Lineol - Heer Soldat mit Gewehr zuschlagend " Kolbenschläger "

7 cm, Zustand 2.
236605
20,00

Lineol - Heer Soldat mit Gewehr zuschlagend " Kolbenschläger "

Die Lineol-Soldatenfigur eines Heeres-Soldaten mit Gewehr in der Haltung “Kolbenschläger” repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte und militärischen Alltagskultur der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs.

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name “Lineol” setzt sich aus den lateinischen Begriffen “linea” (Linie) und “oleum” (Öl) zusammen, was auf das verwendete Material hinweist: eine Kompositionsmasse aus Kaolin, Kreide, Leim, Öl und anderen Bestandteilen.

Die hier beschriebene Figur mit einer Größe von 7 cm gehört zur Standardgröße der Lineol-Produktionen. Die Darstellung eines Soldaten in der Bewegung des Kolbenschlags zeigt eine spezifische Kampftechnik des Nahkampfs, die in der militärischen Ausbildung der Wehrmacht gelehrt wurde. Der Kolbenschlag mit dem Gewehr war eine letzte Nahkampftechnik, wenn Munition ausgegangen war oder im Häuserkampf keine Zeit zum Nachladen blieb.

Die Heeresuniform, die diese Figuren trugen, entsprach den tatsächlichen Uniformen der deutschen Wehrmacht zwischen 1935 und 1945. Die Lineol-Figuren wurden mit großer Detailtreue gefertigt und bemalten, wobei die charakteristische feldgraue Uniform, Ausrüstungsgegenstände wie Koppel, Brotbeutel und Gasmaskenkanister sowie die typische Stahlhelm-Form M35 oder M40 wiedergegeben wurden.

Die Produktion solcher Figuren diente mehreren Zwecken: Zunächst waren sie beliebtes Kinderspielzeug, das Kindern ermöglichte, militärische Szenarien nachzuspielen. In der NS-Zeit ab 1933 wurden solche Spielzeuge jedoch zunehmend Teil der Wehrerziehung und der ideologischen Vorbereitung der Jugend auf den Militärdienst. Die Lineol-Figuren wurden in großen Stückzahlen produziert und waren in vielen deutschen Haushalten verbreitet.

Die Herstellungstechnik bei Lineol war für die damalige Zeit hochmodern. Die Figuren wurden in mehrteiligen Metallformen gegossen, wobei die Masse unter Druck eingefüllt wurde. Nach dem Aushärten wurden die Figuren entformt, getrocknet und anschließend von Hand bemalt. Die beweglichen Arme wurden oft mit einem Gummiring befestigt, was verschiedene Haltungen ermöglichte.

Die Qualitätseinstufung “Zustand 2” in der Sammlerwelt bezeichnet ein sehr gut erhaltenes Exemplar mit nur geringen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert, da die Massefiguren relativ empfindlich waren und durch Spielen, Feuchtigkeit oder mechanische Einwirkung leicht beschädigt werden konnten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Lineol zunächst eingestellt. Das Unternehmen lag in der sowjetischen Besatzungszone, und die Produktion militärischer Spielzeuge war zunächst verboten. 1946 wurde die Produktion unter schwierigen Bedingungen wieder aufgenommen, allerdings mit anderen Schwerpunkten. Die Firma stellte nun verstärkt zivile Figuren, Tiere und später auch Kunststofffiguren her.

Heute sind Lineol-Figuren begehrte Sammlerstücke, die einen wichtigen Platz in der Geschichte des deutschen Spielzeugs einnehmen. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der damaligen Spielzeugproduktion, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit. Sammler unterscheiden verschiedene Produktionsphasen, Uniformvarianten und Seltenheitsgrade.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten ermöglicht Einblicke in die Alltagsgeschichte, die Militärkultur und die Kindheitserfahrungen einer Generation. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach der Militarisierung der Gesellschaft und der Rolle von Spielzeug in der ideologischen Erziehung auf. Museen wie das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg oder spezialisierte Spielzeugmuseen bewahren solche Objekte als Zeugnisse ihrer Zeit.