NSFK bronzene Erinnerungs-Medaille für de Teilnehmer "Mittelrheinischer Rundflug Frankfurt a.M. 1938"
Die NSFK-Erinnerungsmedaille für den Mittelrheinischen Rundflug Frankfurt am Main 1938 ist ein faszinierendes Zeugnis der nationalsozialistischen Luftfahrtpropaganda in der unmittelbaren Vorkriegszeit. Diese bronzierte Leichtmetallmedaille mit einem Durchmesser von 50 mm wurde den Teilnehmern einer regional bedeutsamen Flugveranstaltung verliehen, die vom Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) organisiert wurde.
Das NSFK wurde am 17. April 1937 durch die Zusammenlegung des Deutschen Luftsportverbandes (DLV) mit anderen Luftfahrtorganisationen gegründet. Unter der Führung von Korpsführer Friedrich Christiansen, einem Ersten Weltkriegsveteranen und Träger des Pour le Mérite, diente das NSFK als paramilitärische Organisation zur fliegerischen Vorschulung der deutschen Jugend. In einer Zeit, in der das Versailler Vertragssystem bereits durchbrochen war und Deutschland offen aufrüstete, spielte das NSFK eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung künftiger Luftwaffenpiloten.
Das Jahr 1938 markierte einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Es war das Jahr des Anschlusses Österreichs im März, der Sudetenkrise und des Münchner Abkommens im September. In diesem Kontext intensivierte das Regime seine Bemühungen, die Bevölkerung für die Luftfahrt zu begeistern und gleichzeitig eine breite Basis für die militärische Expansion zu schaffen. Flugveranstaltungen wie der Mittelrheinische Rundflug dienten dabei mehreren Zwecken: Sie demonstrierten technologische Leistungsfähigkeit, förderten den Gemeinschaftsgeist und normalisierten die militärische Luftfahrt im Alltag.
Die Rückseite der Medaille trägt die Inschrift “Überreicht durch d. Oberbürgermeister der Stadt des Deutschen Handwerks Frankfurt a. Main”. Diese Bezeichnung verweist auf einen besonderen Status Frankfurts in der NS-Zeit. Die Stadt am Main wurde am 27. November 1927 zur “Stadt des Deutschen Handwerks” ernannt, ein Titel, der ihre historische Bedeutung als Handels- und Messezentrum unterstreichen sollte. Der Oberbürgermeister als Stifter der Medaille verdeutlicht die enge Verflechtung zwischen kommunaler Verwaltung, NS-Organisationen und ideologischer Mobilisierung.
Die Verwendung von bronziertem Leichtmetall anstelle von echtem Bronze ist typisch für deutsche Auszeichnungen der späten 1930er Jahre. Angesichts der zunehmenden Rohstoffknappheit und der Notwendigkeit, Metalle für die Rüstungsproduktion zu reservieren, griffen Hersteller vermehrt auf kostengünstigere Materialien zurück. Die bronzierte Oberfläche sollte dennoch den Eindruck von Wertigkeit und Würde vermitteln. Diese Praxis sollte sich während des Krieges noch verstärken, als selbst offizielle militärische Auszeichnungen aus Ersatzmaterialien gefertigt wurden.
Rundflüge und Luftsportveranstaltungen waren in der Zwischenkriegszeit in ganz Europa populär, erhielten aber im nationalsozialistischen Deutschland eine besondere ideologische Aufladung. Das NSFK organisierte zahlreiche Wettbewerbe, Sternflüge und Rundflüge, die sowohl der Pilotenausbildung als auch der Propaganda dienten. Teilnehmer erhielten häufig Erinnerungsmedaillen oder Abzeichen, die ihre Beteiligung dokumentierten und sie in die nationalsozialistische “Volksgemeinschaft” integrierten.
Die Region Mittelrhein hatte strategische Bedeutung für die deutsche Luftfahrt. Frankfurt verfügte über einen wichtigen Flughafen und war ein Zentrum der deutschen Luftfahrtindustrie. Die Stadt beherbergte Einrichtungen verschiedener Flugzeughersteller und war ein Knotenpunkt für zivile und zunehmend auch militärische Luftfahrt. Rundflüge über die malerische Rheinlandschaft verbanden touristische Attraktivität mit praktischer Flugausbildung.
Aus sammlungsgeschichtlicher Perspektive sind solche NSFK-Medaillen heute wichtige Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Alltagskultur und Propagandamaschinerie. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche mit NS-Ideologie und die Militarisierung der Gesellschaft. Der Zustand 2 (sehr gut) dieser Medaille deutet darauf hin, dass sie sorgfältig aufbewahrt wurde, möglicherweise als geschätzte Erinnerung an ein bedeutsames persönliches Ereignis.
Die Vergabe solcher Medaillen folgte einem durchdachten System der Ehrenbezeugung und sozialen Bindung. Indem Teilnehmer an NSFK-Veranstaltungen öffentlich ausgezeichnet wurden, sollte ihre Loyalität zum Regime gestärkt und anderen ein Vorbild gegeben werden. Diese subtile Form der sozialen Kontrolle und Motivation war charakteristisch für das NS-System.
Heute sind solche Objekte Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Sie erinnern daran, wie systematisch das NS-Regime alle Bereiche des öffentlichen Lebens durchdrang und für seine Ziele instrumentalisierte – von der Freizeitgestaltung bis zur militärischen Vorbereitung eines verbrecherischen Angriffskrieges, der nur ein Jahr später beginnen sollte.