königreichs Hannover spielten eine wichtige Rolle in den napoleonischen Kriegen und kämpften auf Seiten der Alliierten gegen Frankreich.

Die Geschichte der hannoverschen Kavallerie im 19. Jahrhundert war von zahlreichen Reorganisationen geprägt. Im Jahre 1813 bestanden bereits drei Husaren-Regimenter. Nach den napoleonischen Kriegen erfolgte 1816 eine Neuformation der Kavallerie, wobei die Anzahl der Husaren-Regimenter auf vier erhöht wurde. Die Reform von 1833 brachte eine drastische Änderung: Alle Kavallerieregimenter wurden als Dragoner eingestuft, was die traditionelle Unterscheidung zwischen verschiedenen Kavallerie-Typen aufhob. Diese Vereinheitlichung erwies sich jedoch als unpraktisch, und bereits 1838 erfolgte eine erneute Umformierung. Dabei wurden wieder Husaren-Regimenter geschaffen, darunter das prestigeträchtige Garde-Husaren-Regiment und das Königin-Husaren-Regiment.

Die Pelzmütze, auch Busby oder Kolpak genannt, war das charakteristische Kopfzeichen der Husaren. Die hohe, zylindrische Form aus braunem oder schwarzem Pelz verlieh den Trägern eine imposante Erscheinung und machte sie auf dem Schlachtfeld weithin sichtbar. Diese Art der Kopfbedeckung hatte praktische und symbolische Bedeutung: Sie bot einen gewissen Schutz vor Säbelhieben und demonstrierte gleichzeitig den elitären Status der Husaren. Die Verwendung kostbarer Materialien wie vergoldeter Beschläge, Silberschnüre und echter Reiherfedern unterstrich den hohen Rang der Offiziere.

Die Devisen auf den Pelzmützen verwiesen auf ruhmreiche Schlachten der hannoverschen Truppen während der napoleonischen Kriege. “Peninsula” bezieht sich auf den Spanischen Unabhängigkeitskrieg (1808-1814), bei dem hannoversche Einheiten im Rahmen der King's German Legion auf der Iberischen Halbinsel kämpften. “Waterloo” erinnert an die entscheidende Schlacht von 1815, bei der hannoversche Truppen wesentlich zum Sieg über Napoleon beitrugen. “El Bodon” verweist auf das Gefecht bei El Bodón am 25. September 1811, bei dem britische und deutsche Truppen gegen französische Übermacht kämpften.

Die Ausstattung der Pelzmütze um 1850 entsprach den Vorschriften, die noch 1847 erlassen wurden. Der rote oder karmesinrote Kolpak (Beutel) war ein charakteristisches Merkmal und diente ursprünglich als Schutz gegen Säbelhiebe. Die Fangschnur aus Silber mit gelben Durchzügen war nicht nur dekorativ, sondern hatte auch die praktische Funktion, die Mütze am Körper zu sichern. Die Panzerkette aus vergoldetem Metall, befestigt an Löwenköpfen, und der weiße Reiherfeder-Paradestutz waren typische Elemente der Paradeuniform und wurden zu besonderen Anlässen getragen.

Das Garde-Husaren-Regiment mit Garnison in Hannover gehörte zu den prestigeträchtigsten Einheiten des Königreichs. Die Offiziere dieser Regiment stammten meist aus dem Adel und der gehobenen Bürgerschicht. Der Dienst in einem Garde-Regiment war mit erheblichen Kosten verbunden, da die Offiziere ihre prächtigen Uniformen und Ausrüstungsgegenstände selbst finanzieren mussten.

Das Ende des Königreichs Hannover kam im Deutschen Krieg von 1866. Hannover stellte sich auf die Seite Österreichs gegen Preußen, wurde aber schnell besiegt. Das Garde-Husaren-Regiment nahm an diesem Konflikt teil und musste nach der Niederlage kapitulieren. Das Königreich wurde von Preußen annektiert und hörte auf zu existieren. Die hannoverschen Regimenter wurden teilweise aufgelöst oder in die preußische Armee integriert, wobei einige ihrer Traditionen fortgeführt wurden.

Pelzmützen wie diese sind heute äußerst seltene Zeugnis der hannoverschen Militärgeschichte. Ihr Erhaltungszustand und ihre Vollständigkeit machen sie zu wertvollen musealen Objekten, die einen direkten Einblick in die Uniformierung und militärische Kultur des 19. Jahrhunderts ermöglichen.