Nationalsozialistischer Altherrenbund der Deutschen Studenten - Mitgliedsabzeichen
Das Mitgliedsabzeichen des Nationalsozialistischen Altherrenbundes der Deutschen Studenten (NS-Altherrenbund) repräsentiert eine Organisation, die im nationalsozialistischen Hochschulsystem eine bedeutende Rolle spielte. Dieses runde Abzeichen mit einem Durchmesser von etwa 22 bis 23 Millimetern wurde aus versilbertem Tombak gefertigt und mit weißen und schwarzen Emailleeinlagen versehen. Die horizontale Nadelkonstruktion auf der Rückseite trägt die Herstellermarkierung RZM M1/123, die auf die Fertigung durch die Firma Petz & Koch aus Unterreichenbach hinweist.
Die Geschichte der Organisation begann 1931 unter dem Namen NS-Studentenkampfhilfe, deren ursprünglicher Zweck darin bestand, nationalsozialistische Akademiker zu vereinen und den NSDStB (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) an den Universitäten finanziell zu unterstützen. Nach einem Bedeutungsverlust erfuhr die Organisation durch einen Erlass von Rudolf Heß, Hitlers Stellvertreter, am 14. Mai 1936 eine Neubelebung. Diese Wiederbelebung erfolgte in direktem Zusammenhang mit der Auflösung der meisten traditionellen Studentenverbindungen in den Jahren 1934 und 1935.
Die strategische Bedeutung der erneuerten Organisation lag in ihrer Funktion, die "heimatlos" gewordenen Altherrenverbände der aufgelösten Korporationen zu konsolidieren. Dabei ging es nicht nur um ideologische Gleichschaltung, sondern auch um die Nutzbarmachung erheblicher materieller Ressourcen: Die Verbindungshäuser und finanziellen Beiträge der alten Korporationen sollten den neuen NSDStB-Kameradschaften zugutekommen. Im Jahr 1937 wurde die Organisation zur "allein von der NSDAP anerkannten Vereinigung der Alten Herren deutscher Universitäten und Hochschulen" erklärt.
Das Jahr 1938 markierte eine weitere wichtige Zäsur: Die Organisation wurde in NS-Altherrenbund umbenannt und als "NSDAP-betreute Organisation" unter die Aufsicht der Reichsstudentenführung gestellt. Ab Juli 1938 erschien monatlich das offizielle Organ "Der Altherrenbund", das ab dem fünften Jahrgang den Titel "Reich und Geist" trug. Unter der Leitung von Reichsstudentenführer Gustav Adolf Scheel entwickelte sich die Organisation zu einem wichtigen Instrument der nationalsozialistischen Hochschulpolitik.
Die Mitgliedschaft stand ehemaligen Universitäts- und Hochschulstudenten offen, die ihr Studium abgeschlossen hatten. Während die Mitgliedschaft formal freiwillig war, existierte erheblicher Druck: Altherrenverbände, die sich weigerten beizutreten oder als unerwünscht galten – insbesondere katholische Altherrenverbände – wurden durch einen Erlass Heinrich Himmlers vom 20. Juni 1938 aufgelöst. Nach eigenen Angaben zählte die Organisation im Juli 1939 etwa 75.000 Mitglieder.
Das vorliegende Abzeichen wurde im Rahmen des RZM-Systems (Reichszeugmeisterei) hergestellt, das Ende 1934 eingeführt wurde, um Qualität und Standardisierung aller NSDAP-Organisationsgegenstände zu kontrollieren. Die Kennzeichnung M1 bezeichnete dabei Hersteller von Metallinsignien und Abzeichen. Neben der Variante M1/123 von Petz & Koch existierten weitere Herstellervarianten, wobei M1/63 von Steinhauer & Lück ebenfalls häufig vorkam. Die Quellen erwähnen sowohl Standardgrößen als auch kleinere Versionen des Abzeichens.
Das Ende des NS-Altherrenbundes kam mit der deutschen Kapitulation: Wie alle anderen NS-Organisationen wurde er durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 über die Auflösung und Liquidation der Naziorganisationen verboten, sein Vermögen wurde konfisziert. Das Abzeichen selbst wurde als Insignie einer verbotenen Organisation zur Kriegstrophäe, die von alliierten Soldaten gesammelt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland unterliegen solche Abzeichen den Bestimmungen über NS-Symbole.