Nationalsozialistische Frauenschaft ( NSF ) - Ortsgruppe/Mitarbeiterin im Stab
Das vorliegende Abzeichen der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF) mit der Bezeichnung "Ortsgruppe/Mitarbeiterin im Stab" stellt ein historisches Zeugnis der Frauenorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland dar. Die blaue Randgestaltung kennzeichnet diese spezifische Funktionsebene innerhalb der hierarchischen Struktur der NSF.
Die Nationalsozialistische Frauenschaft wurde im Oktober 1931 als Zusammenschluss verschiedener nationalsozialistischer Frauenverbände gegründet und entwickelte sich zur größten Frauenorganisation im Dritten Reich. Unter der Führung von Gertrud Scholtz-Klink, die ab 1934 als Reichsfrauenführerin amtierte, erreichte die NSF bis 1938 eine Mitgliederzahl von etwa 2,3 Millionen Frauen. Die Organisation war eng mit dem Deutschen Frauenwerk (DFW) verbunden, einer übergeordneten Dachorganisation, die sämtliche gleichgeschalteten Frauenverbände umfasste.
Das vorliegende Abzeichen trägt die RZM-Kennzeichnung mit der Herstellernummer 92. Die Abkürzung RZM steht für Reichszeugmeisterei, die 1929 gegründete zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP. Die RZM kontrollierte die Produktion und den Vertrieb sämtlicher Parteiabzeichen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände. Jeder autorisierte Hersteller erhielt eine eindeutige Nummer, die auf den Produkten angebracht werden musste. Die Herstellernummer 92 ermöglicht eine genaue Zuordnung zum produzierenden Betrieb, wobei diese Nummerierung nach 1934 systematisch eingeführt wurde.
Die blaue Randfarbe des Abzeichens ist von besonderer Bedeutung, da sie die spezifische Funktion der Trägerin innerhalb der NSF-Hierarchie kennzeichnete. Die Ortsgruppen bildeten die unterste Verwaltungsebene der Parteiorganisation und umfassten in der Regel 1.500 bis 3.000 Haushalte. Mitarbeiterinnen im Stab der Ortsgruppe nahmen administrative und koordinierende Aufgaben wahr und bildeten eine wichtige Verbindung zwischen der Ortsgruppenleitung und den einzelnen Blocks und Zellen.
Die NSF verfolgte die ideologischen Ziele des Nationalsozialismus in Bezug auf die Rolle der Frau in der "Volksgemeinschaft". Im Mittelpunkt stand das propagierte Ideal der deutschen Frau als Mutter und Hausfrau. Die Organisation bot Schulungen in Hauswirtschaft, Säuglingspflege und "Rassenhygiene" an. Gleichzeitig diente die NSF als Mobilisierungsinstrument für staatliche Kampagnen, wie das Winterhilfswerk oder Sammlungsaktionen.
Die hierarchische Struktur der NSF spiegelte die der NSDAP wider und reichte von der Reichsebene über Gau-, Kreis- und Ortsgruppen bis hinunter zu den Block- und Zellenwalterinnen. Jede Ebene verfügte über spezifische Abzeichen und Kennzeichnungen, die den Rang und die Funktion der Trägerin sichtbar machten. Diese Rangabzeichen waren nicht nur Schmuck, sondern dienten der Identifikation und der Darstellung der hierarchischen Ordnung.
Das vorliegende Exemplar befindet sich im Zustand 2, was nach gängiger Sammlerbewertung einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit leichten Gebrauchsspuren bedeutet. Das Abzeichen ist an einer Nadel befestigt, der üblichen Trageweise für derartige Abzeichen, die an der Kleidung angebracht wurden.
Nach 1945 wurden alle Symbole und Abzeichen der NSDAP und ihrer Gliederungen durch die Alliierten verboten. Der Besitz solcher Gegenstände ist heute in Deutschland unter bestimmten Bedingungen legal, insbesondere wenn sie der historischen Forschung, der staatsbürgerlichen Aufklärung oder ähnlichen Zwecken dienen. Das Zeigen verfassungswidriger Kennzeichen ist jedoch gemäß § 86a StGB grundsätzlich strafbar, es sei denn, es dient der Kunst, der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre.
Solche Objekte sind heute wichtige Quellen für die historische Forschung und helfen, die Organisationsstrukturen und die Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus zu verstehen. Sie dokumentieren die systematische Einbindung von Frauen in die NS-Ideologie und die totalitäre Durchdringung aller Lebensbereiche im Dritten Reich.